Vorweihnachtliches Konzert mit Bozen Brass
Bozen Brass ist ein Blechbläserquintett, klassisch besetzt mit 2 Trompeten, Waldhorn, Posaune und Tuba. Ja, und auch das ist natürlich Blasmusik, klein, aber fein und sehr vielfältig.
Das haben die 5 Südtiroler beim Konzert “Festliche Weihnacht” am 20.11.09 eindrucksvoll unter Beweis gestellt.
Der Innenhof von Schloss Amerang bot die entsprechende Kulisse dazu, romantisch beleuchtet mit vielen, vielen Kerzen und dank einer Überdachung und etlichen Heizstrahlern auch im Winter gut als kirchenähnlicher Konzertsaal geeignet.
“Schwarz-weiß” lautet der Titel der diesjährigen Konzertreihe von Bozen Brass. Schwarz waren die Anzüge und Hemden der Musiker, weiß ihre Krawatten. Schwarz waren zwei der Notenständer, weiß die anderen drei, und aufgestellt waren sie abwechselnd, also zebragestreift. Und auch die Percussion-Kiste war schwarz-weiß. Aber die Musik, die war bunt und schillernd wie ein Feuerwerk.
In so festlichen schwarzen Anzügen muss natürlich erstmal klassisch gespielt werden. Händel, Vivaldi, Pucchini, klassische Konzertstücke wurden gespielt, die der junge Trompeter Robert Neumair hervorragend für das Blechbläserquintett arrangiert hatte.
Und dabei konnten die beiden Hochblechbläser ihre ganze instrumentelle Vielfalt zeigen: B-Trompete, C-Trompete, Flügelhorn, Piccolo-Trompete, Dreh- und Perinetventile, alles war vertreten. Da hatten es die anderen drei leichter mit jeweils nur einem Instrument.
“Morgen kommt der Weihnachtsmann”, ein Lied das jeder kennt, schön zwar, aber nach zwei Strophen langweilig, oder? Nicht so bei Bozen Brass. Sieben Variationen konnten sie zum Besten geben, teilweise mit virtuosen Soli, teilweise “nur” mit interessanten Betonungen, aber immer hörenswert und interessant.
Natürlich hatten die Südtiroler sich im Vorfeld auch überlegt, was sie denn in Bayern Besonderes spielen könnten. Und dafür hatte Robert Neumair ein weiteres Instrument mitgebracht, das nicht in die Brass-Familie passt. Seine Steirische… auf der er ein Solostück intonierte.
Treu ihrer Heimat boten die Musiker danach eine schöne Bläserweise aus Südtirol, bei der man die tolle Landschaft vor dem geisten Auge entlangziehen lassen konnte.
Das Mikrofon zur Moderation wechselte zwischen dem Posaunisten und Tubisten, die sich auch nicht scheuten, sich ab und zu gegenseitig ein wenig auf den Arm zu nehmen. Und so ging der erste Teil des Konzertes viel zu rasch zu Ende. Aber da die Bank auf der Empore doch nicht so bequem war, tat eine Pause gut.
Genau diese Bank auf der Empore war aber zu Beginn des zweiten Teils Gold wert. Denn mit Ende der Pause kamen die Musiker auf die Bühne, verließen diese aber gleich wieder, als wollten sie schon Feierabend machen. Dem war natürlich nicht so, denn sie lenkten ihre Schritte Richtung Treppe zur Empore, und siehe da, auf einmal standen vier Fünftel Bozen Brass neben mir. Und so hatte ich das seltene Glück, Anton Ludwig Wilhalm mit der Trompete, den man in Bayern zwar auch von den Edelmann-Seminaren kennt, genau auf Finger und Mund schauen zu können - in der Hoffnung, dass vielleicht ein klitzekleines Fünckchen seines trompeterischen Können auf mich herabtropfen würde….
Und was war aus dieser Position zu entdecken? Ein Gummiband am Trigger am 3. Zug…und das bei einer Profitrompete? Das Rätsel ist noch nicht gelöst.
“Tochter Zion” war übrigens das Eröffnungsstück mit Trompetenecho von der gegenüberliegenden Seite der Empore.
Danach ging es dann auf der Bühne weiter mit einer Mischung aus Klassik, Weihnachtsliedern und noch einer Bläserweise mit Steirischer Harmonika.
Ziemlich früh verabschiedeten sich die Bozner dann vom Publikum - oder versuchten es jedenfalls. Denn was nach dem offiziellen Ende kam, war weit mehr als nur eine Zugabe. Eigentlich war es ein eigenständiger, moderner Teil des Konzerts. Die “braven” klassischen Blechbläser waren plötzlich entfesselt, voll in Fahrt und zu allerlei Späßen aufgelegt.
Die allerletzten Stücke wurden am Bühnenrand ohne Noten gespielt. Zünftig ging’s los, dann traten die Trompeter in die Mitte, aber nicht für ein Trompetensolo, sondern…für eine Gesangseinlage. Sie zeigten sich als echte Tiroler mit einer Polk-ch-a.
Und mit Heimatverbundenheit hatte dann auch das letzte Stück zu tun - auch wenn es eigentlich erst gar nicht so schien. “Chicken” sollte es heißen. Und dass man mit Blechblasinstrumenten wirklich Gackern kann, war schon am Anfang gut zu hören. Wie ein Hühnerhaufen bewegten sich die Musiker auf und neben der Bühne - bis sich wieder ein Gesangsduo formierte. “Ich wollt’ ich wär ein Huhn” wäre ein passender Titel gewesen, aber die Heimatverbundenheit ließ kurzzeitig alle Hühner verstummen. “Tirol isch lei oans, isch a Land’ l a kloans” wurde aus voller Brust angestimmt. Und als Abschluß trat Anton Ludwig Wilhalm dann noch als Ober-Henne auf den Plan. Das war sicher sowas wie das c5, was er da geboten hat. Anstengend war es, der Kopf wurde rot, ein richtiger Ton war es nicht mehr, aber wahnsinnig hoch und chicken-like.
Alles in allem ein tolles Konzert, das gerne nochmal so lange hätte dauern können!




HALLO
VIELEN DANK FÜR DEINEN EINTRAG UND DEIN KOMPLIMENT; WIR HATTEN RIESENSPASS IN DEM WUNDERBAREN “THEATER” ZU SPIELEN UMD WURDEN FÜR NÄCHSTES JAHR SCHON WIEDER ANGAGIERT!
LIEBEN GRUSS AUS SÜDTIROL
STEFAN (POSAUNE)
Kleiner Nachtrag: Das Rätsel um das Gummiband ist inzwischen gelöst. Da es aber ein Geheimnis ist, wird es hier doch nicht verraten…