Wie funktioniert eine Kirchenorgel?

Geschrieben am 10.08.2010 von Marion in der Kategorie Instrumente

Zugegeben, Kirchenorgel und Blasmusik passen auf den ersten Blick nicht zusammen. Aber da die Orgel mit Luft funktioniert, wird sie zu den Blasinstrumenten gezählt. Zudem gab es am Wochenende die Möglichkeit, hinter die Kulissen der Orgel in der Rosenheimer Erlöserkirche zu schauen. Die dabei gewonnenen Einblicke sind einfach zu interessant, als dass sie auf meiner Festplatte verstauben sollten.

Orgeln gibt es schon seit mehr als 2000 Jahren, d.h. schon vor Christi Geburt wurde Orgel gespielt. Die Orgel ist heute ein sehr vielseitiges Instrument, das mit der Liedbegleitung im Gottesdienst und gelegentlichen Orgelkonzerten eigentlich unterfordert ist. Mit ihren vielen Pfeifen und Registern kann die Orgel leicht ein ganzes Orchester ersetzen. Aber nicht nur Barock und Klassik sind für die Orgel geeignet, auch modernere Stücke klingen wunderbar, ob nun französische Tänze mit Musette-Klang oder ein Schlager wie “The Entertainer”. Die Frage ist nur, wie modern ein Orgelkonzert in der Kirche werden dürfte, da es ja kaum eine Kirche ohne Orgel aber nur wenige Konzertsäle mit Orgel gibt.

Aber schauen wir nun in das Innere der Orgel:

orgel spieltisch Wie funktioniert eine Kirchenorgel?

Hier die geöffnete Rückseite des Spieltisches, der ersten Station vom Organisten zum klingenden Ton. Bewegungen der Manuale oder Pedale werden hier mechanisch weitergeleitet.

orgel windlade Wie funktioniert eine Kirchenorgel?

Gegenüber vom Spieltisch befindet sich die Traktur und darüber die Windlade mit den Orgelpfeifen.

Blickt man durch den Schweller, dann sieht man die kleineren der versammelten Orgelpfeifen im Hintergrund stehen.

orgel schweller Wie funktioniert eine Kirchenorgel?

Der Schwellkasten lässt sich ganz einfach verschließen und wirkt dann sozusagen wie ein Schalldämpfer: Schweller zu – Ton gedämpfter, Schweller offen – Ton voll und kräftig. Dies ist nämlich die einzige Möglichkeit, Lautstärkenänderungen an der Orgel zu erzielen.

Die einzelnen Töne entstehen logischerweise in den Pfeifen, bei denen man zwei unterschiedliche Typen unterscheidet. Optisch schöner sind die silbernen Labialpfeifen, die man vom Orgelprospekt kennt und die dort auch gewissermaßen “Eindruck” schinden sollen.

orgel pfeife Wie funktioniert eine Kirchenorgel?Hier eine der Labialpfeifen, bei denen der Ton ähnlich wie bei der Blockflöte entsteht. Bläst man in eine solche Pfeife von unten hinein, kann man durchaus einen Ton erzeugen, den man kaum von dem der Orgel unterscheiden kann.

Der Ton der kleinsten Labialpfeife, die gerade mal so dick wie ein Kugelschreiber ist, hört sich solistisch allerdings nicht mehr so toll an, denn er ist ziemlich hoch und schrill.

Aber bei 56 Tönen pro Register muss es ja dominantere, hörenswertere und begleitende Töne geben.

Die zweite Gruppe der Orgelpfeifen besteht aus den Lingualpfeifen. Hier entsteht der Ton genauso wie bei einer Klarinette oder einem Saxophon, weil bei allen ein Blättchen in Schwingung versetzt wird und den Ton erzeugt.

Die Lingualpfeifen sind etwas komplizierter gebaut und bestehen aus zwei Teilen. Das Blättchen ist dabei im unteren Teil zu finden, den der Organist natürlich abnehmen kann, um das Innenleben zu zeigen.

orgel lingualpfeife ganz Wie funktioniert eine Kirchenorgel?orgel lingualpfeife Wie funktioniert eine Kirchenorgel?

Es  befindet sich links oberhalb des goldenen Stifts.

Orgelpfeifen sind – nach Aussagen eines Organisten – sehr temperaturempfindlich. Wenn beispielsweise ein Duett Trompete und Orgel im Winter gespielt wird, werden sich die Musiker bei einer ganz anderen Frequenz wieder finden als im Sommer.

Die beste Orgel taugt natürlich nichts ohne einen guten Organisten. Er muss nicht nur mit Händen und Füßen aktiv sein, sondern auch eine anspruchsvolle koordinative Aufgabe verrichten. Die einzige Unterstützung, die er bekommen kann, ist ein Helfer, der für ihn im richtigen Moment die Noten umblättert.

Theoretisch können auch noch Erwachsene das Orgelspiel lernen, wenn sie mit Grundkenntnissen vom Klavier kommen. Aber einfach ist es nicht, und nicht jedem, der Orgel lernen möchte, ist auch tatsächlich der Erfolg vergönnt.
Wichtig ist natürlich auch die volle Beweglichkeit von Händen und Füßen.

So berichtete kürzlich ein Organist, der sich beim Skifahren den Fuß gebrochen hatte, dass er auch Monate danach bei bestimmten Passagen noch immer sehr leiden würde…

Kommentar hinterlassen

Bitte füllen Sie die Felder mit * aus. Ihre Mailadresse wird im Blog nicht angezeigt.