Tolles Konzert vom Bozen Brass Quintett in Seefeld
Bereits zum fünften Mal hatte der Seefelder Kulturring das Bozen Brass Quintett aus Südtirol nach Nordtirol eingeladen. Alle hatten gehofft, dass das Konzert im Musikpavillon stattfinden könnte, aber der Wettergott hatte zu wenig eingeheizt. So wurde dann doch die Kirche als Austragungsort gewählt, was der Begeisterung der Zuschauer keinen Abbruch tat.
Auch wenn das Konzert erst um 20.30 Uhr begann, waren die Musiker schon deutlich früher vor Ort. Auspacken, örtliche Gegebenheiten sondieren, Akustik ausprobieren, mit dem Veranstalter plaudern – all das gehört auch dazu.

Geplant war das komplette Programm “Black Or White”. Aber kann oder bessergesagt darf man Michael Jackson oder Sting in einer katholischen Kirche spielen?
Bozen Brass entschied sich für die zurückhaltende Variante und ersetzte die ganz modernen Stücke durch klassische Werke. Bei zwei dicken Ordnern voller Noten war das kein Problem. Aber Noten neu sortieren stand dafür auf dem Programm.

Kurz nach halb neun ging es dann los. Vier Musiker traten seitlich aus der Sakristei in den Altarraum. Vier Musiker? Aber ein Quintett besteht doch aus fünf Musikern! Wie kann Robert Neumair denn mit seinem Trompetensolo beginnen, wenn noch nicht alle da sind?
Weil es so gehört! Die Eröffnungsfanfare “Nexus” startet mit einem Trompetensolo, das von der zweiten Trompete aus der Ferne beantwortet wird. Während Posaune, Horn und Tuba den musikalischen Faden weiter spinnen, kommt Anton Ludwig Wilhalm zu seinen Kollegen heraus. Und mit jedem Takt schreiten sie gemeinsam einen Schritt weiter nach vorne in Richtung Bühnenrand – wenn es denn eine Bühne wäre.


“Can she excuse my wrongs” von John Dowland folgte mit Unterstützung der schwarz-weißen Beatbox, die Robert als Sitzgelegenheit und Rhythmusmacher verwendete.
Klassisch ging es weiter im Programm mit der Partita in B von J.S. Bach, arrangiert von Robert Neumair. Reihum wanderte die Ansage der Sätze. Robert Neumair kündigte das Preludio an, das von ruhigen, zarten Klängen von C- und Piccolotrompete auf einem Bass-Fundament bestimmt wurde. Stefan Mahlknecht servierte das Menuett I, das im hohen Blech deutlich härter akzentuiert war. Das Menuett II, angekündigt von Anton Ludwig Wilhalm klang mit Trompete und Flügelhorn wieder weich und dicht, ein perfektes Zusammenspiel aller fünf Musiker. Die abschließende Allemande, vorgestellt von Norbert Fink, bescherte ein Wechselspiel für Piccolo und Trompete, an der sich das Horn auch mal beteiligen durfte.
Toni Pichler fehlte bis dahin im Reigen der Moderatoren. Mit sonorer, tiefer Stimme – passend zum Instrument – kündigte er “Salve Regina”, eine Arie von G. Puccini an.
Da Robert Neumair für die Arrangements verantwortlich zeichnet, laufen auch im Konzert die Fäden bei ihm zusammen. Blickkontakt ist vor allem am Anfang und Ende eines Stückes ist wichtig – und das konnte man aus der ersten Reihe oft gut beobachten.
“Duetto Buffo di due gatti” ist ein Liebesduett für zwei Katzen, das G. Rossini eigentlich für zwei Sopranistinnen geschrieben hat. Dank Robert Neumair gibt es eine Version für Trompete und Flügelhorn mit Dämpfer. Was für ein Glück, dass sich Bozen Brass dazu durchgerungen hatte, die Katzen in die Kirche zu lassen, denn die Aufführung war einfach genial und kam beim Publikum allerbestens an.
Es beginnt mit Horn, Posaune und Tuba, die tiefe Töne in die Katzenwelt tupfen.

