Neue Noten für Weisenbläser

Geschrieben am 12.06.2010 von Marion in der Kategorie Noten

Beim Volksmusikarchiv des Bezirks Oberbayern gibt es seit wenigen Tagen neue Noten für Weisenbläser. Sie wurden am 11.6.10 an einem schönen, sommerlichen Abend im Garten vor dem Volksmusikarchiv vorgestellt.

“Bläserweisen aus dem Aschauer Tal” lautet die genaue Bezeichnung des Notenbüchleins, das in einer Ausgabe für 2 Flügelhörner und einer Ausgabe für ein Flügelhorn und ein Bass-Flügelhorn vorliegt. Bei der Vorstellung gab es einen Sonderpreis von 5 Euro, während der reguläre Preis noch nicht festlag.

weisenblaeser Neue Noten für Weisenbläser
Die musikalischen Väter der Bläserweisen sind Erich Gawlik (rechts im Bild) und August Riepertinger, der am Abend der Vorstellung leider in Berlin weilte. Als Schreiben der Noten hat sich Bernhard Kübler (vorne) betätigt. Die beiden Musiker waren in den Jahren 1992 und 93 viel gemeinsam in den heimischen Bergen unterwegs. Die schöne Landschaft und auch die Sennerinnen auf den Almen haben sie zu etlichen Weisen inspiriert, die nun geordnet zusammengetragen wurden. Die Auswahl war riesig, und so konnten Gawlik und Riepertinger auch einige Stücke wieder verwerfen, weil die Ähnlichkeit zu bereits vorgemerkten Weisen zu groß war. Und trotzdem, so Erich Gawlik in seinen Erklärungen, sei es für ihn immer wieder erstaunlich, wie viele verschiedene Stücke es gibt und dass dennoch immer wieder neue Ideen entstehen.

Für die Sammlung an Bläserweisen haben sie stets darauf geachtet, dass die Weisen auch von Hobby-Musikern gespielt werden können. So durfte die Tonart nicht zu kompliziert sein, musste aber andererseits auch von der Klangfarbe her zum Stück passen. Die meisten Weisen sind in C- oder G-Dur geschrieben. Ansonsten kommen noch F-, B- und Es-Dur vor, also kein Kampf mit ungewohnten Vorzeichen.

Aus der Sicht eines Hochblech-Anfängers lässt sich sagen, dass die 1. Stimme (im Heft für 2 Flügelhörner) meist bis zum g2 hinauf geht, also schon einen guten Ansatz erfordert. Die 2. Stimme bleibt tiefer, hat aber bei manchen Weisen zeitweise einen eigenen Rhythmus. Die 1. Stimme ist führend, d.h. es braucht wirklich ein Duo für einen interessanten Klang.

Das Duo aus Flügelhorn und Bassflügelhorn entspricht dem Gesang einer Männer- und einer Frauenstimme, während man sich bei zwei Flügelhörnern zwei Sänger oder Sängerinnen vorstellen kann.

Von der ersten Idee, die Weisen aufzuschreiben, bis zur Vorstellung hat es ein Weilchen gedauert. Aber dadurch sind die Stücke “reif” geworden. Und so kann sich das Heft wirklich sehen lassen. 49 Seiten mit 37 Weisen sind es geworden. Mit Ernst Schusser vom Volksmusikarchiv wurden unterschiedliche Anordnungen ausprobiert. Schließlich entschieden sich die Musiker dafür, die 1. Stimme auf der linken und die 2. Stimme auf der rechten Seite des Hefts anzuordnen. Da die Weisen unterschiedlich lang sind, findet man auf einer aufgeschlagenen Doppelseite eine längere Weise über 6 Zeilen oder zwei Weisen über je 3 oder 2 und 4 Zeilen.

Das Weisenblasen, so ließ der Leiter des Volksmusikarchivs die Zuhörer wissen, ist auf die Postillione zurückzuführen. Zunächst gab es nur Noten für eine Stimme, 4- und 2-stimmige Sätze folgten erst später. Auch die Namen, so wie wir sie heute kennen, wurden erst nach 1900 vergeben. Davor wurden die Stücke einfach als Walzer, Polka o.ä. bezeichnet oder durchnummeriert. Aber die Namen der vorliegenden Weisen von Chiemgauer Bläserweis’, Magdalena-Weis’ oder Feichtecker Weis sind doch viel schöner, oder? Und wenn die Namen nicht von Bergen oder Ortsteilen aus der Heimat von Erich Gawlik und August Riepertinger stammen, sind es Frauennamen - von Heiligen bis zu einem Täufling, vielleicht aber auch der einen oder anderen Sennerin, wozu aber keine Details verraten wurden. Im Notenbüchlein gibt es aber zu jeder Weise eine (offizielle) Erklärung zur Herkunft.

Neben den almerischen Weisen findet man auch ein paar Weisen, die zu einem Berggottesdienst passen würden, 2 Arien, 2 Fanfaren und das Hornthema aus dem Freischütz.

Die “Bläserweisen aus dem Aschauer Tal” sind also durchaus vielseitig und allen Weisenbläsern wärmstens empfohlen. Wer in der Nähe von Bruckmühl im Landkreis Rosenheim wohnt, hat jeden Mittwoch die Gelegenheit, im Volksmusikarchiv Noten und auch CDs zu kaufen. Auch bei Veranstaltungen in ganz Oberbayern oder über den Postweg kann man an die Noten kommen.

Ich suche noch einen Partner zum Weisenblasen. Wer schon einen hat, dem wünsche ich viel Vergnügen beim Weisenblasen.

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