Mit dem Luftwaffenmusikkorps und Karl Kriner durch England, Schottland und Irland

Geschrieben am 11.11.2010 von Marion in der Kategorie Konzerte

Die beiden Konzerte des Luftwaffenmusikkorps 1 aus Neubiberg im November in Miesbach sind ja inzwischen fest im Kalender verankert. Und Hans Orterer hat seinem Nachfolger am Dirigentenpult, Karl Kriner, diese Konzerte auch wärmstens ans Herz gelegt und zur Fortführung empfohlen. Also waren die Klänge im Waizinger Keller eigentlich nur für Karl Kriner neu, auch wenn er das Musikkorps nun schon ein Dreivierteljahr leitet.

Wie wird er sein, der Neue? Das war in der Tat die Hauptfrage des Abends….

Da darf ein Oberbayer nach beruflichen Jahren in Berlin, Wilhelmshaven und Neubrandenburg endlich wieder in die Berge zurück. Und was kündigt er an? Ein Konzertprogramm, in dem alle Stücke mit England, Schottland und Irland zu tun haben. Uups, das machte erstmal einen faden Eindruck. Aber dieser Eindruck hat getäuscht. Denn Karl Kriner hatte sehr interessante Stücke ausgewählt. Einige waren bekannt, andere nicht. Genau diese Mischung machte das Konzert so interessant. Es war auch nichts “Experimentelles” dabei, das man nicht bis zum letzten Ton gerne gehört hätte.

Wahrscheinlich gehört sogar ein bisschen Mut dazu, mit den Traditionen zu brechen, keine Ouverture als zweites Stück zu spielen, nichts aus Wien und nichts aus einer Oper hören zu lassen. Vielleicht kann man sich das nur als “Neuer” erlauben, vielleicht muss man als neuer Dirigent sogar so etwas tun?

Einige Änderungen gab es auch bei der Sitzordnung. Die Posaunen, die sonst rechts außen zu finden waren, hatten ihren Platz links außen in der erhöhten zweiten Reihe. Dafür saßen die Flügelhornisten rechts in der hinteren Reihe bei den dritten Klarinetten. Der Oboist saß fast im Niemandsland zwischen der 2. und 3. Klarinettenreihe.
Schön war, dass die Trompeten und Posaunen erhöht saßen und nicht vom Holz vereckt wurden. Die Schlagzeuger werkten noch eine Stufe höher, d.h. man hatte die meisten Musiker (und 2 Musikerinnen) immer gut im Blick.

Das Konzert begann gleich mit zwei Märschen, einem Armeemarsch und dem Marsch der Royal Air Force. Sie waren gut anzuhören und hatten so gar nichts Militärisches. Sie waren sanft und melodiös, und man hätte sie vielleicht gar nicht als Märsche erkannt, wenn man es nicht gewusst hätte.

Als nächstes folgte ein 20-minütiges Tongemälde aus Schottland. Philip Sparke beschreibt darin die Landschaft und Geschichte des Landes. Im ersten Satz sind die Scharmützel zwischen den Clans zu hören, die vom wohlbekannten und vom großen Blasorchester auch wohlig klingenden “Highland Cathedral” abgelöst wurden. Das Saxophon-Trio hatte im zweiten Satz die Aufgabe, einen Fluß zu vertonen, der durch die baumlose Landschaft fließt. Tenor, Alt und Sopran hatten das Sagen, wobei das kleine, geschwungene Sopran-Sax wie ein Spielzeug wirkte, da die gerade Ausführung eher geläufig ist. Gespielt wurde es natürlich meisterlich, sowohl hier als auch in weiteren Stücken nochmal. Sechs Mann wirkten ständig am Schlagzeug. Aber für den zweiten Satz war auch das noch zu wenig, so dass der erste Flötist mit einem Klangstab immer wieder “Tok-Tok” machen musste – oder durfte? Im dritten Satz war dann wieder die Flöte dran, um die Rivalität zwischen Schotten und Engländern darzustellen. Den Abschluß bildete wieder “Highland Cathedral”.

