Gebirgsmusikkorps begeistert unter neuem Dirigenten
Endlich hatte Petrus ein Einsehen mit den Rosenheimer Blasmusikfreunden und gönnte ihnen und dem Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen ein sonnig-warmes Sommerkonzert auf der Bühne der Landesgartenschau, auf der ja vorher die Musikkorps der Bundespolizei und der Bayerischen Polizei frieren mussten.
Eine Friedensbewegung hatte vorher durch das Verteilen von Flugblättern versucht, dem Gebirgsmusikkorps die Eignung für ein Wohltätigkeitskonzert abzusprechen, wodurch sich tatsächlich einige Besucher die Frage stellten, ob sie denn nun wieder nach Hause gehen sollten. Vielleicht war das auch der Grund, dass der Andrang bei weitem nicht so groß war wie bei anderen Konzerten auf der Landesgartenschau. Ewig schaden, denn das Orchester war wirklich Spitze.
Nichts dass seine Vorgänger schlecht gewesen wären, aber Christian Prchal ist für das Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen eindeutig ein Gewinn am Dirigentenpult. Er hat ganz klar unter Beweis gestellt, dass junger Schwung und Professionalität keine Gegensätze sind, sondern vielmehr auf und vor der Bühne für gute Laune sorgen können.
Zum Einblasen stand der König Ludwig II. Marsch mit einigen schönen Nebenmelodien auf dem Programm, denn erst danach wurde in den Reihen nach Vorgabe des Oboisten gestimmt. Vielleicht war es aber auch ein Nachstimmen als Tribut an die hohen Temperaturen.
Die “richtige” Eröffnung folgte mit einer südamerikanischen Konzertouvertüre mit dem Titel “Il Guarany”. Dabei hatte das Holzregister am meisten zu tun, erst mit einem sanften Einstieg, später auch kräftiger, dann aber auch wieder sanft, fast walzerähnlich.
Einen bunten Strauss an Melodien hatte Christian Prchal am Anfang versprochen - und über seinen Versprecher von der Bundes- statt der Landesgartenschau konnte er im Verlaufe seiner Moderationen selber immer wieder schmunzeln. Er führte frei, gekonnt und mit fallweiser Situationskomik durch das Programm, stellt die Stücke und Solisten vor und Analogien zum aktuellen Geschehen her.
Und so kündigte er das nachfolgende Stück als den kleinen Bruder des “Des großen Kurfürsten Reitermarsch” an, weil ebenfalls aus der Feder von Cuno Graf von Moltke, aber viel seltener gespielt. Und d
as sicher zu Unrecht, kann er doch durch seine slawischen Anklänge punkten. Die Rede ist vom Präsentiermarsch des Leib-Kürassier-Regiments “Großer Kurfürst”, der ähnlich langsam wie der große Bruder ist, aber viel leichter und beschwingter klingt. Regelrechte Tonwellen gehen durch das Orchester, garniert mit Trompetensignalen.
Generell klingen die Märsche des Gebirgsmusikkorps viel leichter, fast fröhlich-hüpfend. Das mag daran liegen, dass hier ja der Oboist auch die Lyra spielt und damit ganz vorne am Bühnenrand sitzt und nicht hinten beim Schlagzeug wie in anderen Orchestern.
Jan van der Roost hat ein 2-sätziges Stück namens “Puszta” komponiert, das den Dirigenten an Gulasch denken ließ. Feurig wurde es für die Flötistin mit der Piccolo, die einige rasante Läufe natürlich tadellos bewältigte.
Den Radetzky-Marsch kennt jeder. Aber was passiert, wenn er mit Ägyptischen Kamelen, Englischem Tee und einem Besuch beim Fußball-Weltmeister Spanien gemischt wird? Dann wird, dank Roland Kreid, “Euradetzky” draus und ein Aha-Erlebnis für das Publikum. Erst begann alles ja noch ganz normal. Aber dann wurde es plötzlich ein Walzer, eine spanische Fiesta und ein Czardas. Immer wieder setzten sich natürlich Passagen aus dem Original-Marsch durch, garniert mit neuen Nebenmelodien oder Läufen. Ein Anklang an die Pipes and Drums fehlte ebensowenig wie ein Schlagzeugsolo in diesem gelungenen Werk.
