Musikwettbewerb Prima La Musica aus Sicht des Lehrers und Jurors
Jedes Jahr findet in Österreich der Musikwettbewerb “Prima La Musica” statt. Zunächst werden in den 9 Bundesländern (Tirol einschließlich Südtirol) die Sieger ermittelt. Dann folgt für die Besten der Vergleich auf Landesebene.
Im folgenden Beitrag lässt uns Anton Ludwig Wilhalm ein wenig hinter die Kulissen blicken. Denn er ist nicht nur einer der Trompetenlehrer, dessen Schüler oft auf den ersten Plätzen zu finden sind, sondern auch Juror.
Frage: Wie läuft der Wettbewerb ab?
Je nach Länge spielt jeder Solist oder jedes Ensemble 3-5 Stücke. Die Bewertung erfolgt in 3 Stufen. Es gibt den 1. Preis mit Auszeichnung oder Sehr Gut, den 2. Preis oder den 3. Preis. Schlechtestenfalls erhält man das Ergebnis teilgenommen - was natürlich durchaus auch vorkommt.

Im Bild: Das siegreiche Trompetenensemble der Musikschule Überetsch beim Landeswettbewerb 2010
Frage: Wer kommt als Teilnehmer bei “Prima La Musica” in Frage? Den olympischen Gedanken wird es hier wohl eher nicht geben?
Antwort: Ein Wettbewerb ist ein wichtiger Meilenstein im Werdegang eines begabten Schülers, der eventuell mit dem Gedanken spielt Musik, als seinen Beruf zu wählen.
Frage: Was gibt es vor der Teilnahme zu beachten?
Antwort: Hier gibt es drei Bereiche: 1. die Programmauswahl, 2. die Vorbereitung und 3. der Wettbewerb.
Bei der Programmauswahl sollte der Lehrer die Stärken und Schwächen des Teilnehmers evaluieren. Das Programm muss aber auch verschiedene Stilrichtungen beinhalten, d.h. langsame und schnelle Sätze, und es darf nicht langweilig sein. Interessante Literatur aus Barock, Klassik und Romantik, Original-Kompositionen und zeitgenössische Musik sollten es sein.
Das setzt voraus, dass die Lehrkraft sich in der Literatur bestens auskennt und ihren Teilnehmer ein gutes Programm aufsetzt.
Frage: Wie läuft die Vorbereitung idealerweise ab?
Antwort: Es dreht sich alles um das Einstudieren der Werke. Dazu kommen Klavierproben und mindestens 3 Konzerte vor einem Wettbewerb, wobei immer Korrekturen nach den Konzerten erfolgen. Die Vorbereitungszeit beträgt mindestens 4 Monate, im Idealfall bis zu 9 Monaten.
Frage: Was passiert am Wettbewerbstag?
Antwort: Einspielen steht logischerweise am Programm. Und wenn der Termin um 9 Uhr ist, sollte man bereits um 5 Uhr aufstehen, damit sich 9 Uhr für den Körper wie Mittag anfühlt.
Beim Anspielen kommen nochmal alle Anfänge und Übergänge dran. Der Lehrer ist dabei und hat die Aufgabe, die Schüler zu motivieren und ihnen beizustehen.
Nun zur Jury:
Normalerweise besteht die Jury aus 4 bis 5 Juroren. Anton Ludwig Wilhalm wird als Trompeter natürlich für Trompete und Ensembles eingesetzt, ab und zu aber auch bei anderen Instrumenten.
Frage: Worauf achtet der Juror?
Antwort: Der Juror bewertet die Gesamtleistung, wobei die Musik im Vordergrund steht. Er achtet auf die Programmgestaltung, auf Klang, Intonation und das Zusammenspiel. Es wird auch geschaut, ob das Programm eventuell zu schwer oder zu leicht ist - natürlich vor dem Hintergrund des Alters der Vortragenden.
Frage: Gibt es besondere Erlebnisse, die du so schnell nicht vergisst?
Antwort: Als Juror ist es mir mal passiert, dass ein Teilnehmer eine so tolle Leistung geboten hat, dass ich Tränen in den Augen hatte.
Frage: Lässt sich über die Jahre eine musikalische Entwicklung feststellen?
Antwort: Es gibt eine Entwicklung, die sagt, dass es immer jüngere, gut ausgebildete Bläser gibt.

Bild: Sozusagen der Beweis für die Aussage, denn dieses junge Trompetenensemble aus Eppan mit einem Altersschnitt von 8.5 Jahren belegte bereits den 1. Platz beim Tiroler Landeswettbewerb 2010