Und dann hört man im Hintergrund schon ein “Maunz-Maunz”. Die schwarze Katze pirscht heran und schaut sich um, welche Begleitung sich wohl fände.
Und siehe da, eine weiße Katze gesellt sich dazu. Eine Katzenunterhaltung geht los: “Maunz-Maunz” hier “Miau-Miau” dort, dazu hier und da ein Fauchen ohne Instrument. Sie beschnuppern sich, schleichen umeinander,

tanzen dann sogar miteinander.
Die schwarze Katze verliebt sich in die weiße Katze, hatte Toni Pichler angekündigt. Und damit hatte er letztendlich natürlich Recht, auch wenn sich die weiße Katze nicht ganz leicht erobern ließ und zwischendurch auch mal einen “Maunz” für eine ganz andere Katze in der ersten Reihe übrig hatte…
Eine Zusammenstellung der bekanntesten Werke von Guiseppe Verdi folgte. Bei der Einleitung hatte die Tuba Pause, während die anderen Instrumente mit Dämpfer loslegten. Nachdem Robert und Ludwig ihre Trompetendämpfer entfernt hatten, halfen sie jeweils ihren Nachbarn, auch Horn und Posaune vom Dämpfer zu befreien. Denn – mancher Hornist mag davon träumen – anschließend lag die Melodie beim Horn, während die Trompeten mal für den Nachschlag sorgen mussten. Das Arrangement von Robert Neumair war sehr interessant und abwechslungsreich. “Teure Heimat, wann seh ich dich wieder” war zwar klar erkennbar, aber doch rhythmisch höchst interessant abgewandelt. Alle Instrumente kamen zum Einsatz, zwar keine Aida-Trompeten, aber dafür ein einfallsreiches Wechselspiel zwischen Piccolo und Trompete beim Triumphmarsch. Und auch Posaune und Tuba durften das musikalische Menü mit einigen Läufen anreichern. “Verdissimo” – Bravissimo für Arrangeur und Ausführende, kann man nur sagen.
Die Arie von Händel mit einem Flügelhorn-Solo von Anton Ludwig Wilhalm war tatsächlich so schmelzend gespielt, wie es sonst nur eine Sängerin hätte vortragen können.
“Canzona per Sonare No.4″ von G. Gabrielli verwandelte die Seefelder Pfarrkirche in den Markusdom. Bozen Brass verteilte sich in der Kirche und ahmte mehrere Chöre nach. Und tatsächlich konnte man hier die Musik nicht nur hören, sondern auch fühlen. Die Schwingungen, besonders der tiefen Instrumente, der Hall und auch der Nachhall nach dem Ende des letzten Tons gingen wahrlich unter die Haut.
“Galaxy” hatte Robert Neumair zum Jahr der Astonomie 2009 komponiert. Mit ein wenig Phantasie konnte man tatsächlich auch Sternchen, Sternschnuppen und große Sterne durch die Kirche fliegen sehen. Und wer sich bei einer solchen Sternschnuppe gewünscht hat, das Konzert möge damit bitte noch nicht zu Ende gehen, wurde nicht enttäuscht.
Noch vor dem Verklingen des Schlußapplaus stimmte Bozen Brass die Badinerie an. Aber auch das war dem Publikum noch nicht genug – und Bozen Brass hatte natürlich noch einen Trumpf im Ärmel. Anstelle ihrer goldenen Instrumente kamen nämlich nun die goldenen Kehlen zum Einsatz. Für die Kirche wurde die Textvariante “Na-na” gewählt. An anderen Orten könnte aber auch ein anderer Text zu hören sein…

Aller guten Dinge sind drei, und so folgte zum krönenden Abschluß noch die musikalische Verneigung vor dem Publikum.
Eine leckere musikalische Nachspeise gab es noch für die kleine Runde der Organisatoren des Konzerts bei einem kurzen Umtrunk beim Wirt. Die in der Fensterbank ausgestellte Ziachorgel war zwar nur Dekoration, aber die Wirtsleute hatten schnell ein funktionsfähiges Instrument parat, so dass die Aufforderung “Robert, spiel uns einen”, sofort befolgt wurde:

Alles in allem gibt es nur eine Empfehlung: Konzerttermine von Bozen Brass checken und hingehen. Es lohnt sich immer!



