Wie schnell kann man Trompete lernen?
“Das kommt drauf an”, ist eine passable Antwort auf diese Frage, die aber natürlich zu kurz für einen Blogbeitrag ist. Und so will ich hier meine ganz persönlichen Erfahrungen zu dieser Frage darstellen. Vielleicht kann der ein oder andere daraus interessante Rückschlüsse für sich ziehen…auch wenn es natürlich immer auf die Umstände ankommt…..Ich war als erfahrene Holzbläserin immerhin nach 10 Wochen und 6 Unterrichtsstunden in der Lage, mich an die ersten Orchesterstücke zu wagen. Natürlich reicht es “nur” für die 3. Trompete, und natürlich ist noch nicht alles perfekt. Aber es sind zumindest erste Erfolge des Übens zu erkennen, die zum Weitermachen ermutigen.
Erfahrene Trompeter hatten mir bis zum ersten Einsatz im Orchester 4 Monate bis 1 Jahr vorausgesagt. Warum ging es bei mir so schnell und warum wird es nicht so schnell gehen, wenn jemand Trompete als erstes Instrument lernt?
- Ich kann Noten lesen. Dadurch hatte ich schon ab dem ersten Ton einen ganz anderen Bezug zu meinem Spiel. Und es war dann auch ein Leichtes, nach einer Woche die ersten kleinen Liedchen zu spielen.
- Ich atme richtig, und auch die berühmt-berüchtigte Stütze stellt sich nahezu automatisch ein.
- Ich habe ein konkretes Ziel vor Augen, das ich so schnell wie möglich erreichen möchte. Deshalb bin ich beim Üben auch ziemlich ausdauernd und konsequent. Und ich bin auch diszipliniert genug, mal “nur” Töne auszuhalten oder Akkorde zu spielen, um den Ansatz zu trainieren.
- Es gibt für Blechblasinstrumente einen Übungsdämpfer (Silent Brass), mit dem man nahezu zu jeder Tages- und Nachtzeit üben kann, ohne die Nachbarn zu ärgern oder gegen die Hausordnung zu verstoßen.
Und wie geht man beim Lernen nun voran?
Zu allererst muss man (mit dem Lehrer) lernen, wie der Ansatz richtig gemacht wird, wie also die Lippen vorgespannt werden, wo das Mundstück angesetzt wird und was die Zunge zu tun hat. Funktioniert das einigermaßen, kommen die Finger ins Spiel und drücken schon mal das ein oder andere Ventil, um ein paar mehr Töne rauszubringen. Das ganze spielt sich meist in den tieferen Lagen ab, weil das auch mit einem ungeübten Ansatz schon einigermaßen geht.
Dann heißt es fleißig trainieren, damit sich die Muskulatur im Mundbereich langsam an die neuen Aufgaben gewöhnt. Und je höher es in der Tonleiter hinaufgeht, desto wichtiger ist das tägliche Training. Denn nur dann sind die höheren Lagen überhaupt erreichbar. Je weiter man hinauf kommt, desto leichter fallen die tieferen Töne. Der Weg bis zum oberen Ende des Tonumfangs beim c3 ist allerdings weit….
Mein Einstiegston war das c1. Dann ging es zunächst abwärts bis zum fis, und erst dann hinauf Richtung g1. Diesen Ton überhaupt rauszukriegen, war sozusagen der 2. Meilenstein. Dann lautete die Aufgabe, das einmalige Herausbringen so zu festigen, dass das g1 immer gut anspricht und zunehmend locker gespielt wird. Ist das der Fall, kann die Reise weiter aufwärts Richtung c2 gehen.
Die größte Chance, einen der höheren Töne zu treffen, hat man am Anfang der Übephase. Und es ist kein Grund zur Sorge, wenn nach einiger Zeit so gut wie nichts mehr geht. Dann sollte man etwa 30 Minuten pausieren und danach erneut beginnen.
“Trompete spielen ist wie Leistungssport. Man muss regelmäßig trainieren und Geduld haben.” So sagte mein Trompetenlehrer, und er hat sicher Recht damit. Zwischendurch tut auch der Mund mal weh, aber dann kommen wieder Fortschritte im Spiel, die neuen Mut geben.
Das Greifen der Töne ist mit nur 3 Ventilen natürlich einfacher als beim Holzblasinstrument. Dennoch ist eine gewisse Muskelleistung auch in den Fingern erforderlich, da die Ventile einen weiteren Weg haben als der Abstand der Finger zu Klappen und Löchern beim Holz ist.
Aber das Greifen ist beim Blech ja nur die halbe Miete. Nur wenn die Lippen- und Bauchspannung passen, wird der gewünschte Ton erklingen. Und genau das ist die Herausforderung beim Trompete spielen. Man muss herausfinden, wie diese Spannung sein muss, damit zuverlässig genau der gewünschte Ton erklingt.
