Festkonzert des Grassauer Blechbläser Ensembles
30 Jahre ist es nun alt, das Grassauer Blechbläser Ensemble. Hans-Josef Crump hatte seinerzeit mit 3 Posaunisten zur Vorbereitung auf “Jugend musiziert” den Grundstein gelegt. Und er ließ es sich nicht nehmen, seine Reiselust als Pensionist an das Jubiläum anzupassen, zwischen Australien und Marokko Zwischenstopp in der Heimat zu machen und auch einige Stücke des Festkonzerts mitzuspielen.
An gutem Blechbläsernachwuchs mangelt es in Grassau nicht, und so tummelten sich bis zu 13 Musiker auf der Bühne im Innenhof von Schloß Amerang - wo es zum Teil schon recht eng wurde. Kein Wunder, denn neben den Musikern wurde auch alles an Instrumenten aufgeboten, was von Blechbläsern zum Klingen gebracht werden kann. Wobei die Hochblech-Bläser mal wieder den größten “Instrumenten-Zoo” zu bieten hatten.

Eröffnet wurde das Konzert mit einer Welt-Uraufführung, dem “Intermezzo per Ottoni” von Hans Kröll. Die darin enthaltene Acht ergab sich aus 4 Barockposaunen auf der Bühne und 4 Barocktrompeten auf der 1. Arkade. Pauke und Tamburin sind bei der Zählung wohl untergegangen….
Barockposaunen schauen recht interessant aus, fast ein wenig zerbrechlich mit ihren schmalen Schallbechern. Sie haben aber zumindest Züge, während die Naturtrompeten im Barock ja noch keine Ventile aufwiesen. Aber die Grassauer Profimusiker beherrschen natürlich auch diese Instrumentenvarianten.
An die Wurzeln der Blechbläserei führte auch das zweite Stück aus der Feder von Franz Kanefzky, dem Hornisten des Münchner Rundfunkorchesters. “In prinzipio errat”, d.h. “Am Anfang war”, wie Moderatorin Sabine Sauer erklärte. Ja, und womit beginnt jeder Ton auf dem (Blech-)Blasinstrument? Mit dem Atem! Und so stellten sich die Musiker auch zunächst mit dem Rücken zum Publikum auf, drehten sich dann um und machten gemeinsam einige hörbare Atemzüge - so wie sie es vermutlich auch im Unterricht ihren Schülern beibringen. Danach folgten die Instrumente, die “nur” Naturtöne erzeugen können, nämlich die Alphörner und das Naturhorn. Sie wurden dann in der Musikgeschichte und auch auf der Bühne von den Ventilinstrumenten abgelöst, so dass 4 Posaunen, 4 Trompeten, 2 Waldhörner und eine Tuba das Stück zu Ende spielten.
Die Sinfonie aus
“The Fairy Queen” von H. Purcell folgte als nächstes Stück. Peter Gassner wechselte hierzu wieder von der Tuba hinter die Pauken in der Nische - so wie es zwischen allen Stücken einen regen Wechsel von Positionen und Instrumenten auf der Bühe gab.
Dieses Stück wies mehrere Teile auf, die das ganze Klangspektrum von fanfarenartig bis getragen zeigte.
Mit zauberhaften Wesen ging es beim nächsten Stück weiter. Aus Mendelssohn-Bartoldys Sommer-nachstraum wurde “Der Elfenspuk” als Solo für Waldhorn mit Christian Loferer angekündigt. Und bei der Musik konnte man sich die Elfen wahrhaftig vorstellen. Mit einem sanften Wechsel zwischen Waldhorn und Tiefblech tauchte die “Oberelfe” auf. 2 weitere Elfen am Hochblech wurden dadurch wohl geweckt, blinzelten zunächst kurz und wurden dann mit den beiden anderen Trompeten wach und gesellten sich zur Schar der Elfen dazu. So tanzten die Elfen musikalisch munter über die Bühne. Zum Ende des Spuks wurde es wieder sanfter, die Elfen müde und die Töne mit Dämpfer gedeckter - bis der Spuk aus war.
Musik aus Russland wurde als eine Spezialität der Grassauer Blechbläser genannt und natürlich auch vorgeführt. Den Anfang machte die Serenade Opus 48 von P. Tschaikowsy, eigentlich für Streichinstrumente geschrieben, aber von Hans Kröll für die Blechbläser adaptiert. Es ging mit einem breiten Fundament aus den Posaunen los, in das sich die Trompeten langsam einklinkten. Offensichtlich gab es im Stück einige Tempowechsel, denn Wolfgang Diem wurde zwischendurch immer mal wieder kurz zum Dirigent des Ensembles. Beeindruckend waren wilde Läufe, die mal von links von den Posaunen, mal von rechts von den Trompeten kamen. Zum Schluß kehrte wieder Ruhe ein, das Stück endete harmonisch. Und der Arrangeur hatte mit der Piccolo-Trompete den letzten Ton.
