Klarinettenschule von Bernd Schreiber

Geschrieben am 4.05.2010 von Marion in der Kategorie Noten

Hört man den Namen Schreiber im Zusammenhang mit Klarinette, denkt man sicher zunächst an die Schreiber Klarinetten. Aber hier geht es um Bernd Schreiber, Klarinettist bei den Bochumer Symphonikern,der schon seit fast 40 Jahren als Klarinettenlehrer tätig ist. Seine Unzufriedenheit mit den gängigen Schulen und all seine Erfahrung sind in seine eigene Klarinettenschule eingeflossen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen und Klarinettenlehrern und ihren Schülern empfohlen werden. Warum? Dazu gleich mehr.

Eckdaten

Die Schule umfasst 194 Seiten und 153 Übungen. Sie ist wahlweise in gebundener Form oder als pdf-Datei für 30.- bzw. 15.- EUR erhältlich. Und beides ganz einfach online im Shop der Schreiber-Schule. Das ist wirklich ein innovativer Ansatz, und die eSchule gefällt mir sehr gut. Der Preis ist mehr als fair, und wer die Datei gekauft hat, kann selber entscheiden, ob er die Seiten mit einer Spiralbindung versehen oder lieber in einem Ordner verwahren möchte. Und sollte mal der Kaffee über ein paar Blätter verschüttet werden, kann man die Seiten bei der eSchule jederzeit neu ausdrucken. Viele Vorteile also für diese junge Darbietungsform von Dokumenten.

Zielgruppe

Die Schule richtet sich an Anfänger, die zum ersten Mal eine Klarinette in der Hand haben und begleitet sie auf ihrem Lernweg bis zu den höchsten Tönen des Instruments.
Natürlich ist es immer ratsam, ein neues Instrument zusammen mit einem guten Lehrer zu erlernen, der nicht nur Anleitung und Tipps geben, sondern auch Fehler frühzeitig entdecken und korrigieren kann. Sollte aber keine Möglichkeit für wöchentlichen Unterricht bestehen, kann man mit dieser Schule sicher auch längere Intervalle ohne Lehrer überbrücken.
Und ein Quereinsteiger von einem anderen Holzblasinstrument, vorzugsweise Saxophon, kommt mit der Schule sicher auch alleine recht weit.

Aber das ist höchstens ein Nebeneffekt, und in der weiteren Betrachtung soll es ausschließlich um Anfänger gehen.

Inhalte

Die Klarinettenschule von Bernd Schreiber kann man durchaus als “Rundum-Sorglos-Paket” bezeichnen. Man lernt nicht nur das Spiel mit der Klarinette, sondern auch gleich alles aus der Musiktheorie, was Noten auf einem Blatt Papier erst zu Musik werden lässt.
Eine Grifftabelle, Tonleiterstudien und der Quintenzirkel bilden den Abschluß der Schule. Diese Seiten kann man als Besitzer der eSchule leicht mehrfach ausdrucken, damit man an mehreren Stellen darauf  Zugriff hat.

Aufbau

Für die ersten Gehversuche auf der Klarinette werden lediglich die Finger der linken Hand benötigt. Und um keinen Schüler durch die vielen Klappen zu verschrecken, werden zunächst nur Löcher gedeckt. Wer möglicherweise vorher Blockflöte gelernt hat, bleibt in der bisherigen Welt und kann bereits die Töne c, d, e, fis und g spielen. Und die reichen aus, um 9 Seiten mit Stücken und Liedern zu füllen.

Das mag auf den ersten Blick langweilig erscheinen, ist es aber nicht. Denn zu den 5 Tönen lernt der Schüler gleich die Notenwerte, Dynamik, Tempoangaben und Taktarten kennen. Wenn man sich die Realität in vielen Musikkapellen betrachtet, kann man es nur begrüßen, wenn Klarinettenschüler schon in den ersten Wochen lernen, was p bedeutet und wie es gespielt wird. Denn in der Höhe zwischen c1 und g1 geht das ja auch noch ziemlich leicht.

Im nächsten Schritt werden die Finger der rechten Hand beschäftigt - ebenso wie vorher nur, um Löcher zu decken. Damit werden die Töne h, a und g möglich. Auf den folgenden Seiten wird mit dem erweiterten Tonumfang geübt. Gleichzeitig erfolgt die Vorstellung von crescendo und decrescendo und die Darstellung der Betonung bei den unterschiedlichen Taktarten.

