Fortbildung für Blasmusiker und Ausbildung zum Dirigenten

Geschrieben am 10.03.2010 von Marion in der Kategorie Weiterbildung

Die Klangwerkstatt von Thomas Wieser ist offenbar noch immer ein Insider-Tipp in Musikerkreisen. Das ist gut für die Teilnehmer, die dadurch in kleinstem Kreis eine individuelle Betreuung durch hochkarätige Dozenten genießen können. Es ist aber auch schade für die Klangwerkstatt, denn angesichts der Qualität müssten die Kurse und Workshops längst aus allen Nähten platzen.

Die Klangwerkstatt gibt es seit 2007. Sie besteht inzwischen aus drei Säulen, die teilweise parallel geführt werden. Und natürlich wird das Angebot immer breiter.

Dirigentenausbildung

“Lernen zuzuhören” und “optimieren statt kritisieren” sind die Leitideen von Thomas Wieser, für den das Wissen um den Klang höchste Priorität hat. Er verfolgt bei der Ausbildung der Dirigenten einen ganzheitlichen Ansatz, bei dem seine “Schüler” unter anderem alle Instrumente des Orchesters kennenlernen müssen. Denn nur wenn man um die Eigenheiten der Instrumente weiß, kann man als Dirigent entsprechend damit umgehen. Thomas Wieser, selber studierter Posaunist und erfolgreicher Dirigent, dem heuer mit seinem Musikverein Breitenthal die Ehre zuteil wird, ein Promenadenkonzert in Innsbruck spielen zu dürfen, weiß natürlich, wovon er redet und kann viel gutes Wissen weitergeben. Interessant war auch seine Aussage, dass er ein Orchester nur wenige Minuten hören muss, um zu sagen, welches Instrument der Dirigent spielt.

Die Dirigentenausbildung setzt sich also aus Bausteinen der Klangkunde und der Instrumentenkunde zusammen. Und letzteres ist das Bindeglied zur zweiten Säule der Klangwerkstatt.

Instrumentalworkshops

Für jedes Instrument im Blasorchester ist ein Wochenende reserviert, an dem ein hochkarätiger Dozent das Instrument in Theorie und Praxis vorstellt. Die Instrumentalisten können sich für eine aktive oder passive Teilnahme anmelden. Und eine gute Stunde stoßen dann auch die angehenden Dirigenten dazu, um die “Basics” des jeweiligen Instruments kennenzulernen.

Ich habe im vergangenen Jahr als erstes den Klarinetten-Workshop mit Frank Strodel besucht. “Luft ins Rohr”, war eine seiner prägenden Aussagen, da die Luft die Klangfarbe des Tons bestimmt.

Die Begeisterung hat mich etwas später dann zum Querflöten-Workshop mit Heike Wieser getrieben, aus dem ich mit neuen Erkenntnissen zum Ansatz und für einen noch schöneren Ton herausgegangen bin.

Und als Multi-Instrumentalist hatte ich am vergangenen Wochenende dann noch die Chance, am Blechbläserworkshop mit Prof. Wolfgang Guggenberger teilzunehmen. Mit 5 bzw. 4 Teilnehmern war es der am schlechtesten besuchte, aber somit auch für alle Teilnehmer effektivste Kurs. Auch hier hat sich alles um die Luft gedreht, die natürlich auch gleichmäßig durch die Trompete fließen muss, wenn ein schöner Ton erklingen soll.
Eigentlich ist alles ja ganz einfach, denn Atmen kann jeder. Aber sobald man anfängt, sich Gedanken über Details zu machen, wird es kompliziert und auch oft falsch. Folglich haben wir an Hand von einfachen Übungen und Vergleichen gelernt, uns die optimale Atmung für das Spiel mit der Trompete oder natürlich jedem anderen Blechblasinstrument anzueignen.

Spezialworkshops

Über das Jahr findet man noch weitere Workshops in der Klangwerkstatt, die sich mit vielen anderen Themen beschäftigen, die für einzelne Personen im Orchester interessant sein können. Das mögen Vereinsrecht, Moderation, Komponieren, Rhythmusschulung, Intonation oder der Besuch beim Musikverlag sein.

Fazit

Ich kann die Kurse in der Klangwerkstatt wärmstens empfehlen. Ganz gleich, welchen Leistungsstand man am jeweiligen Instrument aufweisen kann: es gibt immer etwas Neues zu lernen und zu erfahren. Und auch als Anfänger braucht man keine Angst zu haben, dass man ausgelacht wird. Das könnte nämlich einer der möglichen Gründe sein, warum nur wenige Musiker den Weg in die Klangwerkstatt finden.

Oder ist es die Meinung, dass man eh schon alles kann, nachdem man ja jahrelang Musikunterricht hatte und in der Blaskapelle spielt? Das ist ein Irrglauben, denn spielen, gut spielen oder schön spielen sind durchaus mehrere Paar Schuh.
“Lifelong learning”, das sollte für jeden in seinem Beruf gelten, auch wenn der Beruf “Musiker” lautet. Und ein Scheibchen kann man sich durchaus für sein Hobby auch abschneiden und hier und da zu einer musikalischen Fortbildung aufbrechen.

Die Kurse der Klangwerkstatt finden übrigens in Roggenburg, in der Nähe von Ulm und Günzburg statt. Also, einfach mal das Programm studieren, ein paar Musikkollegen animieren und ab in die Klangwerkstatt!

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