Wann bleibt ein gutes Konzert lange in Erinnerung?
Musikliebhaber aller Stilrichtungen gehen immer wieder in Konzerte. Aber nur einige der Konzerte schaffen es, sich dauerhaft im Gedächtnis festzusetzen, weil sie einfach sooo gut waren.
Auch in meiner Erinnerung gibt es einige derartige Konzerte. Und so habe ich überlegt, was denn an diesen Konzerten so besonders war, dass ich auch Jahre später noch immer voller Begeisterung daran zurückdenke.
Erwartungen
Man geht mit bestimmten Erwartungen in jedes Konzert. Und nur wenn diese Erwartungen erfüllt werden, kann das Konzert gut sein. Die Erwartungen sind natürlich nicht immer gleich. Und so wird der Zuhörer beim ersten Konzert eines Jugendorchesters nachsichtiger und mit einem niedrigeren musikalischen Niveau zufrieden sein als bei einem bekannten Profi-Orchester.
Werden die Erwartungen erfüllt, geht man zufrieden nach Hause und hat keinen Grund für Kritik oder Ärger. Aber das Konzert geht nach kurzer Zeit in der Erinnerung unter.
Es muss also im Konzert etwas geboten werden, was die Erwartungen übererfüllt, also etwas, mit dem man gar nicht gerechnet hat, was unerwartet ist, beeindruckt und länger anhaltende Begeisterung auslöst.
Pflichtübung oder überspringender Funke?
Für Berufsmusiker ist das Konzert Arbeit. Da kann man gute Qualität erwarten, aber nicht unbedingt immer überschäumende Begeisterung. Aber wenn man als Zuhörer merkt, dass es den Musikern auf der Bühne Spaß macht, das Konzert zu spielen und wenn sie sich sichtlich über den Beifall freuen, gibt es zumindest einen Pluspunkt. Die Distanz zwischen Publikum und Musikern wird geringer und man fühlt sich als Zuhörer durchaus ein wenig höher geschätzt, als wenn das Konzertprogramm einfach als Pflichtübung abgespult wird.
Nun aber eine Liste meiner persönlichen Lieblingskonzerte mit den Gründen meiner Begeisterung.
Gardemusik Wien beim Promenadenkonzert Innsbruck 2007
So lange ist das also schon her, und es ist nach wie vor mein Lieblingskonzert. Bei der Anspielprobe herrschte bei den frühen Zusehern erst Verwirrung, ob da nicht vielleicht doch das Jugendorchester von Irgendwo auf der Bühne Platz genommen hatte.

Kurze Hosen und Shirts, ein Mann im schwarzen T-Shirt, der offensichtlich das Mikrofon ausprobieren musste, und eine etwas merkwürdige Frau mit eingedrehten Haaren…
Das Rätsels Lösung kam dann im Konzert: Das überwiegend aus Wehrpflichtigen bestehende Orchester hatte eines der letzten Konzerte in dieser Besetzung und war deshalb sowohl besonders motiviert als auch schon ein wenig wehmütig.
Und die Gardemusik Wien war (jedenfalls für mich) das erste sinfonische Blasorchester, das gemeinsam mit Gesangssolisten auftrat. Die Sopranistin Adrienne Lang und der Tenor Harald Wurmsdopler waren inzwischen auch umgezogen und chic gemacht und beeindruckten nicht nur stimmlich, sondern genau wie die Musiker auch mit ihrer Begeisterung, mit der sie ihre Gesangseinlagen darboten.
Dazu kam eine tolle Auswahl beschwingter Stücke aus Alt-Österreich von Strauß, Ziehrer, Kálmán und einigen anderen machten das Konzert zu einem echten Gänsehaut-Konzert.
Neue Ideen und Kombinationen sind also gut geeignet, um Begeisterung zu erzeugen und Erwartungen zu übertreffen.
Militärmusik Tirol, Konzert in Innsbruck 2007
Den Gesang der besonderen Art hatte die Militärmusik Tirol bereits etwas vor der Gardemusik Wien eingeführt. Allerdings war es hier der “Soldatenchor”, der deutlich hörbar Gesangstexte zu diversen Märschen bot.

Klanglich war es ebenfalls eine willkommene Überraschung und Abwechslung, die das Konzert aus der Masse hervorheben konnte. Und mit dem Soldatenchor wurden auch 2 CDs aufgenommen, so dass die eigentlich bekannten Märsche im ungewohnten Gewand auch zu Hause genossen werden können.
Polizeimusik Tirol, Konzert im Stubaital 2007
Und noch ein beeindruckendes Konzert aus dem Jahr 2007: Die Polizeimusik Tirol konnte dort nicht nur durch den überspringenden Funken und die Begeisterung bei Dirigent und Musikern die Sympathie gewinnen, sondern auch noch durch eine unerwartete Tanzeinlage. Während eines Stücks standen plötzlich eine Musikerin und ein Musiker auf, verließen die Bühne und nutzen den Platz vor dem Musikpavillon gekonnt als Tanzfläche. Da bekommt man als Zuschauer große Augen und bewundert sowohl das Können als auch die tolle Idee.
Bozen Brass, Konzert in Amerang 2009
Auch dieses Konzert hat mich besonders beeindruckt, da sich die 5 Musiker mit neuen Ideen und unerwarteten musikalischen Einlagen aus der Masse herausgehoben haben. Wenn es in einem Konzert eines Blechbläser-Quintetts eine Einlage mit der Steirischen gibt, und wenn zur Blechmusik plötzlich - fast als Stilbruch - ein Heimatlied angestimmt wird, ist das Konzert etwas Besonderes.
Wer wagt, gewinnt also - die Sympathie des Publikums.
Fazit
Gute Musik ist nicht genug für ein beeindruckendes Konzert. Neue Ideen sind gefragt, ob nun musikalisch, künstlerisch oder auch ganz unkonventionell. Dann nehmen die Zuhörer ihr Staunen und ihre Begeisterung mit nach Hause, merken sich das Orchester oder Ensemble und kommen sicher wieder zu einem Konzert - bei dem die Erwartungen dann natürlich noch ein wenig höher liegen…



