Konzert mit Harmonic Brass
Auf der Landesgartenschau in Rosenheim gibt es nicht nur Blumen, sondern auch ganz tolle Konzerte. Eines davon führte heute die 5 Blechbläser von Harmonic Brass auf die Open Air-Bühne. Und der Wettergott meinte es gut, weit besser als der Wetterbericht. Und so war der Platz vor und rund um die Bühne auch sehr gut belegt.
Als die ersten Töne erklangen, war von den Musikern noch nichts zu sehen. Sie machten aus dem ersten Stück einen Einzugsmarsch - festlich und anmutig.
Blech-Kammermusik kündigte der Hornist in seiner zweiten Rolle als Moderator an, aber es ging natürlich nicht immer nur gemächlich barock dahin. Es war vielmehr eine Tour durch Paris, auf die Harmonic Brass die Zuhörer einlud - passend zur aktuellen CD “Bonjour Paris”.
Als Hommage an die Landesgartenschau ging es zunächst in die Schloßgärten von Versailles, wo 2 Piccolo-Trompeten die Wasserspiele zum Klingen brachten mit “Les Fontaines de Versailles” von M.-R. de Lalande.
Anschließend führte der Weg auf den Place des Vosges, dem Platz mit dem Lieblingscafé von Georges Bizet. Und Harmonic Brass ließ 3 Sätze aus Bizets “L’Arlésienne” hören. Im 1. Satz konnte das Horn solistisch glänzend, während im 2. Satz nach einem Seitenwechsel der Hochblechbläser vor allem Flügelhorn, Posaune und Horn in den Vordergrund traten.
Der 3. Satz wurde schon vorher als französischer Tanz mit dem Namen Pharandole angekündigt. Die Bläser haben wohlweislich darauf verzichtet, unter dem Blasen auch noch zu tanzen. Denn das hätte nicht nur diverse Blechschäden, sondern auch Knoten in den Füßen gegeben. Die Posaune war der sehr aktive Taktmacher und die Grundlage für schnelle, darüberliegende Läufe der Piccolo. Für einen Tanz war es wild - sehr wild, und am Ende fast der Kampf, welches Instrument denn nun das Lauteste sei…
Nächste Station der musikalischen Paris-Runde war der Jardin du Luxembourg. Dort stand ein Kinderkarussel und eine Parkbank, was Rainer Maria Rilke zu einem Gedicht inspiriert hat. Und genau dieses Gedicht trug Hornist Andreas Binder vor, während die beiden Trompeter dazu abwechselnd eine feine Hintergrundmelodie lieferten. Eine tolle Idee und sehr schön gemacht!
Und wer Gedichte vortragen kann, kann auch Stücke für Blechbläserquintett komponieren. Das nachfolgende “Bonjour Paris” stammt nämlich aus der musikalischen Feder von A. Binder und stellt einen wilden musikalischen Streifzug durch die Stadt dar - abschließend gekrönt von einer Pirouette des Tubisten.
Was fiel bei dem Konzert bis hierhin auf? Der Tubist ist mit 2 Instrumenten auf der Bühne und wechselt sogar innerhalb eines Stücks zwischen beiden. Das kennt man ja sonst nur von den Hochblechbläsern, bei denen es aber wegen der Größe des Instruments deutlich leichter ist.
Und die Notenständer wurden nur für das erste Stück gebraucht, danach ging alles auswendig. Für Profis normal? Für eine gute Stunde machbar? Aufgefallen ist es mir jedenfalls.
Die schönsten Filmmelodien standen als nächstes auf dem Programm. Die Einleitung bestand aus der Fanfare der Olympischen Spiele von 1984. Anschließend entführte uns Harmonic Brass in den Jurassic Park, zu Indiana Jones, Superman und mehr. Verschiedene Filme haben natürlich auch verschiedene Klangfarben - mal strahlende Trompeten und eine harte Basslinie, mal ein sanftes Flügelhorn mit einer ebenfalls sanften Piccolo.
Vom Film ging es ins Musical, ins “Phantom der Oper”. Auch diese eigentlich traurige Geschichte zeigte wieder die große Vielfalt der Blechblasinstrumente und der Bläser. Eine samtweiche Trompete ließ einen förmlich dahin schmelzen, bis das tiefe Blech stückbedingt Panik verbreiten musste. Nach einem kantigen Posaunensolo und einem Hornsolo war sie dann wieder da, die butterzarte Trompete - einfach schön!
