Orchestergründung – wie es gehen könnte
Die meisten Orchester oder Musikkapellen bestehen schon viele, viele Jahre. Aber dennoch gibt es immer wieder Musiker, die etwas Neues wollen und mit dem Gedanken spielen, ein Orchester zu gründen. Das ist ein großes Vorhaben und keine leichte Aufgabe, die man mal so eben mit links meistert.
Hier ein paar Gedanken dazu, wie es in verschiedenen Fällen funktioniert hat und wie es auch wieder funktionieren könnte.
Betrachten wir doch zuerst mal bestehende Orchester. Was haben sie, und warum funktioniert es bei ihnen?

Gute Orchester haben selbstverständlich
- einen guten Dirigenten, der für die musikalische Qualität sorgt – idealerweise gibt es auch einen Stellvertreter, um eventuelle Vakanzen gekonnt überbrücken zu können
- ein effektives Führungsteam, das das Orchester nach außen repräsentiert und positioniert und für eine reibungslose interne Organisation sorgt
- eine ausreichende Menge motivierter Musiker, die mit Herz bei der Sache sind, üben und proben und mit Freude Auftritte spielen
- jemanden, der daran interessiert ist, dass das Orchester auftritt
Das kann eine Gemeinde sein, die sich ihre Kapelle als lokales Aushängeschild wünscht, das kann ein Unternehmen sein, dass sich mit einer Werkskapelle präsentieren möchte, das kann auch eine Musikschule sein, die die Leistungsfähigkeit ihrer Ausbildung darstellen möchte oder eine andere Organisation oder Einrichtung, die häufig einen Klangkörper braucht. - jemanden, der das Orchester finanziell oder materiell unterstützt
Das können die gleiche Gemeinde oder das gleiche Unternehmen sein, die/das im vorherigen Punkt genannt wurde. Es können aber auch andere Unternehmen oder Organisationen sein, die dem Orchester in bestimmten Bereichen den Weg ebnen.
Aller guten Dinge sind drei
Um nun ein Orchester zu gründen, braucht man aus den oben genannten fünf Faktoren mindestens 3 Elemente, wenn man Erfolg haben möchte. Ideal ist eine Kombination aus zwei der inneren Faktoren und einem der äußeren Klammern. Beispiele sind:
- Einige motivierte Musiker finden sich zusammen, bestimmen eine organisatorische Führung und lassen ihre Gemeinde von ihrem Vorhaben, eine Musikkapelle zu gründen, wissen. Die Gemeinde nimmt diese Idee mit Begeisterung auf und verpflichtet die Musiker, bei einem bevorstehenden örtlichen Fest aufzutreten. Nachdem diese Sache ein Erfolg wird, lässt der nächste Auftritt nicht lange auf sich warten. Die Musikgruppe wird bekannt, weitere Musiker kommen dazu, auch ein Dirigent wird gefunden, und die Gemeinde stellt einen Probenraum zur Verfügung.
- Ein Unternehmen wünscht sich ein Werksorchester, sucht einen Dirigenten und startet einen Aufruf in der Belegschaft. Natürlich unterstützt das Unternehmen das Orchester finanziell und materiell und sorgt zusätzlich für Auftrittsmöglichkeiten im Firmenkontext.
- Bei Berufsmusikern ist es sicher möglich, ein Orchester mit den inneren Elementen zu starten, weil hier die Musiker die Chance sehen und engagiert mitmachen. Sie studieren schnell ein ansprechendes Programm ein und verschaffen sich damit einen Bekanntheitsgrad, über den sie weitere Auftritte und finanzielle Mittel erzielen können.
Können es zwei “Elemente” alleine stemmen?
Grundsätzlich ist natürlich nichts unmöglich. Wenn sich aber nur zwei Personen zusammenfinden, um ein Orchester zu gründen, dann sollten sie sich sicher sein, dass sie wirklich das gleiche Ziel anstreben und Lasten, Pflichten und Erträge gleichmäßig untereinander verteilen. Je früher sie jedoch engagierte Mitstreiter finden, die sich an der Arbeitslast beteiligen, desto besser.
Was tun ohne Klammerelemente?
Wie könnte es trotzdem gelingen, ein Orchester zu gründen, ohne von Anfang eine Gemeinde oder ein Unternehmen im Rücken zu haben?
Man braucht ein Dirigenten- und ein Organisationsteam, die unternehmerisch denken und alle gleichermaßen bereit sind, in ihr gemeinsames Projekt zu investieren. Sie müssen sich dann die passenden Musiker suchen. Dafür gilt:
- Die Musiker müssen zumindest so motiviert sein, dass sie sich auf die Proben vorbereiten, diese regelmäßig besuchen und dort ihr Bestes geben.
“Hire for attitude, train for skills.” Das sollte das Motto sein, mit dem auch nicht so erfahrene Musiker ihre Chance bekommen, wenn die Einstellung passt. - Man sollte sich zwar Vorstellungen über eine Zielbesetzung geben. Ist diese aber nicht sofort erreichbar, so sollte man schauen, was man mit der vorhandenen Besetzung machen kann. Irgendwas geht immer, und außergewöhnliche Besetzungen können durchaus ihren Reiz entfalten.
- Die Einnahmen werden maßvoll zur Deckung der Sachkosten, zur Rücklagenbildung und gleichberechtigt für Aufwandsentschädigungen der treibenden Kräfte verwendet.
Wenn sich diese motivierte Gruppe vorbereitet und in der Öffentlichkeit zeigt – und seien es am Anfang auch nur kleine Auftritte – wird sie Zug um Zug bekannter, und eines Tages wird sich eines der Klammerelemente einstellen. Und dann kann das Wachstum beginnen: weitere Musiker, erweitertes Repertoire, steigende Bekanntheit.
Wie machen es Unternehmen?
Erfolgreiche Unternehmen wachsen ja auch nicht sofort mit 40 Mitarbeitern aus dem Boden. Hier braucht es ein Team aus Gründern, denen
- eine 40-Stunden-Woche mit Überstunden-Ausgleich
- geregelter Urlaub
- fettes, sicheres Gehalt
wenig bedeuten, und die stattdessen
- ihre eigenen Herren sein
- eine große Gestaltungsfreiheit schätzen und nutzen
- neue Wege gehen
wollen. Sie machen sich langsam einen Namen, finden gleichgesinnte Mitstreiter und wachsen langsam und stetig. Und im Laufe der Zeit finden sich dann auch Partner und natürlich Kunden, die die neuen Ideen und Qualität der Leistung schätzen.