Auf Seite 44 und vor dem 44. Stück werden die Griffe für f1 und a1 eingeführt, bei denen erstmals Klappen benutzt werden müssen. Die Töne werden einfach benötigt, um noch 4 weitere Stücke spielen zu können, werden aber erst später richtig eingeführt.

Bei den Stücken handelt es sich überwiegend um Volkslieder, die zweistimmig geschrieben sind. Damit soll einerseits das alte Liedgut bewahrt und andererseits die Möglichkeit zum Zusammenspiel gegeben werden. Dadurch wird auch das Ohr geschult, indem auf Intonation und den Spielpartner geachtet werden muss.

Bis Seite 50 sind die Stücke vom Tonumfang übrigens auch für Trompetenschüler geeignet, da sich diese am Anfang ebenfalls in diesem Bereich am wohlsten fühlen - auch wenn das g1 meist nicht von Anfang an problemlos erreicht wird.

Der nächste Schritt führt den Klarinettenschüler zum Überblasen. Ein Griff erhöht den Ton mit gedrückter Überblasklappe ja um eine Duodezime (= 12 Töne). Natürlich ist es nicht ganz alleine mit dem Drücken der Überblasklappe getan. Damit beide Töne schön klingen, muss gleichzeitig auch etwas mit der Atmung gearbeitet werden.

Für den Anfang wird das Überblasen vom g, a, h und c1 auf d2, e, fis und g einstudiert. Dazu findet der Schüler zunächst verschiedene Übungen und anschließend drei interessante, längere Stücke.

Wer aufmerksam beobachtet hat, hat gemerkt, dass die kleinen Finger bisher noch Pause hatten. Das ändert sich ab Seite 55, wo zunächst der rechte kleine Finger auf der Bühne erscheint. Mit Überblasen werden gleich 4 neue Töne möglich: f/c2 und e/h1. Nach einigen Fingerübungen folgen 9 Seiten mit Liedern und Stücken, die alles andere als langweilige Etüden oder Kinderliedchen sind.

Auf diesen Seiten wird auch bereits erklärt, wie manche Töne durch Abdecken der Löcher mit der rechten Hand besser klingen können. Es ist wichtig und lobenswert, auf diese Dinge bereits frühzeitig einzugehen, da es ja nicht nach dem Motto “Wir nehmen jedes Geräusch” gehen, sondern ein möglichst feiner Ton aus der Klarinette kommen soll.

Alle weiteren Griffe, die im weiteren Verlauf der Schule eingeführt werden, kommen paarweise mit und ohne Überblasklappe. Dabei werden auch gleich Hilfsgriffe und die #- und b-Variante von Tönen mit Vorzeichen dargestellt.

Und zwischen den Tönen und Übungen

Da gibt es auch noch einiges Interessantes zu lesen und zu lernen. Aufgelockert wird der Stoff durch historische Zitate, die nicht nur zum Schmunzeln anregen, sondern natürlich auch einen wahren Inhalt aufweisen. Und dann geht der Blick immer wieder über den Tellerrand des eigenen Lernens hinaus. So wird die Familie der Klarinetten ebenso vorgestellt wie bekannte Klarinettisten oder Klarinettenbauer.

Und das Komponistenhistorama mit Namen und Epochen ist nicht nur für Klarinettisten interessant.

Man merkt wirklich, dass Bernd Schneider sein Metier ausgezeichnet kennt. So geht er auf besondere Schwierigkeiten wie Registerwechsel oder manche Triller gesondert ein und gibt auch interessante Tipps, die ich beispielsweise von meinem Klarinettenlehrer nie gehört und zum Teil erst in jüngster Zeit in guten Fortbildungsseminaren gelernt habe: Wie wichtig es ist, dass immer Luft durch das Instrument strömt oder dass man bei Tonstudien auf- und abgehen soll.

Einige Beispielseiten und zusätzliche Erklärungen hat der Autor auf seiner Webseite zusammengestellt. Danach sollten alle Zweifel beseitigt sein und der Weg direkt in den Shop führen. Ich jedenfalls kann die Schule uneingeschränkt empfehlen.

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