Heißes Promenadenkonzert mit dem Musikkorps der Bundeswehr

Geschrieben am 20.07.2010 von Marion in der Kategorie Konzerte

Der 16. Juli 2010 war einer der heißesten Tage des Jahres. Auch gegen Abend sank die Temperatur in Innsbruck kaum ab und vor der Bühne war es schon in leichter Bekleidung fast unerträglich heiß. Für das Musikkorps der Bundeswehr gab es keine Gnade, schwarzer Konzertanzug mit langärmligem Hemd und nicht mal ein Glas Wasser zwischendurch. Sie haben es heldenhaft gemeistert, wobei das Konzert sicher auch “hemdsärmlig” genauso schön geklungen hätte.

Aber “Räuberzivil” gab es nur in der Anspielprobe vor dem Konzert, in der die örtlichen Gegebenheiten und die damit verbundene Akustik getestet wurde.

musikkorps bw zivil Heißes Promenadenkonzert mit dem Musikkorps der Bundeswehr

Wenigsten blieb ihnen der sonst übliche Marsch zur Annasäule und zurück zum Goldenen Dachl erspart und es gab  “nur” ein kurzes Standkonzert unter Innsbrucks Wahrzeichen.

musikkorps trompeter Heißes Promenadenkonzert mit dem Musikkorps der BundeswehrNachdem die Musiker dann auf der Bühne Platz genommen hatten, erklangen die ersten Töne aber nicht von dort, sondern aus zwei Fenstern der Hofburg. Dort hatten sich je 2 Trompeter postiert, um “Morgenlied und Aufzug der Heere” von Richard Wagner zu eröffnen. Fast klang es wie eine Weise, die allerdings leider kurzzeitig von einem Flugzeug übertönt wurde.

Das Wechselspiel mit dem Orchester funktionierte bestens - dank der Probe vorher. Die Fagottistinnen und die Klarinettisten übernahmen von den Ferntrompeten und führten den Morgen sanft weiter. Kernige Trompetensignale kündigten dann die Heere an.

Wie bei den meisten Konzerten stand auch hier eine Ouverture an zweiter Stelle im Programmablauf. “Dichter und Bauer” von Franz von Suppé hatte Walter Ratzek nicht nur ausgewählt, sondern auch selber bearbeitet. Die Baßklarinette, eher als Begleitinstrument bekannt, hatte hier eine längere Solopassage. Das Musikkorps der Bundeswehr ist - nach meinen Beobachtungen - das einzige große Blasorchester, das auch mit einer Kontrabass-Klarinette ausgerüstet ist. Mit viel Mut zu leisen Tönen war die Ouverture zum Dahinschmelzen schön.

Hätte Walter Ratzek nicht angesagt, dass “An der Lisaine” ein Marsch ist, wäre man kaum drauf gekommen, auch nicht, dass an diesem Fluß eine Schlacht stattgefunden hat. Es gab zwar einige Trompetensignale, aber die waren so sanft und schlossen sich nahtlos an den romantischen Charakter an, dass man eher an einen Sonntagsausflug mit der Familie erinnert wurde als an eine Schlacht.

ratzek Heißes Promenadenkonzert mit dem Musikkorps der BundeswehrOberstleutnant Walter Ratzek übernahm die Moderation des Konzerts und informierte in freier Rede über die anstehenden Stücke und gab auch einen kleinen Einblick in die deutsche Militärmusik.
Er leitet das Musikkorps seit 2001, als Dr. Michael Schramm an die Spitze des Militärmusikdienstes der Bundeswehr aufrückte. Unter Schramms Leitung war es noch das Stabsmusik der Bundeswehr. Als Folge der Wiedervereinigung gab es dann allerdings mit den Musikern aus Berlin zwei gleichartige Klangkörper, so dass das Orchester mit Sitz in Siegburg den “Stab” im Titel verlor, dafür aber die grauen Uniformen mit den eleganten schwarzen Anzüge tauschen durfte, an denen nur die Schulterklappen an die Herkunft erinnern.

