Einen guten Musiklehrer finden

Geschrieben am 28.02.2010 von Marion in der Kategorie Musikunterricht

In den verschiedenen Musikforen findet man immer wieder Threads, in denen es um die Frage geht, ob man ein Blasinstrument autodidaktisch lernen kann. Die überwiegende Mehrheit der Antworten plädieren für “Nein” und empfehlen einen guten Lehrer. Dabei liegt aber die Betonung nicht auf Lehrer, sondern auf gut!

Wann aber ist ein Musiklehrer ein guter Musiklehrer? Und wie findet man einen solchen guten Musiklehrer?

Das sind in der Tat schwierige Fragen, auf die es leider weder eine einfache Antwort noch eine Checkliste zum Abhaken gibt. Das liegt sicher mit daran, dass das Aufgabenspektrum eines Musiklehrers sehr vielfältig ist und eine gute Kombination der verschiedenen Fähigkeiten erforderlich ist.

Beherrschen des Instruments

Natürlich muss ein guter Musiklehrer das Instrument, das er lehrt, auch selber gut spielen. Denn nur dann kennt er alle Feinheiten und Schwierigkeiten und weiß, worauf es am Instrument ankommt.
In diesem Sinne sollte es die Ausnahme sein, dass Hobbymusiker als Musiklehrer tätig werden. Aber es gibt andersherum auch begnadete Musiker, die trotzdem keine guten Lehrer sind.

Hilfsmittel und Tricks

Ein guter Musiklehrer hat Hilfsmittel für verschiedene Probleme seiner Schüler. Beim Trompetenlehrer findet man beispielsweise ein ausgeschnittenes Mundstück zur Kontrolle des Ansatzes, vielleicht auch ein Mundstück mit Feder, um den Anpressdruck an die Lippen zu prüfen, oder aber auch “nur” ein Cent-Stück und das Wissen, wie man damit ein Mundstück vermisst.
Es können aber auch Vergleiche sein, die es dem Schüler über Analogien aus dem Alltag leichter machen, die richtige Technik zu finden. Querflötenschüler kann der Lehrer anweisen, die Hand vor das Mundstück zu halten und die Luft darüber zu blasen - um nur ein paar Beispiele von 2 Instrumenten zu nennen.

Ein Lehrer, der mit seinen Schülern nur Liedchen spielt und nicht auf die Technik achtet, kann sicher nicht als guter Lehrer betrachtet werden.

Begeisterung für die Musik

Bei einem guten Musiklehrer spürt man die Begeisterung für die Musik und für sein Instrument - egal ob er einen Anfänger unterrichtet oder einem musikalischen Rohdiamanten den letzten Schliff gibt. Er findet mit seinem Gespür für das Instrument das ideale Programm für jeden Schüler und sorgt dafür, dass jeder im Rahmen seiner Möglichkeiten Fortschritte machen kann.

Pädagogisches Geschick

Auch das braucht der gute Musiklehrer, damit er nicht etwa auf die Idee kommt, einem Schüler das Gefühl zu geben, dass er sich blamiert oder Angst haben muss, wenn mal etwas nicht gleich so gut klappt.
Ich erinnere mich an meinen Klarinettenlehrer, der immer nur mit seinem Bleistift den Takt geklopft und mir Striche über die Noten geschrieben hat. “Du musst zählen!” stand überall in meiner Klarinettenschule. Aber leider hat er es nicht verstanden, mir in jungen Jahren das Zählen beizubringen oder ein Rhythmusgefühl zu vermitteln.

Von Begeisterung für die Musik und das Instrument war keine Rede. Stattdessen musste ich mir immer wieder anhören, wie und wo er am Wochenende beim Surfen war - und ihm dann artig viel Vergnügen für das kommende Wochenende wünschen, obwohl mir das ja völlig gleichgültig war….

Auswahl des Lehrers

Wie kann nun bei der Auswahl des Lehrers vorgehen? Manchmal kommt es mir so vor, dass man bei allen größeren Einkäufen Produkte vergleicht,Testurteile und Bewertungen studiert, bevor man eine Entscheidung trifft. Nur beim Musiklehrer nimmt man oft einfach den Lehrer der örtlichen Musikschule - weil es ja so bequem ist. Aber gerade bei Kindern kann man damit unter Umständen viel verkehrt machen.

Wie wäre es mit ein paar Fragen an den Musiklehrer?

  • Worum geht es für Sie beim Musikunterricht?
  • Was bedeutet Musikunterricht für Sie?
  • Haben Ihre Schüler Preise bei Wettbewerben errungen?
  • Haben Sie Schüler bis zum Musikstudium begleitet?
  • Was sagen Schüler über Sie?

Sehr interessante Antworten auf diese Fragen hat mir mein Trompetenlehrer Anton Ludwig Wilhalm gegeben. Und damit hat er die Latte sicher sehr hoch gelegt.

Welche Fakten können Hinweise darauf sein, dass der Lehrer nicht optimal ist?

  • Er spielt bzw. unterrichtet viele artfremde Instrumente
    Z.B. ein Lehrer, der als Berufsmusiker am Theater Bratsche spielt, in der Musikschule aber Klarinette unterrichtet, oder ein Lehrer, der Trompete, Bariton und Querflöte unterrichtet
  • Er kann selbst auf Nachfrage keine Schule oder kein Übungsbuch empfehlen.
  • Er wiederholt bei technischen Problemen des Schülers immer nur die gleichen Anweisungen und zeigt, dass er den Ton selber problemlos spielen kann. Das Problem des Schülers bleibt aber unverändert bestehen.
  • Er stuft ein Instrument, das für 40 EUR auf einem Markt in China erworben wurde, als gutes Instrument ein.
  • Er weiß nicht, was er im Unterricht tun soll und freut sich, wenn der Schüler Noten aus dem Orchester mitbringt.
  • Er legt keinen Wert auf die Verbesserung der Technik, sondern spielt mit den Anfängern nur Liedchen im Duett.

Man sollte also auf jeden Fall erstmal einige Probestunden nehmen und erst danach seine Entscheidung für eine längere Zeit treffen. Und wenn man sich mit dem Lehrer nicht wohl fühlt, sollte man auf jeden Fall nach einer Alternative suchen - auch wenn damit u.U. längere Anfahrtswege verbunden sind. Tut man das nicht, könnte im schlimmsten Fall die Freude am Erlernen des Instruments auf der Strecke bleiben und der Unterricht eines Tages abgebrochen werden. Und das wäre doch ewig schade, oder?

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