Feines Kirchenkonzert von Bozen Brass in Nussdorf/Inn
Ein kleines, aber feines Kirchenkonzert hat das Bozen Brass Quintet am gestrigen Freitag in Nussdorf/Inn gespielt. Leider war die Kirche nicht ganz gefüllt, aber die anwesenden Zuhörer werden vielen erzählen, dass sie wirklich ein tolles Konzert versäumt haben. Wie immer hätte es gerne viel länger sein können. Aber die Kirche war eisig kalt, so dass das Sitzen irgendwann doch eher unangenehm wurde. Warm war es nur beim Tubisten, der genau über dem Heizungsschacht stand, während die Kälte seinen Kollegen zuweilen auch bei den Instrumenten zu schaffen machte.
Wie immer stand vor dem Konzert eine Anspielprobe, die allerdings recht kurz war, weil vor dem Konzert noch ein Gottesdienst stattfand. Neben der Kälte war hier auch noch die Dunkelheit zu überwinden, denn die Beleuchtung im Altarraum war noch nicht in Betrieb. Also galt es im Halbdunkeln ein Programm zusammenzustellen und die Noten zu sortieren. Das Thema war aber rasch erledigt, und das Programm notiert.

Denn die Bozen Brasser sind ja Profis genug, auch aus Einschränkungen das Beste zu machen. Zum Aufwärmen der Lippen braucht man sowieso kein Licht, und beim gemeinsamen Einspielen wurde improvisiert. Robert Neumair hatte die Leitung und zunächst nur Tonarten angesagt. Was dabei herauskam, glich schon fast einem Choral oder Chorälen mit Variationen. Aber Robert legte natürlich noch nach. Zu den Tonarten kamen Rhythmen, die er einmal kurz vorsang, dann “spielen” – und alle taten es. Und das waren keine banalen Viertel- oder Achtelkombinationen, sondern durchaus die Anfänge einer Jam-Session.
Bei den ganz komplizierten Rhythmen wurde zuerst gemeinsam gesungen, bevor es an die Instrumente ging. Voller Einsatz also, an dem sicher auch das Christuskind in der Krippe vor dem Altar seine Freude hatte.

