Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen läutet Advent in Brannenburg ein

Geschrieben am 30.11.2010 von Marion in der Kategorie Konzerte

Sie haben also tatsächlich Wort gehalten, die Musiker des Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen, und ihre Adventskonzertreihe in Brannenburg auch nach Schließung der dortigen Kaserne fortgesetzt. Der Dank waren eine vollbesetzte Kirche und reichlich Applaus für die verschiedenen Ensembles und das große Orchester. Beifall gab es aber auch wieder für den Pfarrer und seine Ankündigung, dass es auch am 30.11.11 wieder ein Aventskonzert mit dem Gebirgsmusikkorps geben soll.
Das Posaunen-Septett, das aber komischerweise aus 8 Posaunisten bestand, eröffnete das Konzert von der Orgelempore aus mit “Os justi”, einer Chormotette von Anton Bruckner. Ganz tief ging es los, wahrscheinlich mit maximal ausgestreckten Armen. Zwischendurch wurde die Tiefe durch solistische, höhere Passagen aufgelöst, bevor es wieder in den Keller ging. Es hörte sich zum Teil wie ein Wehklagen an, das zuweilen vom Versuch, in der Tiefe zu strahlen, abgelöst wurde.

Die nächste Musik spielte im Mittelgang am Tisch. Die Stubn-Musi mit Gitarre, Streichbass, Steirischer und Hackbrett hatte “Am Kachelofen” mitgebracht. Und das passte ganz wunderbar zu den 10 cm Neuschnee und -5°C, die rund um die Kirche herrschten. Etwas höher – nicht auf der Alm, sondern im Altarraum – folgte die Hüttn-Musi mit 2 Flügelhörnern, Posaune und Tuba. Ihr “Baumkirchner Jodler”, eine feine Bläserweise, zauberte ebenfalls wohlige Wärme in die Kirche.

Zwischen den beiden alpenländischen Besetzungen trat Dirigent Christian Prchal ans Mikrofon, begrüßte die Besucher und gab einen kleinen Ausblick auf die folgenden Stücke. Als ersten vorläufigen Schlusspunkt kündigte er “Die Säulen des Himmels” von Enrique Crespo für das Tuba-Sextett an. Die Tiefflieger aus dem Gebirge sozusagen, hier allerdings mit 4 Tuben und je einem Euphonium und Tenorhorn. Der Euphoniumbläser hatte die Führung und dirigierte auch die meiste Zeit – solange er seine linke Hand nicht am Instrument brauchte. Ob das allerdings alle seiner Kollegen hinter ihren großen Instrumenten und Notenständern gesehen haben? Ähnlich den Posaunen gab es auch hier einen Wettstreit, wer denn die tiefsten Töne blasen kann – so tief, dass der Boden förmlich bebte.

Mit dem Verklingen der Pedaltöne füllte sich der Altarraum mit dem ganzen Orchester. Der Musikerstrom wollte schier kein Ende nehmen und bedingt durch die räumliche Situation gab es ein paar Änderungen in der Sitzordnung. Komischerweise fehlten diesmal die schönen Notenpultbanner. Keine Änderung im Vergleich zum Sommer gab es am Dirigentenpult. Das war natürlich gut so, und ich hatte die größte Freude, Christian Prchals Gestik und Mimik aus der ersten Reihe zu beobachten.

Bei “Es wird scho glei dumpa” beeindruckte zunächst die Fingerarbeit. Ohne Taktstock hatte jeder Finger seine Aufgabe und Position, um die erste Strophe nur vom Holzregister gut zu Gehör zu bringen. Plötzlich gehen beide Arme nach hinten. Will der Dirigent für irgendwas Schwung holen? Ja, wollte er! Denn die Vorwärtsbewegung der Arme war das Zeichen für die Musiker, sich von den Stühlen zu erheben, zum Chor zu werden und die zweite Strophe in klarstem Gesang zum Besten zu geben. Zumindest mit den Lippen war der Dirigent bzw. nun Chorleiter mit dabei. Die dritte Strophe gab es dann instrumental im Tutti.

Beim Weihnachtskonzert von Arcangello Corelli war dann der Taktstock wieder mit dabei. Umso interessanter wurde der Gesichtsausdruck von Christian Prchal. Für mich haben seine Blicke folgendes ausgedrückt:

  • Motivation: “Ihr schafft das!”
  • Lob: “Ja, das war gut so!”
  • Professionalität: “Nicht mogeln, ich höre alles!”

Das ganze war noch gepaart mit einer Portion “Lausbub”, der sich auf Weihnachten freut und dem Coach, der bei Einsätzen mit seinen Schützlingen gemeinsam atmet. Ob ich nun richtig liege oder wild phantasiert habe? Es wäre interessant zu wissen. Auf jeden Fall haben Dirigent und Orchester bestens harmoniert und eine Einheit gebildet. Es war nicht nur ein Ohrenschmaus sondern auch ein Augenweide, und manche Führungskraft wäre schon um Welten besser, wenn sie sich hier auch nur ein Scheibchen abschneiden würde.

Als adventliche Kirchenmusik hatte Major Prchal das “Concerto Grosso Nr. 8″ angesagt. Eine Besonderheit waren dabei sicher die beiden Piccolo-Trompeten, die am Anfang und zwischendurch immer wieder schillern durften. Solo-Passagen gab es auch für die Klarinetten, Fagotte und Trompeten, wodurch abwechslungsreiche Stimmungen geboten wurden.

Mit der Weihnachtsgeschichte nach Udo Lindenberg sorgte die Flötistin und bewährte Geschichtenleserin Simone Steiner für Heiterkeit und eine Überleitung zur Moderne. Aus dem Konzert für Marimbaphon und Orchester von Alfred Reed wurde zwar der 1. Satz “Nocturne” gespielt. Aber es war keine ruhige und schon gar nicht die Heilige Nacht. Mit 2×2 Schlegeln brachte der Solist sein Instrument zum vibrieren, wurde von Holz und Blech abgelöst, bevor sein alleiniges Solo kam. Und dabei hätte man wirklich eine Stecknadel fallen hören, denn selbst Christian Prchal blätterte seine Noten fast andächtig um, damit ja kein Rascheln das Solo stören würde. Danach kehrte mit einem zarten Holzeinsatz und Abschluss aus dem Orchester die Nachtruhe ein.

Anschließend ging es nochmal in den Keller, diesmal aber mit dem Alphornruf. Und dieser warme, satte Sound war mein eindeutiger Liebling bei den “Kellerbläsern”. Nahtlos folgte der Übergang zu “Tochter Zion” wieder vom ganzen Orchester gespielt.

Und dann war es auch schon wieder Zeit für die Verabschiedung, die Christian Prchal wie alle anderen Moderationen nett, souverän und ohne Schwindelzettel vornahm. “Vom Himmel hoch” kündigte er als letztes Stück an. Auf einen Choral, bei dem die Trompeten glänzen durften, folgte eine Fugenbearbeitung mit einem interessanten Duett aus Piccolo-Trompete und Klarinette und das obligatorische Stück zum Mitsingen für die Konzertbesucher.

Und weil das so gut geklappt hatte, gab es mit “Oh du fröhliche” nochmal etwas zum Mitsingen für alle.

Das Konzert ist mal wieder wie im Flug vergangen, obwohl es doch eine Stunde und zwanzig Minuten lang war. Mehr kann man aber in kühlen Kirchen mit harten Bänken auch kaum verlangen.

Kommentar hinterlassen

Bitte füllen Sie die Felder mit * aus. Ihre Mailadresse wird im Blog nicht angezeigt.