Zum Abschluß des ersten Teils des Konzerts kam ein bekanntes russisches Stück auf die Notenpulte, der “Second Waltz” von D. Shostakowitsch. Und er begann mit einem gespielten Witz, in dem sich nämlich die beiden Trompeter Hans Kröll und Matthias Linke in der Mitte als Solisten positionieren wollten. Aber in diesem Walzer führten eindeutig die Familie der Posaunen, was den beiden Trompetern rasch klar gemacht wurde. Das vier Mal wiederkehrende Motiv wurde jeweils von einem der Posaunisten übernommen. Johann Schmuck führte uns mit seiner riesigen Kontrabassposaune in den tiefsten Keller und kniete sich entsprechend auch hin. Wolfgang Diem klang dafür mit seiner kleinen Altposaune schon fast wie ein Hochblech.
Die Pause, in der die Musiker die Fräcke mit den weinroten Fliegen und Schärpen gegen schwarz/schwarz mit orangefarbener Krawatte tauschten, dauerte um einiges länger als geplant, da sich die Bühnenbeleuchtung kurzerhand verabschiedet hatte. Zunächst konnte man noch denken, es wäre Absicht, dass 3 Trompeter von der halbdunklen Bühne mit dem Signal aus dem “Einzug der Gäste auf die Wartburg” um den Einzug der Gäste in den Schloßhof bitten würden. Aber dann wurde klar, dass es sich tatsächlich um ein technisches Problem handelte, dass sich auf die Schnelle nicht beheben ließ.
Aber die Profis liessen sich davon nicht beirren, packten die Notenpultlämpchen aus und spielten kurz und flott das Stück “Grassauer Zwiefacher”.
Auch das Posaunen-Quintett musste “Fly me to the moon” in schummriger Beleuchtung zum Besten geben - passend wohl zur geringen Helligkeit des sichelförmigen Mondes, der über Schloss Amerang am Himmel hing.
Es folgte eine lange Reise durch die Welt des Films, die Hans Kröll für die Grassauer Blechbläser zusammengestellt hatte. Vom Breakfast at Tiffany’s über den Baby Elephant Walk mit Flatterzunge und handgedämpften Trompeten bis hin zu Scharade waren etliche Filmklassiker vertreten.
Die Reise ging anschließend weiter nach Spanien. “Granada” mit Matthias Linke als Stier an der Trompete wurde von Sabine Sauer angekündigt. Dem sonnigen Süden entsprechend wurde es nun mit einem zusätzlich aufgestellten Strahler schon ein wenig heller. Und dann ging es los in der Arena - in die höchsten Höhen zunächst, die mit der Trompete erreichbar sind, und dann zur bekannten Melodie. Aber nicht nur der Solist hatte viel zu tun. Auch für die Posaunisten war viel Armarbeit angesagt - so viel, dass Wolfgang Diem ganz außen schauen musste, genug Platz für seinen Zug zu haben und den Notenständer nicht umzuwerfen. Und Matthias Linke kann nicht nur mit der Trompete zaubern, sondern er konnte auch die Beleuchtung bezirzen, ihn zum Schlußakkord ins rechte Licht zu rücken.
Damit war die Beleuchtung also wieder dem Festkonzert würdig. Und Johann B.(assposaune) Schmuck konnte sein Solostück “Despite all Spirits” gut beleuchtet präsentieren.

“Hora Staccato” ist ein rumänischer Volkstanz, der von G. Dinicu für Streicher geschrieben wurde. Aber Hans Kröll hatte auch dieses Stück für Blechbläser umgeschrieben und präsentierte es als Solist an der Trompete. Einen langsamen Walzer hatte er sich damit nicht ausgesucht, denn es war wirklich ein wilder Tanz durch alle Höhenlagen auf der Trompete.
“Musik von Herz zu Herz geben”, “Musik mit Qualität in allen Richtungen bieten” und das “im richtigen Ambiente”, so definierte Wolfgang Diem die Ambitionen der Grassauer Blechbläser. Und das war ihnen natürlich mit ihrem Festkonzert so großartig gelungen, dass sie ohne Zugaben nicht von der Bühne entlassen wurden.
Der “Jägerchor” aus dem Freischütz war als Solo für 2 Waldhörner die erste Zugabe. Der warme Klang der Waldhörner konnte verzaubern, und man sah die Jagdgesellschaft förmlich vor dem inneren Auge erscheinen. Der letzte Ton gehörte aber auch hier erneut der kleinen, frechen Piccolo-Trompete.
Als allerletztes Stück erklang dann noch eine Zugabe, die die Grassauer früher gerne gespielt hatten: “Guten Abend, gut’ Nacht”, in dem die Posaunen wie Alphörner und die Trompeten wie Klarinetten klangen…zumindest zeitweise.
Es war ein langer, schöner Konzertabend. Und die Freunde und Fans der Grassauer Blechbläser treffen sich sicher zum Almkonzert zu Sonnwend am 20.6. auf den Grassauer Almen - auch wenn die Bläser gerade eine Brasilienreise vorbereiten und sich ein Konzert im Markusdom wünschen würden.