Danach folgte noch ein kurzer Flug durch ein paar Passagen der Stücke, die für das Programm in Frage kamen. Ein bisschen Galaxy, ein paar Takte Spain, Einleitung Chicken, alles auswendig – Profis halt!
Dann schnell Notenständer und Taschen wegräumen, den Altarraum für die Messe freigeben und auf ein Süppchen zum Wirt. Kurz drauf zurück in die Kirche, tausche Jeans gegen schwarzen Anzug, ein kurzes Anspielen in der Sakristei, und dann ging es auch schon los – wie gewohnt mit Nexus, der Eröffnungsfanfare.
Es zeigt sich kurz das übliche Problem: Darf man in der Kirche klatschen? Die Antwort lautete aber sehr schnell “Ja”, denn Bozen Brass begeisterte so sehr, dass man an der Stärke des Beifalls hätte denken können, dass einige hundert Besucher da sind.
Der Kirche und der noch weihnachtlichen Dekoration entsprechend wurden die klassischeren Stücke aus dem ersten Teil des aktuellen Konzertprogramms “Black Or White” ausgewählt und durch ein paar Goodies ergänzt. “Can She excuse my wrongs” und die “Partita in B” folgten. Das Katzenduett aus Black Or White wurde durch “Irish Blessing” ersetzt, bevor Bozen Brass mit “Verdissimo” viel Bewunderung und Beifall erntete.
Die beiden Trompeter, Robert Neumair und Anton Ludwig Wilhalm hatten am meisten mit dem ständigen Wechsel ihrer Instrumente zu tun, B-Trompete, C-Trompete, Piccolo, Flügelhorn – und alles sollte einigermaßen warm sein, der Stimmung wegen. Und wer meint, Trompeter hätten es gemütlich mit nur 3 Ventilen, wurde bei genauerem Hinsehen eines Besseren belehrt: flinke Finger, die sich so schnell und geschmeidig bewegten wie die Zunge einer Schlange, sind mir da aufgefallen…
Weil ja Weihnachten noch nicht so lange vorbei war, kamen auch zwei weihnachtliche Weisen ins Programm. Den Anfang machte “Biable, Liabele”, eine Gänsehautnummer von Robert Neumair an der “Ziachorgel”. Ganz alleine stand er im Dunklen am Ende der Kirche, während die Kollegen vorne mit höchster Andacht die Blicke schweifen liessen und lauschten. Oder waren sie in Gedanken mit dem Biabele unter dem Christbaum? Liab auf jeden Fall.
“Der Winter isch do”, so der Titel der zweiten Weise aus der Feder von Robert Neumair, bei dem die beiden Flügelhörner die Ohren verwöhnten.
Die beiden Hochblech-Bläser hatten auch bei “Denn er hat seinen Engeln” von Mendelssohn die Führung und schwebten als Engel über den Kollegen, die den Klangteppich in der Tiefe hinlegten.
Und so kam es auch, dass Robert und Ludwig längere Zeit abweichend von der normalen Aufstellordnung nebeneinander standen. Denn auch bei der “Aria con Variazione” waren B- und C-Trompete führend. Der Untertitel “Der harmonische Grobschmied” soll daher rühren, dass Händel bei einem Spaziergang an einer Schmiede vorbeikam und sich von seinen dortigen Beobachtungen zum Stück inspirieren ließ, wie mir Toni Pichler nach dem Konzert verriet. Grob war gar nichts, herausfordernd schon. Denn in den Trompeten gab es wilde Läufe, immer abwechselnd von Robert und Ludwig, immer höher und schneller werdend, so als wollten sie sich gegenseitig antreiben und übertrumpfen. Gewonnen haben aber auf jeden Fall die Zuhörer!
Mit Galaxy ging es nochmal zurück ins Programm “Black Or White”. Mein Lieblingsstück zum Jahr der Astronomie habe ich zwar schon oft gehört, aber jedes Mal nehme ich es anders wahr. Diesmal habe ich mir die Hornpassagen als Milchstraße vorgestellt, die Trompeten wie immer als Sternchen, die Tuba als Mond. Und vor diesem Hintergrund taucht auf einmal das Raumschiff “Posaune” auf. Seit der Anspielprobe weiß ich, dass der Mittelteil “Choral” genannt wird – sozusagen die Eiszeit, auf die aber eine neue Blüte am Firmament folgt – einfach immer wieder schön.
Kirche hin, Kirche her – warum soll ein “Englishman in New York” nicht auch in der Kirche erscheinen dürfen? Verträumt-rauchig zauberte Robert Neumair sein Flügelhorn-Solo hin, nahm anschließend auf dem Cayon Platz und trommelte was das Zeug hielt. Und dann der Gesang als Höhepunkt:

Vier Melodiesänger, während Toni Pichler voller Überzeugung den Nachschlag singen durfte. Und was soll ich weiter schreiben – die Augen der Musiker sagen alles! Was man gerne macht, macht man gut.
Mit dem Irischen Segen endete der offizielle Teil des Konzerts. “Musik von Herzen für die Seele”, so die Zusammenfassung der Vertreterin des Pfarrers. Dieser Satz sagt eigentlich alles und charakterisiert die 5 Bläser von Bozen Brass allerbestens.

Als Zugabe gab es noch “Badinerie” und den “Bierchoral” auf La-la mit Antäuschen, also Instrumente ansetzen, dann aber schnell wieder weg damit und Stimmbänder schwingen lassen.




Da kann ich Marion nur voll und ganz zustimmen (vielen Dank für den guten Tipp!)! Für mich war es das erste, aber hoffentlich nicht das letzte Konzert von Bozen Brass. Voller Bewunderung war ich auch für die vielen Instrumentenwechsel, die bei der Kälte in der Kirche eine echte Herausforderung waren
.
Schade nur, dass sich dieses Ereignis in Nußdorf und Umgebung wohl nicht so recht rumgesprochen hatte, es hätten sicher nochmal so viele Besucher Platz gehabt.
Alles in allem ein wirklich gelungener, abwechslungsreicher Abend, weiter so!