Vor der Gründung einer Musikkapelle

Geschrieben am 26.02.2009 von Marion in der Kategorie Kapellenorganisation

Viele Musikkapellen und Orchester, die heute aktiv sind, hatten das Glück, dass sich neunzehnhundert-irgendwas ein paar musikalische Männer aus den Ort zusammengetan hatten, um eine Musikkapelle zu gründen. Auch die Kriegswirren haben die musikalischen Aktivitäten zum Glück nur unterbrochen.
Und so feiern die musikalischen Ur-Ur-Enkel dieser Tage beispielsweise das 100-jährige Gründungsjubiläum. Bei anderen steht mit der 25 das erste größere Fest ins Haus. Und wieder andere lassen sich davon nicht schrecken und gründen jetzt erst eine neue Kapelle.

Wie geht man dabei vor, wenn man erfolgreich sein möchte? Hier ein paar Einblicke in die ersten Phase der Bayerischen Klangperlen:

Am Anfang steht die Idee. Aber das reicht natürlich noch nicht aus. Es braucht (mindestens) einen unternehmerisch denkenden Menschen, der diese Idee einerseits mit Leben füllt und andererseits stets kritisch hinterfragt.

Entwicklung eines Konzepts

Aus der Idee muss ein klares Konzept gemacht werden, damit alle später dazukommenden Personen wissen, was sie erwarten müssen und dürfen.
Welche Fragen sollten in der Konzeptphase beantwortet werden?

  • In welchem Umfeld bewegen wir uns? Welche Arten von musikalischen Gruppierungen gibt es in der Umgebung und wodurch sind sie charakterisiert?
  • Welche musikalische Ausrichtung streben wir an? Welches Repertoire und welche Auftritte sollen gespielt werden?
  • Was sind unsere Zielgruppen? a) Wie lassen sich die Musiker beschreiben, die mitspielen sollen? b) Wie lässt sich das Publikum beschreiben, das zu den Auftritten kommen soll?
  • Welchen Nutzen bringt die Kapelle den Zielgruppen?
  • Welche Regeln sollen gelten?
  • Gibt es Erfahrungen aus ähnlichen Vorhaben, auf die man zurückgreifen kann? Das können sowohl positive Erfahrungen als auch Fehler sein, die man analysieren sollte, um sie nicht zu wiederholen und gleich Gegenmaßnahmen zu setzen.
  • Welche finanziellen Mittel sind erforderlich? Wofür muss  Geld ausgegeben werden, um überhaupt spiel- und auftrittsfähig zu werden?

Sind diese Fragen beantwortet, sollte man die Antworten nochmal kritisch hinterfragen und sich überlegen, inwieweit darin Annahmen stecken. Und wenn man auf Annahmen baut, sollte man sich auch gleich fragen, was passieren kann, wenn sich die Annahmen als falsch erweisen – Stichwort “worst case Szenarien”.

Entwicklung einer Strategie

Als nächstes muss man sich überlegen, wie das Konzept in die Tat umgesetzt werden soll. Welcher Schritt ist der erste? Wann folgt der nächste und welcher ist das? Wie im Projektgeschäft ist zumindest ein kleiner Meilensteinplan hilfreich. So kann man immer leicht bestimmen, wieviel der Wegstrecke bereits zurückgelegt worden ist und was noch bevorsteht.
Für die Klangperlen habe ich 4 Phasen identifiziert, die am Anfang auch auf der Webseite dargestellt wurden:

prozesspfeil 300x28 Vor der Gründung einer MusikkapelleIn der Rekrutierungsphase lautet die Aufgabe, ausreichend Musikerinnen und einen Dirigenten zu finden, mit denen ein Übertritt in die Konsolierungsphase möglich sein würde.
Mit Beginn der zweiten Phase war auch die Aufnahme des Probenbetriebs  geplant. Sobald ein Repertoire für eine gute Stunde erarbeitet ist, sollte die Auftrittsphase starten.
Was sich danach so alles ergeben würde, wurde während der Strategie-Entwicklung zunächst als Zukunftsmusik offen gelassen.

Und dann? Auf zu den nächsten Schritten innerhalb der Rekrutierungsphase:

Feinplanung und Durchführung der Maßnahmen

Hier gilt es, die musikalische Zielgruppe genauer zu analysieren. Wo halten sich die Personen aus der Zielgruppe auf? Welche Medien nutzen sie? Kurz: Was muss ich tun, um mein Angebot in ihren Aufmerksamkeitsbereich zu bringen? Und wie stelle ich dann alle meine Informationen dar? Und das Ganze natürlich sowohl wirkungsvoll als auch kostengünstig.
Und damit gab es eine klare Antwort: Die Rekrutierung sollte soweit wie möglich Online erfolgen. Also lautete die nächste Baustelle:

Internet-Auftritt erstellen

Der Internet-Auftritt wurde zur Informations-Drehscheibe. Die Ergebnisse aus dem Konzept wurden ausformuliert und mit Bildern angereichert, dazu kamen Anmeldeformulare für Musikerinnen und Dirigent, um die Kontaktaufnahme zu erleichtern und gezielt notwendige Informationen abzufragen (z.B. mögliche Probetage).

Damit war der erste wichtige Meilenstein erreicht. Bis zum Gipfel war zwar noch ein weiter Weg, aber es waren zumindest mal gute Stiefel beschafft und geschnürt. Was dafür noch alles in den Rucksack gepackt werden sollte und was sich auf dem Weg zum Gipfel alles ereignet hat, folgt in Kürze.

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