Wie Musiker mit Lampenfieber umgehen

Geschrieben am 2.05.2010 von Marion in der Kategorie Allgemeines

Lampenfieber kennen wohl die meisten Musiker, die sich der Öffentlichkeit präsentieren. Mal ist es ausgeprägter, mal kaum spürbar. Und wenn man den Medien glauben darf, leiden ja sogar die ganz Großen der Pop-Musik unter Lampenfieber - kaum zu glauben eigentlich…

Eine gewisse Grundspannung ist sicher nicht schlecht, aber was kann man tun, wenn es zu viel wird?

Wie reagiert man auf Stress?

Es gibt unterschiedliche körperliche oder psychische Symptome für Stress. Ihnen ist gemeinsam, dass sie willentlich nicht beeinflussbar sind und deshalb als unangenehm empfunden werden, egal, ob es sich um Schwitzen, kalte Hände oder weiche Knie handelt. Allerdings haben die Motive und Einstellungen durchaus Einfluß auf die Stressreaktion. Man kann sich nämlich auch selber durch Ungeduld, Perfektionismus, Einzelkämpfertum oder Selbstüberforderung unter Stress setzen.

Die eigene Einstellung prüfen

Die erste Maßnahme kann also darin bestehen, an seinen Motiven und Einstellungen zu arbeiten, z.B. mit mentalem Training.
Vieles ist eine Frage der Sichtweise. Ist das Glas halbvoll oder halbleer? Und so kann der Musiker wahlweise auf die 10 Stellen schauen, die im Stück gut gehen, oder auf die 2 Fehler, die immer wieder passieren.
Sicherheit kann man erzielen, wenn man sich Gewohnheiten aneignet und durch Wiederholungen Denkmuster zur Routine macht.

Vorbereitung eines Auftritts

Was kann man nun konkret in der Vorbereitung auf einen wichtigen Auftritt tun?
Natürlich sorgfältig üben und sich darauf vorbereiten, durch folgende Punkte:

  • kleine Ziele festlegen
  • Üben nach Plan an schwierigen Stellen, aber auch Entspannung und Pausen einbauen
  • an verschiedenen Orten üben
  • ohne Unterbrechung durchspielen - so wie es im Auftritt auch sein wird
  • Umgang mit Fehlern trainieren
  • vor dem eigentlichen Auftritt schon andere Möglichkeiten zum Vorspielen nutzen und andere Meinungen einholen

Den negativen Gedanken ein Schnippchen schlagen

Oft ist es ja gar nicht die Realität, die gegen uns ist, sondern es sind die eigenen Gedanken, die uns negativ beeinflussen. Was schiesst da so durch den Kopf?

  • Ich könnte mich verspielen.
  • Das Publikum wartet nur darauf, dass ich einen Fehler mache.
  • Wahrscheinlich wird das Publikum nicht zufrieden sein.

Und zu diesen Gedanken kommt dann gleich eine große Menge düsterer Konsequenzen, die man sich vor dem inneren Auge ausmalt:

  • Man verliert an Ansehen - beim Publikum und auch bei den Musikerkollegen.
  • Man bekommt den Studienplatz oder die Stelle, für den/die man vorspielt, nicht.
  • Dem Publikum gefällt das Konzert nicht.

Wenn man diese Denk-Ketten mit kühlem Kopf betrachtet, relativiert sich einiges davon. Denn jeder macht Fehler und man wird nie alle Menschen zufrieden stellen können. Und wenn jemand im Publikum im Konzert gähnt, kann das viele Gründe haben und bedeutet wahrscheinlich am allerwenigsten, dass er mit dem musikalischen Vortrag nicht einverstanden ist.

Falsche Helfer gegen Stress

Alkohol ist einer dieser falschen Freunde, mit denen man sich im Kampf gegen Stress nicht verbünden sollte. Auch Kaffee, Schokolade oder gar Medikamente gehören auf die Tabuliste. Man muss körperlich und geistig fit sein, und man ist ja, was man isst….

Vorbereitung kurz vor dem Auftritt

Soweit möglich sollte man alle Stressfaktoren ausschalten, die man ausschalten kann. Alles, was man zum Auftritt braucht, vom Instrument über Noten, Notenständer bis hin zur Bekleidung und (eventuell) Frisur sollte frühzeitig geprüft und bereitgelegt werden. Dinge, die leicht kaputt gehen können, wie z.B. Klarinetten-Blätter, sollte man natürlich mehrfach bei sich haben, um im Fall des Falles nicht in Panik zu geraten.

Ausreichend Schlaf vor dem Auftritt, angemessenes Essen und Trinken sollten klar sein. Gerade bei Prüfungen kann es helfen, wenn eine vertraute Begleitperson dabei ist.

Dann geht es eigentlich “nur” noch darum, sich gut einzuspielen, sich positive Gedanken zu machen und sich zu konzentrieren. Idealerweise etabliert man immer die gleichen Abläufe, die automatisch die Konzentration fördern.

Der Auftritt

Steht man auf der Bühne, geht es nur noch vorwärts. Man sollte sich seiner Fähigkeiten sicher sein können und durch seine Haltung und Mimik Selbstsicherheit ausstrahlen.
Sollte trotzdem ein Fehler passieren, sollte man sich daran nicht festbeißen, sondern einfach weiter spielen und nach vorne denken.
Auch wenn die Anspannung hoch ist, darf ein Auftritt oder eine Prüfung auch Spaß machen. Im Idealfall erreicht man den Flow-Zustand. (Flow - ein interessantes Thema, das bald einen eigenen Beitrag verdient).

Und wenn es einmal gut geklappt hat, wird es sicher auch weitere Male funktionieren. Denn nichts macht erfolgreicher als Erfolg.

Hier noch zwei Buchtipps zum Thema Lampenfieber:

  • Gerhard Mantel: “Mut zum Lampenfieber”, Schott Verlag
  • Linda Langeheine: “Lampenfieber adé”, Zimmermann Verlag

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