Eine kleine Verschnaufpause gönnte der Dirigent seinen Musikern mit dem nächsten Stück. Denn wenn gute Blaskapellen “Udo Jürgens live” spielen können, ist es für das Gebirgsmusikkorps sicher nur ein leichter Spaziergang. Für mich war es sehr interessant, die “Nervenkitzelstellen” von meinem früheren Orchester hier natürlich ganz richtig und völlig gelassen zu hören. Mit einem Ritardando beim Griechischen Wein hat sich das Gebirgsmusikkorps dann doch ein kleines bisschen von den anderen abgehoben….
“Von Bayern nach Tirol” sollte es im nächsten Stück gehen, wofür zunächst 7 Musiker von der Bühne gingen. Drei von ihnen stellten sich anschließend neben der Bühne mit den Alphörner auf, die vier anderen bildeten eine Weisenbläser-Partie. Die Alphörner begannen mit einem alpenländischen Stückl, wurden von den Weisenbläsern abgelöst, die das musikalische Staffelholz für einen Marsch auf die Bühne weitergaben. Beim Tiroler Adler kamen die Signale von den Weisenbläsern, der Rest vom Orchester. Die Regimentskinder folgten mit Pfeifeinlage, wobei die Piccolostimme wesentlich tiefer klang als die unleserlich hohen Noten, mit denen ich mich am Sonntag herumplagen musste….
Schließlich marschierten die Weisenbläser ein und spielten gemeinsam mit dem Orchester zu Ende.
Ein großer geografischer Sprung folgte anschließend mit dem amerikanischen Marsch “Unter dem Sternenbanner”. Aber so groß war er dann doch nicht, schließlich befindet sich das Gebirgsmusikkorps in Garmisch-Partenkirchen in enger Nachbarschaft zur amerikanischen Kaserne, woran der Marsch auch erinnern sollte.
Mich hat es an ein Konzert auf dem Marienplatz vor etlichen Jahren erinnert, und es war kein Fehler, den Fotoapparat startklar zu machen:
Und tatsächlich, im letzten Teil gab es wieder ein Solo für zwei (damals waren es noch drei) Piccolo-Flöten mit kleinem Einmarsch durch den Mittelgang und Spiel vor der Bühne.
“Annie - A symphonic panorama” folgte sozusagen als Mutmacher in schweren Zeiten. Es stammt aus einem Musical aus der Zeit des schwarzen Freitags und endet mit der Erkenntnis, dass es mehr im Leben gibt als 6-stellige Bankkonten.
Das war aber erst der Anfang des modernen Teils, der das Publikum mit einer Jam Session einer kleinen Dixie-Combo nach New Orleans entführen sollte - aber nicht nur das….
So war sich der Dirigent nicht zu schade, zunächst dem Posaunisten und dann sich selber kabarett-reif die Stirn zu trocknen - was allen Beteiligten sichtlich Spaß gemacht hat.

Auch der Schlagzeuger hatte hier die Möglichkeit, sich in der ersten Reihe zu präsentieren und auf die Finger schauen zu lassen, was ja sonst nicht üblich ist.
Interessant auch die Trommel, die von unten geschlagen wird - jedenfalls für Nicht-Schlagzeuger.
Die Show ging auch beim Abschlußstück weiter. Bei “Earth, Wind, Chicago & Co.”, einem Medley aus bekannten Songs von Earth, Wind and Fire, Chicago und Kool and the Gang, zeigten die Posaunisten und Trompeter eine kleine Choreografie mit ihren Instrumenten. Hoch, runter, rechts, links ging es abwechselnd, und man hatte wirklich den Eindruck, dass es ihnen mit jedem Mal noch besser gefiel und mehr Spaß machte.
Ganz “cool” auch die Schlußan- bzw. absage von Christian Prchal, begleitet von einem Schlagzeugsolo und landesspezifisch mit “Pfüat euch” garniert und der Schluß des Stücks mit einem gemeinschaftlichen “Hey”.
Klar, dass danach noch nicht Schluß sein konnte - zumal auch kein Gewitterwölkchen das Sommer-Open-Air zu stören wagte.
Standesgemäß sollte der Bayerische Defiliermarsch das letzte Stück sein, aber Christian Prchal musste auch noch den Kaiserjäger Marsch oben drauf legen - also nochmal von Bayern nach Tirol.
Es war ein rundum gelungenes Konzert, von der Stückeauswahl über die musikalische Leistung bis zur Moderation und Show - ein fettes Plus für und Lob nach Garmisch!



