Vom guten Klang eines Blasorchesters

Geschrieben am 4.01.2012 von Marion in der Kategorie musikalische Leitung

Die Dirigenten des Musikbezirks Kitzbühel waren kürzlich zur Fortbildung mit dem Vorarlberger Landeskapellmeister Thomas Ludescher geladen. Und wir von der Musikkapelle Oberndorf waren am Nachmittag sozusagen „Versuchskaninchen“, um die gelehrte Theorie in der Praxis zu beweisen. Viel zu spielen gab es in Summe nicht, aber dafür umso mehr auch für uns zu hören und zu staunen.

Als erstes hat Thomas Ludescher die Sitzordnung in unserem neuen Probelokal begutachtet und unserem Kapelli eine gute Wahl bescheinigt. Wie sitzen die Register im Blasorchester richtig?

  • Die Querflöten gehören nach rechts (vom Dirigent aus gesehen). Sitzen sie links, sind sie immer zu laut.
  • Die Klarinetten müssen links sitzen – so wie die 1. Geigen im Sinfonieorchester oder die Solo-Kornette in der Brass Band – weil sie melodieführend sind. Wichtig ist auch, dass sie direkt an der Bühnenkante sitzen und nicht schräg in einer Flucht vom Dirigenten. Der Klang geht nämlich im Idealfall direkt von der Kante weg. Andernfalls kann es passieren, dass die Klarinetten nicht zu hören sind.
  • Die Saxophone haben den besten Platz auch am Außenrand, idealerweise in der Nähe der Flöten, weil beides Vibratoinstrumente sind, die gut zusammenpassen. Gibt es auch Oboisten und Fagottisten, gehören auch sie neben die Flötisten.
  • Die tiefen Bläser müssen in der Mitte sitzen und auf keinen Fall rechts. Auch die Pauken sind übrigens Bass-Instrumente und gehören in die Mitte.
  • Auch die sehr hohen Bläser wie Piccolo und Es-Klarinette gehören in die Mitte, weil sie laut sind.
  • Trompeten und Posaunen sitzen am besten in einer Reihe, sofern das vom Platz her möglich ist.

Die nächste spannende Frage war nun, wie sich der Klang des Orchesters verbessern lässt. Für den Choral, den wir im Tutti als Beispiel spielen mussen, gab es nämlich zunächst nur durchschnittliche Noten für den Klang. Der Klang wird am besten vom Großen zum Kleinen verbessert, so ließ Kapellmeister Ludescher wissen. Und so begann er seine Arbeit zunächst mit dem Holzregister. Hier galt es, einen Satz zu bilden, der in der kleinsten Einheit einen Choralsatz ergibt, also die vier Stimmen Sopran, Alt, Tenor und Bass abdeckt. Diese Regel gilt übrigens für das Zusammenspiel in jeglicher Besetzung.

Eine ganz wichtige Rolle kommt hier der Bass-Stimme zu. Eine Bass-Klarinette ist bei 9 B-Klarinetten eigentlich zu wenig, auch wenn viele Kapellmeister froh sein können, wenn sie überhaupt eine Bass-Klarinette in ihren Reihen haben. Sie muss also zumindest laut spielen, am besten aber durch andere Instrumente unterstützt werden. Denn mit wechselnder Lautstärke ändert sich oft auch die Klangfarbe. Dazu kommt noch, dass 10 unterschiedliche Klarinetten mit verschiedenen Blattsystemen von Haus aus verschiedene Klangfarben aufweisen.
Es gilt also für jedes Instrument herauszufinden, in welcher Lage es am besten klingt. Und genau dort sollte es sich die meiste Zeit bewegen. Hier werden die Musiker aber mit dem nächsten Problem konfrontiert. Viele Komponisten und Arrangeure kennen diese Lagen offenbar nicht und instrumentieren die Stücke falsch. So bleibt es die Aufgabe des Dirigenten, die Musiker anzuweisen, ihre Stimmen nach oben oder unten zu oktavieren. Für Bass-Klarinette und Tuba kann es also gerne eine Oktave nach unten gehen, um ein gutes Fundament zu bilden, das den Satz tragen kann.

Wenn die tiefen Register aufgebaut sind, kann es mit den hohen Stimmen weitergehen. Und wenn der Holzsatz steht, muss natürlich das Blechregister gut dazugemischt werden.
Diese Koordination der Stimmen und Instrumente kann nur vom Dirigenten kommen, da nur sein Standplatz ideal ist, um alle Stimmen und Instrumente zu hören. Außerdem liegt bei ihm die Entscheidung, wie das Orchester klingen soll.

Wichtig ist, dass sich alle Stimmen mischen müssen. Man darf die einzelnen Instrumente nicht heraushören, sollte es aber merken, wenn eins fehlt. Interessant waren die Übungen, in denen Thomas Ludescher Klarinetten und Saxophone gemischt und dann mit Flöten “verklebt” hat, die zum Teil in für Flöten ungewöhliche Tiefen oktavieren mussten. Wenn das doch der ein oder andere meiner frühere Musikmeister gehört hätte, die fest der Meinung waren “Flöte brauchen wir nicht, die hört man ja eh nicht”.

Wenn alle Stimmen richtig verteilt sind, stehen die Weichen zum guten Klang schon sehr gut. Wenn alle Musiker wissen, was sie tun müssen, können in jeder Probe Verbesserungen erwartet werden. Dann fehlt nur noch die gute Versorgung der Töne durch ausreichend Luft. Aber das ist ein anderes Thema für einen weiteren Blogbeitrag.

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