Frauen in der Blasmusik

Geschrieben am 26.07.2009 von Marion in der Kategorie Allgemeines

Die Bayerischen Klangperlen haben ihre ersten 7 Monate heute mit einem Kurkonzert in Bad Feilnbach abgeschlossen. Das ist eine gute Gelegenheit für ein Resumee und einige Gedanken zu Frauen in der Blasmusik.

kurkonzert feilnbach Frauen in der Blasmusik

26 Klangperlen, 4 Klangkerle und ein Dirigent zeigten sich bei Kaiserwetter von ihrer besten Seite und begeisterten die zahlreichen Zuhörer mit klassischen und modernen Perlen der Blasmusik. Es soll nicht selbstlobend klingen, aber in den 7 Monaten wurde musikalisch sehr viel erreicht. Einen großen Anteil daran hat natürlich der Dirigent, der in unermüdlicher Probenarbeit an Details gefeilt hat, um das vorhandene musikalische Potenzial in den Klangperlen zur Entfaltung zu bringen.
Alles Paletti also, den Klangperlen gehört die Zukunft? Neja, nicht ganz. Denn auch wir müssen gewisse Gegebenheiten akzeptieren und einen Weg finden, damit zu leben. Aus folgenden Gründen ist es nicht so einfach, ein Damenblasorchester aufzustellen:

Instrumentenverteilung

Mädchen und Frauen spielen Holzblasinstrumente. Als ich im zarten Alter von 9 Jahren bei der Aufnahme in die Jugendmusikschule gefragt wurde, welches Instrument ich spielen möchte, lautete meine Antwort “Trompete”. “Nein, du bist ein Mädchen, du lernst Klarinette”, war die Antwort, die ich darauf bekam. Dass das kein Einzelfall war, sieht man an der recht guten Ausstattung der Klangperlen mit Querflöten, Klarinetten und Saxophonen. Und dass Frauen im Blech und Schlagzeug auch anderswo dünn gesäht sind, zeigt sich immer wieder beim Blick in andere Kapellen. Warum das so ist? Ich kann es mir nicht erklären. Denn wenn Blechblasinstrumente nur was für “starke Männer” wären, müsste mit den in der Militärmusik häufig anzutreffenden Flötisten ja irgendwie falsch gelaufen sein.

Rolle der Frau

Auch wenn sich in Sachen Emanzipation schon einiges getan hat, unterscheidet sich das Rollenverständnis von Frauen noch immer von dem der Männer. Frauen sind offenbar noch immer mehr in der Familie eingebunden und weniger frei, zumindest zeitweise eigene Wege zu gehen. Ich habe es schon öfter erlebt, dass die (Ehe-)Männer unbehelligt weiter Musik spielen konnten, während die Frauen aussteigen mussten, um sich um die Kinder zu kümmern. Und wenn da über 20 Frauen gemeinsame Sache machen, erregt das möglicherweise erst recht das Misstrauen der Männer und Partner.

Frauen spielen auch sonst oft die 2. Geige – d.h. in gemischten Kapellen findet man überwiegend Männer in den dominanten Stimmen. Und wenn ein Solo zu vergeben ist, darf es nur dann eine Frau spielen, wenn sie um ein Vielfaches besser ist als ihre männlichen Kollegen. Ähnlich ist es ja auch in der Berufswelt, d.h. viele Frauen schwimmen einfach mit und erkennen gar nicht die Chance, die ihnen bei den Klangperlen geboten wird.

Zickenkrieg

Der soll angeblich entstehen, wenn mehrere Frauen irgendwas zusammen tun sollen. Dieses Vorurteil habe ich auch in Bezug auf die Klangperlen mehr als ein Mal gehört. Aber wenn Frauen wirklich ein gemeinsames Ziel erreichen wollen, können sie das!

Frauen können nämlich sehr viel mehr als man (Mann?) oft glaubt. So gab es vor kurzem in Ö3 ein Quiz, in dem innerhalb von 30 Sekunden 5 knifflige (Fang-)Fragen beantwortet werden mussten (z.B. Wieviele Tiere nahm Moses mit in die Arche?). Alle 5 ausgelobten Autos wurden von Frauen gewonnen. Und auch in der Millionen-Show im ORF haben bisher ausschließlich Frauen die Million gewonnen. Psychologen haben dann erklärt, dass das kein Zufall ist, sondern dass Frauen ganzheitlicher denken können, schneller sind und über ein Anti-Stress-Hormon verfügen, dass ihnen in schwierigen Situation und unter Zeitdruck klares Denken ermöglicht.

Es wäre also dumm, dieses Potenzial nicht zu nutzen.

Leider hat die Zeit aber gezeigt, dass nicht alles, was dumm ist, unterlassen wird. Und so konnten sich die Klangperlen leider doch nicht als Damenblasorchester etablieren.

2 Kommentare

  1. hallo marion,

    klasse gemacht dein artikel, männer an die tasten und tastaturen – auf zu den klangperlen!
    ;-)

    dirk

  2. Hallo Frauen von den Klangperlen,

    ein Gruß aus Berlin vom Frauenblasorchester Berlin, welches mit 64 Frauen an allen üblichen Blasinstrumenten aufgestellt ist und von mir, einer Frau, geleitet wird.
    http://www.frauenblasorchester-berlin.de

    Mein Appell an Euch: Bleibt dran! Es wird sich mit der Zeit ändern und Ihr seid eine der Vorreiterinnen in Sachen, Frauen können alle Instrumente spielen…auch die Tuba und das Schlagzeug!
    Laßt Eure Töchter diese Instrumente lernen und baut Nachwuchs auf.

    Wir haben inzwischen ein zweites Orchester “Berlinnerinnen an #olz& blech” gegründet, welches auch schon eine Spielstärke von über 30 Frauen hat. Klar, auch wir brauchen länger das tiefe Blech zu besetzen, aber es gibt sie, die Frauen an der Tuba und am Bariton.
    Übrigens stehen Frauen im Dirigat auch Männern in keinster Weise nach :-)

    Also, macht weiter!

    Schade, schade, meine Kommentar kommt zu spät, Eure Domain steht zum Verkauf…
    Vielleicht lest ihr trotzdem meinen Kommentar und startet nochmal einen Versuch…

    Herzliche Grüße vom Frauenblasorchester Berlin (in Vorbereitung auf den nächsten Auftritt
    im Kammermusiksaal der Philharmonie Berlin) und seiner Dirigentin Astrid Graf

Kommentar hinterlassen

Bitte füllen Sie die Felder mit * aus. Ihre Mailadresse wird im Blog nicht angezeigt.