Sinn der Orchesterprobe und Probenteilnahme

Geschrieben am 18.07.2009 von Marion in der Kategorie musikalische Leitung

Die Begeisterung, in die Musik- oder Orchesterprobe zu gehen, kennt von Zeit zu Zeit Grenzen – manchmal zum Leidwesen des Dirigenten und immer zu Ungunsten der musikalischen Qualität. Welchen Sinn und Zweck die Probe vor allem im Laienbereich hat und welche Faktoren zu Probenmüdigkeit führen können, soll in diesem Beitrag beleuchtet werden.

Der Idealzustand liegt dann vor, wenn die Kapelle bzw. das Orchestr

  1. einen kompetenten, motivierten Dirigenten
  2. musikalische Ziele
  3. motivierte Musiker und eine gute Gemeinschaft

aufweisen. Dann nämlich kann die Musikprobe dazu genutzt werden, gemeinsamt zu arbeiten und zu trainieren. Der Dirigent führt seine Musiker/innen, erklärt und korrigiert musikalische Details, die gemeinsam umgesetzt werden. So lassen sich die musikalischen Ziele gemeinsam erreichen, stellen sich Erfolgserlebnisse ein und sind Fortschritte erkennbar.

Die Realität sieht jedoch oft anders aus: halbleere Probenräume und teilweise sogar Absagen von Proben aufgrund hoher Fehlquoten führen dazu, dass bestimmte Stücke für die Kapelle einfach nicht spielbar sind. Selbst motivierte Musiker werden mit der Zeit vom Frust gepackt und schränken ihre Einsatzbereitschaft ein, wodurch keinerlei Fortschritte mehr möglich sind.

Welche Gründe kann es nun für diese Probenmüdigkeit geben? Mängel beim oben genannten Idealzustand:

Dirigent

Wenn der Dirigent nicht ausreichend kompetent ist, seine Musiker anzuleiten und schwierige Passagen in den Stücken zu erklären, entstehen Zweifel am Sinn des Dirigenten. Letztendlich spielt jeder so, wie er es für richtig hält, weil es keine Leitlinie und keine Korrekturen gibt.
Ist der Dirigent nicht ausreichend motiviert, fängt die Probe meist unpünktlich an und wird in der Folge auch nicht konsequent durchgezogen. Die Disziplin lässt zu wünschen übrig, wenn Reden und oft auch Trinken wichtiger werden als das Einstudieren der Stücke. Die mangelnde Motivation überträgt sich von “vorne” auf die Musiker und verhindert musikalische Hochleistungen und positive Entwicklungen des Orchesters.

Ziele

Wenn keine musikalischen Ziele vorliegen, macht die Probe wenig Sinn. Wenn keine Auftritte anstehen oder diese noch ganz weit in der Zukunft liegen, fehlt oft der Anreiz, systematisch zu arbeiten, weil man nicht weiß, warum man dies tun sollte.

Musiker

Manche Musiker stellen den geselligen Aspekt der Musikprobe vor den musikalischen. Der Probenabend ist seit vielen Jahren fester Bestandteil des wöchentlichen Ablaufs und bietet die Möglichkeit, außer Haus zu kommen, Freunde zu treffen und dies und das zu trinken.

In manchen Fällen fehlt der Musikkapelle auch der Gemeinschaftssinn, d.h. aus Einzelkämpfern oder gar Konkurrenten entsteht kein einheitlicher Klangkörper.

Schließlich kann auch die Leistungsfähigkeit der Musiker zu wünschen übrig lassen. So kann es vorkommen, dass einzelne Mitspieler musikalisch überfordert sind, sich verstecken oder nur mitschwimmen, solange sie damit nicht auffallen. Ob dies nun an abnehmender musikalischer Leistungsfähigkeit mit steigendem Alter oder durch zu viele Aktivitäten liegt – es ist dem musikalischen Fortschritt nicht zuträglich.

Weitere Faktoren

Sollten die Gründe in den drei genannten Kategorien nicht ausreichen, um hohe Fehlquoten in den Musikproben zu erklären, könnte einer der folgenden Gründe vorliegen.

  • Das Probelokal ist verkehrstechnisch schlecht erreichbar: Autofahrer stehen oft im Stau oder finden keinen Parkplatz, Benutzer der öffentlichen Verkehrsmittel müssen von der nächstgelegenen Haltestelle weit laufen oder lange auf Bus oder Bahn warten.
  • Das Probelokal gefällt aus anderen Gründen nicht: Es ist zu kalt, zu warm, muffig, zu klein, hat eine schlechte Akustik, schlechte Stühle oder andere Eigenschaften, die den Aufenthalt vermiesen.
  • Die Musiker sind möglicherweise auch nicht reif für einen professionellen Dirigenten. Sie können mit der Detailarbeit und dem ständigen Abreißen nichts anfangen, sondern sind es gewohnt, Stücke einfach durchzuspielen. Sie empfinden den Dirigenten als zu kritisch und fühlen sich selber dadurch in ihrer musikalischen Leistungsfähigkeit kritisiert.
  • Die Stücke, die gespielt werden, gefallen nicht – sei es vom Genre oder vom Schwierigkeitsgrad her.
  • Einzelne Personen sind nicht ganz aus freien Stücken in der Musikkapelle, sondern auf Wunsch der Eltern oder aus anderen verpflichtenden Gründen.

Was tun?

Wenn der Dirigent und der Vorstand des Orchesters wirklich den musikalischen Erfolg wünschen, dem aber mangelnde Probenteilnahme entgegen steht, dann sollten sie zunächst die Gründe dafür ermitteln und im zweiten Schritt versuchen, die störenden Einflüsse zu beseitigen und die Musiker gemeinsam auf die Erfolgsspur zu bringen.

Erfahrungen und Meinungen zu diesem sicher nicht einfachen Thema können gerne als Kommentar eingestellt werden.

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