Konzert des Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen
Die Aula der Berufsschule Traunstein wurde gestern wieder zum Konzertsaal, als das Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen zum jährlichen Wohltätigkeitskonzert antrat. Die gut 50 Musiker, darunter stolze 6 Holzbläserinnen und 2 (!) Trompeterinnen zeigten unter ihrem Dirigenten Martin Kötter einmal mehr, wie vielseitig Blasmusik sein kann.
Als Eröffnungsmarsch hatte das Orchester mit dem Edelweiß “In Treue fest” von Carl Teike ausgewählt. Neben einem satten Bass-Solo mit 6 Posaunen konnten die Zuschauer der ersten Reihen hier gleich eine weitere Besonderheit beobachten: Der Oboist in der ersten Reihe griff bei den Märschen zur Lyra, ein Instrument, das ja sonst vom Schlagzeugregister in den hinteren Reihen gespielt wird.
Überhaupt hatten es die Zuschauer in Traunstein gut. Denn das Gebirgsmusikkorps saß nicht auf einer hohen Bühne, sondern ebenerdig. Das hohe Blech und die Posaunen saßen leicht erhöht auf einer Stufe und die Schlagzeuger noch eine Stufe höher. So konnte man auch diese Register sehr gut sehen und beobachten, was bei den üblichen Bühnen leider meist nicht möglich ist.

Edward Elger – Pomp and Circumstances – folgte als zweites Stück. Entgegen der Erwartung kam allerdings der Marsch 3 zur Aufführung, der im Vergleich zum bekannten Stück leicht chaotisch und längst nicht so eingängig wirkte.
Hermann Ludwig Blankenburg wurde als Komponist des nächsten Marsches vorgestellt. Er hat die stolze Zahl von 1.200 Märschen komponiert, von denen aber leider “nur” 300 – 400 erhalten sind. Der Rest fiel einem Brand in Blankenburgs Haus in Wesel zum Opfer. Und interessanterweise – so Dirigent und Moderator Kötter – haben ausländische Musiker Blankenburgs Märsche bekannt gemacht. “Deutschlands Waffenehre” ist ein beliebter Heeresmarsch in Schweden. Dieser martialische Titel täuscht allerdings, denn der Marsch ist im Hauptteil fast so fein und mild wie ein Frühlingslüftchen.
“Till Eulenspiegels lustige Streiche” folgte als nächster Programmpunkt. So lustig wurde es allerdings nicht, nicht nur, weil Till am Galgen endet, sondern auch, weil Oberstleutnant Kötter sowohl für die Musiker als auch für das Publikum schwere Kost ankündigte. Aber zum 60. Todestag von Richard Strauss, der 40 Jahre in Garmisch-Partenkirchen gelebt hatte, musste das sein. Immerhin gab es auf der Leinwand hinter den Musikern kurze Erklärungen zu den gerade gespielten Szenen. So konnten die Zuschauer das Tongemälde im Kopf vervollständigen und waren nicht völlig verschreckt.
Mit einem ukrainischen Marschlied und dem River Dance Spektakel folgte dann wieder leichtere, eingängigere Kost, bis dann die große Stunde der Trompeter schlug.
Mit einem eindrucksvollen Solo, Tschaikowskys “Chanson Napolitaine” konnte Solo-Trompeter Thomas Bierhoff das Publikum begeistern.
Nach der verdienten Pause wurde der zweite Teil mit dem Marsch “Arnhem” des britischen Komponisten A. Kelly eröffnet. Darauf folgte ein amüsantes Stück mit einer kuriosen Geschichte. Der “Stolpersdorfer Sonntagsmarsch” soll einem Komponisten den Rauswurf aus dem gleichnamigen Dorf gebracht haben, da er einen Prozessionsmarsch hätte komponieren sollen, aber eine witzig-skurrile Registershow abgeliefert hat, bei der die Hauptstimme ständig quer durch das Orchester wechselte.
Mit “Take Five” von Dave Brubeck ging es danach in den Jazz. Die Fünf rührt wohl daher, dass das Stück im 5/4-Takt geschrieben ist. Die 4 könnte beim Gebirgsmusikkorps für die 4 Saxophonisten stehen, die darin ihren solistischen Einsatz hatten.
Wer hätte gedacht, dass König Georg V, der letzte König von Hannover, auch Komponist war? Und gar kein schlechter, so dass Wilhelm Christoph einen Marsch nach Melodien des Königs von Hannover zusammenstellen konnte.
Die Stunde der Trompeter, hatte ich vorher gesagt: Nun ging es weiter mit “Trumpet Blues & Cantabile” vom Jazztrompeter Harry James, in dem das gesamte Trompetenregister sein Können zeigen konnte. Und weil man den Schwung, der durch dieses Stück aufgebaut wurde, nicht gleich wieder zunichte machen dürfe, so Martin Kötter, folgte mit “Highschool Cadets” ein weiteres beschwingtes Stück für eine Dixieland Band aus Tenorsaxophon, Trompete, Posaune, Klarinette und Tuba. Das Orchester durfte aber begleiten.
Damit war auch schon wieder fast das Ende des Konzerts erreicht. “Farewell und Auf Wiedersehen” sollte das letzte Stück sein. Es erklang ein interessantes Potpourrie mit einem Streifzug durch die Vielfalt der Blasmusik und die vielseitigen Besetzungen des Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen. Ruhig und festlich erklangen Amazing Grace und Highland Cathedral, bevor die Alphorngruppe, die seitlich Aufstellung genommen hatte, übernahm. Und nach den Alphörnern kann nur die Stubenmusi mit Hackbrettern, Gitarre und Streichbass kommen. Das Orchester übernahm dann passend mit “Servus, Pfüa Gott und Auf Wiedersehen”, bis dann Zeit für den tosenden Schlußapplaus und einige Grußworte war.

Aber kein Konzert ohne Zugabe… Nummer 1 war der Kaiserjäger-Marsch, ohne Gesang, aber mit einem interessanten Melodieteil von den Waldhörnern. Auch Zugabe Nummer 2, der Marsch “Alte Kameraden”, ist eigentlich allseits gut bekannt. Aber das Gebirgsmusikkorps hat daraus etwas Besonderes gemacht, indem die Register, die Signale, Nebenmelodien und Einwürfe zu spielen hatte, jeweils aufgestanden sind und sich ein wenig über die allbekannte Melodie gelegt haben.
Würde sich das Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen zu vorgerückter Stunde noch zu einer weiteren Zugabe überreden lassen? Ja, sie taten es, und es war kein dritter Marsch. Es fing gedämpft an und hörte sich an wie “Weißt du wieviel Sternlein stehen”. Als “Sternlein” traten dann ein Flügelhornist und ein Alt-Saxophonist heraus und da war sie, die Erinnerung an das Bezirkskonzert der Militärmusik Tirol: “Guten Abend, gute Nacht” wurde angestimmt, zunächst wie bekannt, schmeichelweich gespielt vom Flügelhorn, dann leicht variiert vom Alt-Sax und abschließend von beiden Solisten gemeinsam. Zwei Militärorchester, eine ähnliche Idee, und wieder Gänsehaut-Feeling zum Abschluß eines tollen Konzerts.




Hallo! Bin gerade erst über diesen Blog gestolpert, sehr interessant. Es ist im Übrigen in der Militärmusik üblich, das die Oboisten die Lyra spielen, ich habe aber keine Ahnung, warum..