Faltenradio – Klarinette, Harmonika und einiges mehr
Im zweiten Kurs des Bläserurlaubs 2010 wurde am Dienstag Abend ein spezielles Konzert angeboten. Faltenradio stand auf dem Programm. Zuerst dachte ich an eine Teeny-Band, aber als dann bekannt wurde, dass das Faltenradio Klarinette und Harmonika spielt, war die Absicht, zum Konzert zu gehen, schon manifestiert.
Und – um es kurz zusammenzufassen – wer nicht hingegangen ist, hat wirklich etwas ganz Tolles versäumt.
Was genau hat er versäumt? Das ist schwer in wenigen Worten zu sagen. Auf jeden Fall tolle Musik, denn wenn Matthias Schorn, seines Zeichens Soloklarinettist der Wiener Philharmoniker, und Alexander Neubauer, Klarinettist bei den Wiener Symphonikern, zu ihren Instrumenten greifen, müssen auf jeden Fall feinste Töne herauskommen. Aber es war nicht „nur“ ein anspruchsvoller klassischer Musikabend der zwei Wiener Klarinettengrößen. Mit im Boot von Faltenradio sind noch Alexander Maurer und Stefan Prommegger, beides ebenfalls studierte Musiker und Musiklehrer. Alle vier spielen nicht nur Klarinette, sondern auch Diatonische Harmonika, haben noch weitere Talente und auch ihre Heimat und die Volksmusik nicht vergessen.
Vor drei Jahren waren alle vier beim Bläserurlaub als Dozenten versammelt, und dort wurde dann auch das Faltenradio aus der Taufe gehoben.
Der erste Teil des Konzerts ist eher klassisch geprägt und beginnt mit Mozart und den beiden Wiener -onikern. Klassik zum Anfassen könnte man es nennen, denn Alexander Maurer klärt als charmanter, wortgewandter Moderator mit Sakko und roten Einstecktuch ein wenig über Mozarts Leben – genauer gesagt seine finanzielle Sitation – auf. Das war allerdings keine Moderation im klassischen Sinn, schon gar nicht abgelesen, sondern frei und wirklich bühnenreif, mit Betonung und Spannungsbogen bis zum nächsten Klarinettenton. Im Verlaufe des Konzert wechselt die Moderation, auch die drei anderen Musiker haben ihre Rollen für die Moderation mit Gestik, Mimik und Satzmelodie bestens gelernt und bringen wertvolle Informationen sowohl angenehm und zum Teil auch humoristisch rüber.
Tolle Ideen sind dort zusammengekommen, und überhaupt keine Spur von Arroganz oder Starallüren. Im Gegenteil, man merkt allen vier Musikern an, dass es ihnen wirklich Spaß macht und dass es sich um eine echte Gemeinschaftsproduktion handelt – auch wenn jeder eine eigene Rolle spielen könnte. Matthias Schorn als stämmiger Fels in der Brandung, Alexander Maurer als blonder Engel mit wallendem Haar, Alexander Neubauer als Verantwortlicher für die kulinarischen Genüsse und Stefan Prommegger, der parallel noch in einer Boygroup singen könnte.
Jeder Schlußapplaus gilt aber unisono dem Faltenradio als Ganzes – die spezielle Haltung beweist es.

Bassklarinette und Bassetthorn, wer kennt das schon außerhalb von Klarinetten-Insiderkreisen? So richtig „cool“ sehen diese Instrumente ja in der Tat nicht aus. Aber Faltenradio rückt sie in den Vordergrund und zeigt, dass man sie nicht nur im Sitzen und versteckt im Orchester spielen kann.