Ich war seinerzeit in der Nähe von Bonn in einer Musikkapelle, deren Dirigent beim Stabsmusikkorps tätig war und uns auch einige seiner Kollegen für Registerproben bestellt hatte. Von daher war das Wiedersehen und -hören noch vielen, vielen Jahren sehr interessant.

“Sinfonische Metamorphosen” von Paul Hindemith standen als nächstes auf dem Programm. Sie gehen auf Themen von Weber zurück und passen dadurch in das Konzertprogramm der Innsbrucker Promenadenkonzerte. Hier fiel auf, dass die Holzsoli recht leise waren. In der zweiten Reihe waren sie zwar noch gut zu hören, aber wie es wohl in den letzten Reihen ausgeschaut haben mag? Aber es war sicher Absicht, denn dass diese hochkarätigen Musiker sich nicht trauen würden, kräftig in ihre Instrumente zu blasen, ist auszuschließen.

Nach diesem doch etwas monumentalen Stück folgte mit dem Marsch “Großherzog Friedrich von Baden” leichte Kost mit schönen Melodiebögen und wechselnder Dynamik.

Für den Freischütz wurde seinerzeit eine musikalische Begleitung für die Balletteinlage benötigt. Man wurde mit dem “Rondo Brilliante” fündig, das ursprünglich für Klavier geschrieben wurde. Daraus wurde das Stück “Aufforderung zum Tanz” entwickelt, dessen klassische Abfolge man vor dem musikalischen Auge sehen konnte. Der Herr wurde vom Tenorhorn verkörpert, während die Antwort der Dame von den Klarinetten kam. Nach einem kleinen Wortwechsel  sah man die Paar auf der Tanzfläche wirbeln. Die Holzbläser sorgten für den Schwung, und zuweilen hatte ich den Eindruck, Figuren auf einer Spieluhr tanzen zu sehen. Natürlich durfte ein ordentlicher Abschluß nicht fehlen, d.h. Herr Tenorhorn begleitete Frau Klarinette wieder an ihren Platz zurück - und erst danach war Zeit für den Beifall.

Dieses Stück und die folgende Suite mit Walzern aus dem Rosenkavalier von Richard Strauss erfreuten den künstlerischen Leiter der Promenadenkonzerte, Alois Schöpf, ganz besonders. Wie er am Ende des Konzerts verriet, hatte er sie sich schon seit Jahren gewünscht. Da sie aber sehr schwer zu spielen sind, brauchte es ein Orchester vom Kaliber des Musikkorps der Bundeswehr, um seine Wünsche meisterhaft zu erfüllen.

Für das Musikkorps war es übrigens das erste Promenadenkonzert in Innsbruck. Einer der Flötisten dürfte aber die Atmosphäre in Hof der Hofburg kennen, denn wenn ich mich nicht täusche, war er bereits mit dem Luftwaffenmusikkorps aus Neubiberg in Innsbruck.

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90 Minuten Musik waren bestellt, und die Bundeswehr liefere genau diese 90 Minuten, so leitet Walter Ratzek das Ende des Konzerts ein. “Saltarello”, der 4. Satz aus der Italienischen Sinfonie von Felix Mendelssohn Bartholdy sollte das Schlußstück werden. Ein Hüpftanz aus dem 14. Jahrhundert verbirgt sich dahinter, aber da es immer noch nicht abgekühlt hatte, war niemandem  zum Hüpfen oder Tanzen zumute.

Nach einer Zugabe aber durchaus, denn der Beifall wollte natürlich nicht enden. Auch wenn am Ende der Anspielprobe noch zwei Stücke als Zugabe genannt wurden, gab es aber letztendlich doch “nur” den Radetzky-Marsch. Angesichts der Temperaturen konnte man dem Musikkorps der Bundeswehr darüber aber nicht böse sein. Und wer mehr von ihnen hören wollte, hatte noch die Möglichkeit, sich mit aktuellen CDs einzudecken.

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