Danach war wieder Zeit für einen Marsch, den Marsch der Soldaten aus dem 14. Jahrhundert mit dem Titel “Robert the Bruce”. Er konnte seine schottischen Wurzeln nicht verleugnen, denn die Trommel erinnerte doch sehr an die “Pipes and Drums”. Wohlweislich hatte Karl Kriner angesagt, dass sich in der schottischen Musik alles immer wiederholt. So war es auch für die Soli der beiden Piccolo-Flöten, die irgendwie nach Spielmannszug klangen. Kurz bevor es zu viel Wiederholung wurde, kam zum Glück noch ein unerwartetes Ende mit dem ganzen Orchester.

Gustav Holst, ein englischer Romantiker, hat Suiten für Militärorchester geschrieben. Aus der ersten Suite erklangen vor der Pause noch das Intermezzo und der Marsch. Alle Stücke waren natürlich wie gewohnt perfekt gespielt. Aber irgendwie kamen mir alle ganz besonders kristallklar vor. Ob es an den Stücke selber oder am Dirigent lag? Oder war es nur Einbildung?

Nach der Pause gab es dann aber doch wie gewohnt den modernen Teil. “The Army of the Nile”, noch ein sanfter Marsch, machte den Anfang. Darauf folgte etwas ganz außergewöhnliches, nämlich ein Hirtentanz aus Irland. Richtig fröhlich tanzte da also der Hirte in “Shepards Hay”, kurz zwar, aber mitreißend und erfrischend.

Im Tanzschritt ging es weiter, mit einem Zusammenschnitt aus River Dance. Der Frühling, die Liebe, ein Gewitter und das große Finale brachte in einem einzigen Stück eine große Vielfalt und Abwechslung.

Und auch der darauffolgende Marsch “The Standard of St. George” wäre fast als Polka durchgegangen. Daran konnten auch die Ankläge an “Colonel Boogie” nichts änderen, aber das ist ja auch gar nicht schlimm.

England und modern – was muss da einfach noch kommen? Na klar, die Beatles. Immerhin hatten sie vor 50 Jahren ihren ersten Auftritt. “Echoes of an Area” zeigte alle großen Hits, bei denen die Melodie teilweise von Register zu Register weiter gegeben wurde.

Und was kennt man musikalisch noch aus England? Auch klar, “Pomp and Circumstances”. Karl Kriner hatte den bekannten ersten Marsch ausgewählt, der zu Ehren von König Edward VII geschrieben wurde. Mit dem Marschieren wäre es auch hier schwierig gewesen, auch wenn der Titel an die glorreichen Kriege erinnern soll.

Zum offiziellen Ende des Konzert bleibt noch die Frage nach der Moderation. Für die war ja Hans Orterer in meinen Augen wirklich berühmt – und wird es auch bleiben… Die Orter’sche Latte wird wohl so schnell niemand erreichen. Da könnte nur eine gänzlich andere Art der Moderation helfen, um dem Vergleich zu entgehen.

Oder ist es nur ein langer Weg zur Latte – der “Long Way to Tipperary”? Das war die erste Zugabe, bei der die Besucher hätten mitsingen dürfen. Bei der zweiten Zugabe war dann ausnahmsweise nichts mehr mit England & Co, sondern alles wie immer. Und auch unter Karl Kriner ist Schluß, wenn sie diesen Marsch spielen… den Fliegermarsch halt. Und – liebe Tiefflieger verzeiht mir -  ich stehe einfach auf die Piccolo-Stellen.

Die Luftwaffe kommt auch 2011 wieder nach Miesbach – allerdings schon im Oktober. Also heißt es, sich etwas früher um Karten kümmern!

Kommentar hinterlassen

Bitte füllen Sie die Felder mit * aus. Ihre Mailadresse wird im Blog nicht angezeigt.