Klarinettenchor der Deutschen Klarinetten-Gesellschaft

Geschrieben am 13.05.2009 von Marion in der Kategorie Instrumente

Wer hat schon mal was von einem Klarinettenchor oder einem Klarinettenorchester gehört? 30 und mehr Klarinetten aller Art auf einem Fleck? Ohne Blechbläser und ohne Streicher? Ja, das gibt es, und das klingt sogar sehr schön.

Trotzdem sind Klarinettenorchester hierzulande eher die Ausnahme. In Belgien allerdings ist das ganz anders, und von dort stammt auch ein Großteil der Noten für Klarinettenchöre. Teilweise handelt es sich um umgeschriebene Werke für Sinfonieorchester, teilweise aber auch um spezielle Kompositionen für Klarinettenorchester.

Die Deutsche Klarinetten-Gesellschaft gibt ihren Mitgliedern und interessierten Gästen 2- 3 Mal pro Jahr an wechselnden Orten die Möglichkeit, ein Wochenende lang im Klarinettenchor mitzuspielen.

Der harte Kern freut sich immer über das Wiedersehen, die Musiker aus dem gastgebenden Ort über die Bereicherung im musikalischen Leben.
Wer zu keiner der beiden Gruppen gehört, hat es nicht ganz leicht, denn die Organisation beschränkt sich auf ein Minimum. Bis zum Anmeldedatum ist nur der Termin bekannt. Danach gibt es einen Schwung Noten, die Uhrzeiten von Proben und Auftritten und die Adresse des Probenraums. Alles andere muss man sich selber besorgen und organisieren, vom Quartier über einen Stadtplan, das Üben, die Anfahrt, die vermutliche Auftrittsgarderobe und die Gestaltung der freien Zeit.

Wer diese Hürden meistert, erlebt aber durchaus ein interessantes Wochenende mit professioneller Probenarbeit. Auch wenn der Dirigent, Christof Hilger, immer wieder betont, er sei ja nur Bläser, hat er den Klarinettenchor wirklich souverän durch alle Proben und Auftritte geleitet, Feinheiten erarbeitet und seine Musiker motiviert, diszipliniert und auch gelobt.

Beim Treffen vom 8.-10.05.09 in Bamberg wurde Freitag abend und Samstag geprobt. Samstag abend wurde ein Kirchenkonzert gegeben, Sonntag vormittag der Saal der neuen Gaststätte beim Bauernhofmuseum eingeweiht. Die große Kirche stellte mit ihrer eigenen Akustik eine besondere Herausforderung dar, da es mitunter schwer war, die anderen Stimmen richtig zu hören.

Es hätten vor allem am Sonntag ein paar Zuhörer mehr sein können. An der Qualität der Musik lag es aber nicht, denn der Beifall war durchaus tosend und langanhaltend.

Interessant war der Blick auf die Mitgliederliste und die Autokennzeichen der Teilnehmer. Der Norden und die Mitte, besonders NRW und Hessen,  waren sehr stark vertreten. Aus Südbayern kam jedoch – von mir abgesehen – kein Teilnehmer. Ob das wohl an der Musik lag? Von Klarinettenmuckl keine Spur, stattdessen echte Klassik, Barock, Romantik, Komponist geboren Achtzehnhundertsoundsoviel…
Und neben den in der Blasmusik gängigen B- und Es-Klarinetten, den in sinfonischen Blasorchester bekannten Bass-Klarinetten gab es auch einige Raritäten zu bestaunen:

kontrabassklarinette Klarinettenchor der Deutschen Klarinetten Gesellschaft

bassethorn Klarinettenchor der Deutschen Klarinetten GesellschaftDie Kontrabassklarinette (links), klingt noch eine Oktave tiefer als die Bass-Klarinette. Die Rohrlänge beträgt übrigens 2,70 m – und wenn man gerade keine Lust hat, den Schallbecher aufzustecken, geht es auch ohne….schaut aber komisch aus.

Rechts ist ein Bassethorn gezeigt, das in der Probe immer dann zu spielen hatte, wenn die “Instrumente mit Schnorchel” gefragt waren. Es transponiert in F. Die meisten Griffe entsprechen allerdings der B-Klarinette – sofern es die jeweiligen Töne dort gibt.

Auch wenn die Teilnehmer überwiegend Laienmusiker waren, geht ihre Liebe zur Klarinette doch sehr weit. So weit, dass einige von ihnen Beträge für handgefertigte Klarinetten ausgeben, für die man leicht ein Mittelklasseauto bekommen könnte.
Wer das nicht kann oder will, hat zumindest die Chance, ein Wochenende lang so ein Liebhaberstück ausgeliehen zu bekommen…um es dann schweren Herzens wieder an den Instrumentenbauer zurückzugeben.

Wie klingt nun ein Klarinettenchor? Diese Frage lässt sich schwer beantworten, da allein schon die Literatur für meine Ohren ungewohnt war. Das Verflixte an diesen klassischen Stücken ist auch, dass die einzelnen Stimmen sehr unterschiedliche Rhythmen spielen, d.h. man muss genau zählen, sollte nicht “rausfliegen”, weil man kaum einen Punkt zum Wiedereinstieg findet und darf sich nicht iritieren lassen, wenn eine andere Stimme ganz was anderes spielt. Um sich daran richtig zu gewöhnen, war das eine Wochenende leider zu kurz.
Die “Schnorchel-Instrumente” jedenfalls bieten ein solides Fundament, das den Tuben und tiefen Blechen sehr gut das Wasser reichen kann. Die Es- und 1. Klarinette bieten dem stellenweise frech und laut Paroli.
Und die akribisch einstudierten Wechsel in der Dynamik tragen auf jeden Fall zu einem interessanten Klangerlebnis bei.

Wer also die Gelegenheit bekommt, in einem Klarinettenchor mitzuspielen oder ein Konzert eines Klarinettenorchesters zu besuchen, dem sei beides wärmstens empfohlen – nicht zuletzt, um den eigenen musikalischen Horizont zu erweitern.

2 Kommentare

  1. Warum nicht? Es muß ja nicht immer das “normale” sein und ein Klarinettenchor ist sicherlich überaus reizvoll für die Mitspieler wie auch die Zuhörer. Diejenigen Eltern, die sich für die Klarinette interessieren unter dem Aspekt, ob sie als Instrument für Ihr Kind in Frage kommt, können einmal beim Blog Musikinstrumente für Kinder vorbei schauen und sich über die wichtigsten Aspekte informieren,

    viele Grüße!
    Michael Doering

  2. Wie heißt es doch so schön unter Blechbläsern – am Besten klingen Klarinetten schön knisternd im Kamin … ;-)

    Nein, ich konnte das Konzert im Oktober 09 in Bamberg hören und fand es sehr schön, mal die Klaris alleine mit einem breiten Klangspektrum zu hören!
    Aber auch in der sinfonischen wie auch traditionellen Blasmusik bringen die Klaris einen wunderschönen Klang ein.

    Also Klaris, macht weiter so.

    Mit musikalischen Grüßen
    Jürgen

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