Trompeten-Zeitreise auf Schloss Goldegg

Geschrieben am 11.07.2010 von Marion in der Kategorie Konzerte

Vier junge Trompetenstudenten von der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien hatten am 1. Juli 2010 zu einem Konzert mit dem Titel “Trompeten Zeitreise” ins Schloss Goldegg geladen. Da ich zufälligerweise gerade in der Nähe auf Urlaub war, habe ich den Weg auf die Salzburger Sonnenterasse angetreten. Und keine Frage - es hat sich gelohnt!

Warum war es eine Zeitreise? Nun, weil sich die Musiker mit der Stückewahl im ersten Teil aus dem Barock über die Romantik bis zur Gegenwart vorarbeiteten und sich im zweiten Teil aus der Gegenwart wieder in den Barock zurückkehrten. So konnte man neben dem Können der jungen Musiker auch die Vielfalt der Kompositionen für eine oder mehrere Trompeten kennenlernen.

Das Ambiente des Wappensaals und die gekonnte Moderation trugen ebenfalls zum Erfolg des musikalischen Abends bei, der als Benefizkonzert auch noch einen guten Zweck am Ort verfolgte.
Wie kommen Wiener Studenten nun ausgerechnet ins Schloss Goldegg im Salzburger Land? Ganz einfach, es ist ihre Heimat! Denn das Besondere an den vier Musikern ist die Tatsache, dass sie alle aus dem Pongau stammen und drei von ihnen aus Goldegg, einen nicht gerade besonders großen Ort.
Aber einklang Trompeten Zeitreise auf Schloss Goldeggsooo verwunderlich ist das Ganze dann vielleicht doch nicht, wenn man die Fassade der Musikschule und des Probenheims der Trachtenmusikkapelle Goldegg betrachtet, das den schönen Namen “Einklang” trägt…. Da muss man doch ganz einfach Trompete lernen, oder? Noch dazu, wenn Bischofshofen und die Blechblasinstrumentenschmiede Lechner nur einen Steinwurf entfernt sind…

Alexander Mayr, Helmut Fuchs,  Stefan und Thomas Fleißner vereint neben den Lechner-Instrumenten auch die Tatsache, dass sie trotz unterschiedlicher musikalischer Werdegängen (als Prima La Musica-Sieger, nach einer “normalen” Ausbildung oder von der Uni Linz) die Aufnahme zum Studium bei Prof. Pomberger in Wien geschafft haben und im fernen Wien nun als Pongauer fest zusammen halten. Aus Wien hatten sie aber für den Abend nicht nur ihren Professor, sondern auch Astrid Spitznagel zur Begleitung am Klavier mitgebracht.

Die Eröffnung des Konzerts bildete das Trompetenquartett mit der Fuga von Johann Sebastian Bach. Anschließend folgten Solo-Auftritte für Trompete und Klavier. Helmut Fuchs spielte das Konzert in F von Oskar Böhme und  Thomas Fleißner die Fantasie von Malcom Arnold. Ganz zeitgenössisch präsentierte sich Alexander Mayer mit “Pezzo Pazzo”. Die Komponistin war auch gleichzeitig seine Klavierbegleitung: Astrid Spitznagel, die selber Flöte und Klavier studiert hat,  komponiert gerne Stücke für die Trompeten-Studenten. Wie der Name des Stücks vielleicht ahnen lässt, handelte es sich um eine bunte Mischung aus lauten und zarten Tönen von beiden Instrumenten.
So endete der erste Teil des Konzerts, in dem die mächtigen, zuweilen lauten Töne dominierten - von allen beteiligten Instrumenten.

Der zweite Teil bot den Kontrast dazu mit melodischen, weicheren Kompositionen.
Das Eröffnungsstück glich einem Dreiecksverhältnis: zwei Musiker standen vorne auf der Bühne, einer rechts und einer links, während sich der Dritte im Bunde am anderen Ende des Saals befand. Zunächst hatte jeder nacheinander seinen Part zu spielen. Dann aber wurde die “Fanfare for St. Edmundsbury” von Benjamin Britten für die Zuhörer fast zu einem “Trompe l’oreil” mit schnellen Wechseln zwischen den Musikern, der sicher je nach Sitzplatz auch noch unterschiedlich ausgefallen sein dürfte. Für die Musiker war das bestimmt keine leichte Aufgabe, hier die Koordination zu behalten, aber wer hoch hinaus will…

Mit dem Russischen Tanz von Oskar Böhme, einem Komponisten, an dem kein Trompeter vorbei kommt, konnte Stefan Fleißner sein Können zeigen. Wer feurige Kalinka-Musik erwartet hätte, lag falsch. Dieser Tanz war langsam und ruhig und wunderbar anzuhören.
Die Sonate in D von Petronio Franceschini bot ein Duo für 2 Piccolo-Trompeten, meistergültig gespielt von den Cousins Stefan und Thomas Fleißner. Beide haben - so verriet der Moderator - in den letzten beiden Jahren mit der Tanzlmusi auch große musikalische Fortschritte gemacht und kürzlich eine neue CD aufgenommen.

Für das Schlussstück hatten sich Alexander Mayr und Helmut Fuchs einheimische Verstärkung an der Posaune geholt: Gernot Pracher, der mir als Leister des Weisenblasens vom Bläserurlaub in Bad Goisern in guter Erinnerung ist. Im  Konzert in G-Moll von Antonio Vivaldi bildete er den Klangteppich, trat aber auch in Kombination mit einer der Trompeten in Erscheinung.

Lang anhaltender Applaus war der verdiente Lohn für ein tolles Konzert. Und ohne eine Zugabe wurden die jungen Musiker natürlich nicht in den Feierabend entlassen.

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