Ein Stück kommt dagegen völlig ohne Instrumente aus. Alle vier Musiker stehen am Bühnenrand und klatschen – in die Hände, auf ihre Beine oder den Oberkörper. Was man als Gaudi-Nummer hätte vermuten können, ist wirklich ganz ernst. Ohne eine Miene zu verziehen fixieren sie offenbar einen Punkt am Ende des Saals, um in ihren vielfältigen Klatsch-Rhtyhmen nicht durcheinander zu kommen. Fehlte eigentlich nur der Schuh-Plattler. Aber der kam später, als sich tatsächlich drei Musiker zu heimatlichen Ziach-Klängen bewegten. Selbst die Handhaltung hat gepasst, auch wenn die Hosenträger fehlten bzw. nur Alexander Maurer hinter der Ziach die 2. Halbzeit in Tracht absolvierte.
Aus dieser Klatsch-Nummer gab es einen nahtlosen Übergang zum nächsten Stück. Sicher mit einer festgelegten Reihenfolge löst sich die Reihe auf, holt ein Instrument und steigt damit wieder ins Geschehen ein.
Die besten der Profis können natürlich auch wunderbar mit Dynamik arbeiten und mit dem feinsten Piano und gezielten Lautsärkenwechseln Spannung aufbauen, erzeugen und auch wieder abbauen. Und wenn der blonde Alexander beim Solo für zwei Harmonikas, locker auf der Bühnenkante sitzend, auch noch die Augen schließt, meint man wirklich, er wäre ein Engelein…
Und Stefan Prommegger hätte man bei seinem Gesangssolo – ohne Mikrofon übrigens – leicht mit Morten Harket verwechseln können – sozusagen der a-ha-Effekt beim Faltenradio.
Kulinarisch ging’s zuweilen auch zu. Nicht nur, dass ein Stück „Dampfnudel und Rahmstrudel“ gehießen hat (haben soll?), sondern auch beim Carpaccio, einer musikalischen Vorspeisenmischung, die u.a. den Maxglaner Zigeunermarsch und den Ungarischen Tanz Nr. 5 toll miteinander verschmelzen liess. Wer die Stücke einzeln nicht kannte, wäre nie darauf gekommen, dass es sich hier um eine Mischung handelte. Aber da die Teilnehmer des Bläserurlaubs ja musikalisch fit sind, war es natürlich kein Problem, dem Publikum als Lösung der Quizfrage die Titel aller 4 enthaltenen Stücke zu entlocken.
Neben den Blas- und Tasteninstrumenten kamen bei Faltenradio auch Rythmusinstrumene nicht zu kurz. Die zwei Beat-Boxen wurden zwar die meiste Zeit als Sitze verwendet. Zwischendurch wurde aber auch auf ihnen getrommelt. In einer Urwaldszene sitzt Matthias Schorn im Schneidersitz, schlummert vor sich hin und würde und ohne seine Klarinette als Stütze in den Händen wohl vorne überkippen. Alexander Neubauer imitiert mit seiner Bassklarinette die Vögel, während sein Vornamensvetter die Buschtrommel klopft. Die Weckrituale zeigen Wirkung und belohnen mit einem Schorn’schen Klarinettensolo.
Zum nächsten Stück zieht er die Schuhe aus und zeigt, dass auch Männer multitasking-fähig sind. Mit der linken Hand und den Knien hält und spielt er Klarinette, mit der rechten Hand trommelt er auf der Beat-Box.
Klassisch, volkstümlich und modern, die vier Musiker haben alle Richtungen in Perfektion im Angebot, wechseln die Besetzung und Instrumentierung, moderieren theaterreif und sorgen für etlich Lacher, ohne jemals zu übertreiben.
Faltenradio hat eine interessante musikalische Nische gefunden und erfolgreich belegt. Wer also von einem Faltenradio-Konzert (mehr oder weniger) in seiner Nähe hört, sollte sich sofort um Karten bemühen. Und solche Konzerte sind auch die Momente, wo man als Hobby-Musiker die Profis beneidet, die aus ihrem Beruf so tolle Sachen machen können – natürlich nur die ideenreichen Querdenker, die die ausgetretenen Pfade verlassen und Neues wagen.
An der kulinarischen Ader von Alexander Neubauer lag es letztendlich, dass das Konzert dann irgendwann sein Ende finden musste. Denn er hatte sein Sorbet aus dem Kühlschrank genommen, und das durfte natürlich nicht einer Unmenge an Zugagen zum Opfer fallen…




Das war wirklich eine echte Freude das “Faltenradio” letzten Sommer in Goisern zu hören. Heuer werde ich im ersten Kurs sein und die Herren Neubauer, Schorn,Prommegger sind beim 2. Kurs Dozenten. Da wird es für mich wohl nichts mit einem weiteren Musikabend mit Faltenradio, sofern wieder ein Auftritt geplant ist.