Etwas einfacher wird diese Aufgabe, wenn man mit anderen zusammen spielt. Man kann auf die Mitspieler hören, und sich einklinken. Und die Luft, die in einer Trompete schwingt, soll sich auf die anderen Instrumente übertragen und das Spielen ebenfalls erleichtern.
Übung macht den Meister – auch an der Trompete. Und jeder kann dieses Instrument lernen, wenn er nur will – auch wenn es vielleicht nicht immer sooo schnell geht.




Toller Beitrag, ich spiele schon seit ca. 30 Jahre Trompete und kann nur bstätigen was in dem Bericht steht!Geduld und Ausdauer ist wahrscheinlich die wichtigste Tugend beim Trompetespielen.Ich habe 3 Jahr Unterricht genommen beim Direktor vom Heeresmusikcorp in Ulm.Durch viel Jazzmusik hören ist bei mir der Wunsch gekommen die Oktave bis zum C4 zu knacken, da bin ich gerade dabei.Dank dem Trompetenforum und verschiedene Workshops die ich hin und wieder besuche geht es langsam wieder vorwärs, obwohl ich jetzt jahrlang in einer Sackgasse gesteckt bin.Die Töne bekomme ich zwar inzwischen da oben und nun heißt es stabilisieren, das funktioniert nur durch Töne aushalten, was super anstrengend ist, aber der Erfolg gibt mir recht!Man sollte die Lippen auch immer wieder lockern, das macht man wie wenn man ein Pferd nach macht.
Ich hätte eine Frage..
ich spiele jetzt seit 8 Jahren Klarinette habe auch schon das silberen Jugendleistungsabzeichen u brauche eine Herausforderung..
Kann ich mir Trompetespielen selbst lernen?
bin sehr musikalisch.
bitte um Rat.
@Susi: Aus eigener Erfahrung muss ich dir (leider) mit nein antworten. Du brauchst einen guten Trompetenlehrer, der dir Ansatz und Atmung für die Trompete passend beibringt. Denn Klarinette und Trompete sind zwei getrennte Welten.
Natürlich musst du keine Noten mehr lernen, aber ohne saubere Technik wirst du es mit der Trompete nicht weit bringen. Du solltest auch wissen, dass man für einen guten Trompetenansatz weit mehr üben muss als bei der Klarinette. Und insgesamt musst du Geduld aufbringen, bis du passabel in einem Ensemble mitspielen kannst.
Aber Trompete ist ein schönes Instrument, das natürlich auch Holzbläser lernen können.
Huhu,
ich hab auf dem Flohmarkt ein Jagd- oder Kavalleriehorn erworben. Also eine Trompete ohne Ventile. Darauf kann ich ein wenig herumtröten – aber da ich nicht musikalisch vorgebildet bin bleibt der Einsatz des Instruments recht unkoordiniert. Wie sollte ich es anstellen wenn ich das Artilleriesignal “Attacke” erlernen möchte ?
Vielen Dank
Markus (aus Frankfurt am Main)
Interessanter Artikel, vor allem das mit dem Übungsdämpfer ist echt eine gute Sache da die Nachbarn sonst echt abdrehen würden wenn man so viel Trompete spielt. Aber naja andererseits können Sie froh sein dass man kein Schlagzeuger geworden ist oder ? hehe…
Viele Grüße
Maxim
Hallo,
ich habe mal eine Frage. Ich habe angefangen Trompete zu spielen. Hatte jetzt eine Stunde Unterricht und bin musikalisch lediglich mit 3 Jahren Schlagzeug spielen “vorbelastet”.
((
Nur mal die Frage, würde ich, selbst bei wenig Talent, aber viel Übung es auch hinbekommen, Trompete zu spielen oder gibt es auch Fälle, die es einfach nie hin bekommen. Ich bin 35 und mag es unbedingt, aber im Moment kommt da nur gekrächsze heraus
würde mich über etwas Motivation freuen, aber auch eine ehrliche Meinung.
Liebe Grüße
David
@David: Dass nach einer Stunde nur Gekrächze rauskommt, ist ganz normal. Bis zu dauerhaft schönen Tönen dauert es schon eine Weile, aber wenn du dich dahinterklemmst und dein Lehrer gut ist, kommst du da sicher hin.
Ich spiele jetzt 1,5 Jahre Trompete. In der Zeit hat sich schon einiges getan, aber es ist immer noch nicht alles ausreichend automatisiert und richtig. Aber ich mache auf jeden Fall eifrig weiter, weil schöne Trompetentöne sooo genial sind.
Als Schlagzeuger hast du ja keine Probleme, den Rhythmus zu halten. Auch Noten wirst du lesen können. Der Rest ist tägliches Training. Ich wünsche dir viel Erfolg!
Wie oder wo finde ich eine Grifftabelle (fingering chart) für die Töne über dem C der 2. Oktave auf der Trompete?