Sie brauchen nun Pause, sagte der Moderator. Aber das war zum Glück nur im übertragenen Sinn gemeint, denn die Pause sollte mit den Konzertbesuchern gemeinsam in der “Menagerie du Jardin du Blanc”, dem Pariser Zoo verbracht werden. Und was sieht man im Zoo? Tiere natürlich. Und wie kann man die hören? Mit dem Karneval der Tiere von C. Saint-Saens.
Nichts war da mit Pause, denn da drehten die Harmonic Brasser erst so richtig auf. Jeder Musiker durfte solistisch ein Tier darstellen, und es war auch die Gelegenheit, sich gegenseitig etwas auf die Schippe zu nehmen. Neja, eigentlich nahm 4 Mal der Hornist seine Kollegen auf die Schippe, während er es nur bei seinem Solo nicht verhindern konnte, dass ihm Gergely Lukács das Mikrofon wegschnappte….ein bisschen Spaß muss sein.
Als Introduktion erklang der Königliche Marsch der Löwen als kleiner Wettstreit zwischen tiefem und hohem Blech und flirrenden Läufen im Horn und in der Tuba.
Das Küken im Quintett, Gergely Lukács, durfte (oder musste?) dann selbiges Tier mit der Trompete interpretieren. Sein Registerkollege spielte ja mit der Trompete schon sehr hoch, aber das Küken mit der Piccolo kam stets noch höher… so lange, bis Horn und Posaune dem Treiben ein energisches Ende bereiteten.
Der Elefant kann natürlich nur von der Tuba vertont werden. Manfred Häberlein kam sogar von der Bühne herunter und nutzte die Schneise in den Zuhörerreihen, in der vorher der Laufsteg der Modenschau gestanden war, für Publikumsnähe. Ein dem Tier entsprechend behäbiger Tanz endete dann wieder auf der Bühne mit dem Trompeten des grauen Tiers - auch das geht also mit der Tuba.
Thomas Lux mit der Posaune hatte anschließend das Wort und die Aufgabe, den Kuckuck darzustellen. Es war ein komödiantischer Kuckuck, der sich ebenfalls unter’s Publikum mischte und mit seinen 2 Tönen die große Show machen konnte - zur Begeisterung des Publikums.
Versteinerte Fossilien und ein klapperndes Knochengerüst gibt es auch im Karneval der Tiere, was zum Auftritt von Hans Zellner mit seiner Piccolo führte.
Last but not least erschien der Schwan auf der Bühne - wirklich majestätisch dargestellt von Andreas Binder am Horn, während die Trompeten im Hintergrund die plätschernden Wellen machten durften. Fast hörte es sich ja so an, als würden die Trompeter Etüden blasen - war das Küken etwa doch so beleidigt, dass es nicht zum Schwan erkoren wurde? Wie dem auch sei, als Abschluß durften alle Tiere nochmal zum großen Finale antreten.
Das Ende der Reise nach Paris fand im Eurodisney statt, nochmal mit verschiedenen Filmmelodien. Und ausgerechnet bei “Versuch’s mal mit Gemütlichkeit” kam Bewegung auf die Bühne, bewegten sich die Musiker im Kreis und die beiden Tiefblechbläser in einem kleinen Tanz aufeinander zu.
Das Publikum war natürlich begeistert, und so kamen Harmonic Brass ohne Zugaben nicht von der Bühne. Und es war nicht einfach irgendeine Zugabe, sondern ein wahnsinniges Solo für Tuba. Was wie eine Polka begann, wurde dann zu “Mein Hut, der hat drei Ecken” für die Tuba. Wer jemals der Meinung gewesen sein sollte, dass die Tuba eh nur “Wupp-wupp” macht, wurde hier eines Besseren belehrt. Auf und ab und kreuz und quer ging es durch den ganzen Tonumfang der Tuba, in schnellsten Wechseln - Hut ab! Manfred Häberlein war offenbar komplett im Flow, denn er wollte gar nicht mehr aufhören. Abschließend führte er noch den tiefen Keller der Tuba vor - Pedaltöne vom Feinsten - und wenn ihn die Kollegen nicht mit einem scharfen Hochblechton geweckt hätten, würde er wahrscheinlich noch immer spielen….
Die zweite Zugabe war schließlich noch eine Hommage an die Heimat - zumindest von 3/5 von Harmonic Brass - mit einer oberbayerischen Weise. Die schwarzen Fräcke passten zwar nicht dazu, aber laut dem Schneidermeister der vorher auf der Bühne durchgeführten Modenschau dürfen Fräcke sowieso erst abends getragen werden. Das Konzert war allerdings nachmittags…