Wäre super!
danke
@Curtie: Grifftabellen findest du an vielen Stellen im Internet, z.B. unter http://www.fv-hochstetten.de/resources/grifftabelle-Trompete.pdf oder unter http://www.brass-online.de/trompetengriffe-b.htm
Hallo,
wichtig sind gerade am Anfang m.E. folgende drei Punkte:
1.der Ansatz MUSS stimmen. Das ist supereinfach, ich habe das auf meinem blog (http://www.trompete-spielen-lernen.de/) beschrieben. Wichtig ist, dass man nicht zu früh versucht hoch zu spielen, weil dann die Gefahr besteht, dass der Ansatz verrutscht, was später nur noch mit grossem Aufwand korrigierbar ist. Deswegen ist es wichtig sich am Anfang ausreichend Zeit zu lassen.
2.es ist ein Blasinstrument, weil man da reinblasen soll. Und zwar reichlich und ohne Hemmungen! Denn wenn die Luft frei fliesst funktioniert alles viel leichter und besser. Es ist dann zwar (zunächst) lauter, aber der freie Luftfluss ist eine Gewohnheit, die man unbedingt kultivieren sollte.
3.gewöhnt euch gleich an, die Ventile immer schnell zu drücken und loszulassen. Sonst gibt es zwischen den Tönen ein Mini-glissando, was erstens nicht schön klingt. Und zweitens geht dann jedes Mal der Hals zu, weswegen dann die Luft nicht mehr frei fliessen kann und alles (Höhe, Ausdauer, Sauberkeit, …) unnötig schwierig wird.
@Markus: falls es noch aktuell ist, du kannst das lernen indem du dir eine Aufnahme besorgst (youtube??) und es dir 5.985.312.536 Mal anhörst und mitsingst. Denn nur wenn du eine klare Vorstellung von den Tönen hast, kannst du sie auch spielen. (Sonst weist du ja auch nicht, ob du richtig spielst, oder nicht) Dann versuche es erst mal laaaaaangsam zu spielen und mit der Zeit immer schneller.
@Curtie: die 2. Oktave funktioniert genau wie die erste, lass einfach immer das 3.Ventil weg Bsp: D1 – 13 / D2 – 1 (Ausnahmen sind das gis das oben wie unten 23 gegriffen wird und das E2 das leer gegriffen wird)
Herzliche Grüsse, Daniel
Moin an alle Trompeter!
Ich (47 Jahre) habe vor ca. 4 Monaten mit dem Trompetenspiel begonnen. Ja, wirklich jetzt erst aber es macht riesig Spaß, ja fast süchtig und ich brauche mehr davon. Noten lesen ist kein Thema – habe bislang Klavier gespielt.
) Ich stelle aber fest, dass meine Lippenspannung schnell nachlässt und selbst ein C2 dann etwas Mühe macht und der Ansatz droht zu verrutschen. Ist sicher auch ganz normal. Ich möchte aber voran kommen und bin der Meinung, dass ich meine Lippenmuskulatur in der Zeit, wo ich nicht spielen kann, trainieren sollte. Was haltet Ihr von Lippenhanteln? Hat jemand Erfahrungen damit? Würde mich über eine baldige Antwort sehr freuen.
Mein Lehrer (er ist ein guter!) lässt mich derzeit bis zum E2 spielen. (F2 geht heimlich auch schon gleich nach dem Warmspielen
Grüße aus dem Norden,
Hajo.
[...] einmal ein gutes Instrument gekauft, sind leider meist viele weitere Euros, aber auch Nerven und Stunden nötig, um einigermaßen harmonische Klänge zu produzieren und die Ohren der Nachbarn nicht allzu [...]
Hallo!
Ich würde auch gerne Trompete lernen (spiele schon Klavier) und habe nun einige offene Fragen:
Ist es tatsächlich sinnvoller B-Trompete zu lernen? C wäre doch vom Notenlesen her einfacher, weil man nicht umdenken muss, wenn man mal keine Trompetennoten hat und die mit der Trompete spielen will.
Gibt es außerdem etwas, was man unbedingt beachten muss, wenn man eine Trompete kaufen möchte?
Und woran erkenne ich einen guten Lehrer?
Danke schon mal,
Filiz
@Filiz: Wenn du ziemlich sicher bist, dass du mit einem C-Instrument zusammen Trompete spielen willst, hat es sicher Vorteile, die Griffe in C zu lernen. Aber wenn du dann mit einem B-Trompeter spielen willst, holt dich das Ganze ein.
Antworten auf deine beiden anderen Fragen findest du in den Kategorien Musikunterricht und Instrumente. Gerade beim Lehrer heißt es sicher “ausprobieren” und wechseln, falls es nicht passt. Ein guter Lehrer kann auch beim Instrumentenkauf helfen. Musikschulen haben oft auch Leihinstrumente, so dass du erst ans Kaufen denken musst, wenn du sicher bist, dass dir das Instrument auch wirklich zusagt. Ich bin inzwischen beim Tenorhorn gelandet, weil ich mit der Trompete doch nicht klar gekommen bin.