Wie ein Dirigent sein Orchester demotivert
“Es gibt kein schlechtes Orchester, es gibt nur schlechte Dirigenten!”, so Alfred Pfortner in seinem Buch “Nicht nur Dirigieren, auch Proben will gelernt sein.
In der Tat, manche Dirigenten verstehen es meisterhaft, ihre Musiker so zu demotivieren, dass sich das Orchester nicht weiterentwickeln kann.
Wie machen sie das? Schauen wir mal:
Probenarbeit
Die gibt es eigentlich nicht bzw. das, was da Woche für Woche gemacht wird, verdient nicht den Namen “Probe”. Die Stücke werden einfach durchgespielt, aber es gibt keine Anleitung, wie es richtig und gut gehören würde. Stattdessen mault der Dirigent dann nach etlichen Wochen des “Rumspielens” mit einem neuen Stück, weil es noch immer nicht geht und man den ganzen Winter dafür braucht.
Eine andere Taktik zum Demotivieren liegt darin, dass ein Stück einmal durchgespielt wird. Dann kriegt die Kapelle eine zweite Chance allerdings den klaren Auftrag vom Dirigent: “Diesmal aber ohne Fehler!”
Und wenn das (natürlich meist) nicht funktioniert, kommt die nächste Stufe: Die Drohung, in der nächsten Probe Satzproben zu machen.
Was bringt es, Erwachsenen mit etwas zu drohen? Das würde ja bedeuten, dass die Musiker aus Trotz schlecht spielen, vor der Registerprobe aber Angst haben und sich dann plötzlich am Riemen reißen.
Irgendwie scheint das Drohpotenzial aber vorhanden zu sein, denn bei der nächsten Probe ist die Fehlquote erstaunlich hoch – so hoch, dass sich die Registerprobe mit ein paar “Hanseln” nicht lohnt.
Aber sie lohnt sich auch so nicht, weil es keinen vernünftigen Leiter gibt, sondern weil die Register einfach alleine vor sich hin spielen. Wegsperren scheint Strafe genug zu sein, denn wenn das registergeprobte Stück Wochen später immer noch nicht geht, fängt alles von vorne an.
Ein Highlight der negativen Sorte war ein “fast”, das einmal in einer Probe vom Dirigenten gerufen wurde. Nur hat er nach dem Stück nicht aufgeklärt, wen er damit meinte und was er damit bewirken wollte. Ich jedenfalls fand es verächtlich und erniedrigend – was sich ein Dirigent eigentlich nicht erlauben darf, wenn er seine Aufgabe ernst nimmt.
Damit setzt der Dirigent das feste Fundament zum Demotivieren. Die Musiker müssen seine Einschätzung, dass sie schlecht sind, ja zumindest zum Teil in sich aufnehmen. Und wenn ich eh schlecht bin, dann ist es ja eh egal, wozu soll ich dann vielleicht zu Hause auch noch üben?
Stückeauswahl bei Auftritten
Bei Auftritten werden immer die gleichen Allerweltsstücke gespielt. Neue Stücke kommen nur selten tatsächlich zur Aufführung. Stattdessen heißt es bei der internen Ansage des nächsten Stücks “Spielen wir den XY-Marsch, der geht wenigstens”. Oder vor der Ansage kommt mehr als einmal die Frage in die Runde oder an bestimmte Register “Geht der? oder “Können wir den spielen?”.
Demotivation, 2. Stufe, oder? Denn was hört der sensible Musiker? “Ihr seid so schlecht, da ist jeder Auftritt ein Risiko. Euch kann man einfach nichts zutrauen.”
Daraus folgt natürlich, dass jahrein-jahraus das gleiche Programm gespielt wird. Und wenn es mal ein neues Stück aus der Probe in einen Auftritt schafft, ist es sicher nur ein Unter- bis Mittelstufenstück. Das hat natürlich den typischen Jugendkapellen-Klang, d.h. ein Orchester mit erwachsenen Musikern kann sich damit eingentlich nur blamieren und insgesamt beim Auftritt nichts reißen.
Was so geredet wird…
Wenn irgendwo mal die Idee aufkommt, man könne ja mal wieder ein richtiges Konzert veranstalten, wird diese gleich wieder vom Tisch gewischt. “Das hatten wir ja schon mal, und da kommt ja eh niemand.”
Mit der Einstellung kann das ja nichts werden…
Interessanterweise erzählt der Dirigent aber öfter von einem anderen Orchester, das er auch noch leitet. Mit dem macht er sehr wohl Konzerte und auch Probenwochenenden.
Einstimmen
Auch das Einstimmen wird genutzt, um die Musiker in eine gewisse verängstigte Hab-Acht-Stellung zu versetzen. Ständig ist die Stimmung schlecht, aber es gibt keine Hilfestellung beim Stimmen, sondern nur kritische Blicke. Und das Ganze wird dadurch absolut unglaubwürdig, weil der Dirigent nicht auf die Sitzposition seiner Musiker achtet. Die Klarinettisten sitzen gerne mit übereinandergeschlagenen Beinen da, müssen dann die Klarinette leicht schräg halten, weil da, wo die Klarinette üblicherweise enden würde, ja das Knie im Weg ist… Ohne Worte, oder?
Aussagen zu Instrumenten
Der Dirigent stellt an einem Instrument eines Mitspielers etwas fest, was ihm merkwürdig vorkommt. Hinter vorgehaltener Hand stellt er das Instrument dann bei einesmRegisterkollegen als minderwertig dar – ohne allerdings mit den guten Ohren des betreffenden Musikers zu rechnen…
Tja, der Dirigent lag einerseits musikalisch falsch und hat sich natürlich menschlich von seiner schlechtesten Seite gezeigt. Denn in einem kurzen Gespräch mit dem betreffenden Musiker hätte die Sache sehr schnell aufgeklärt werden können. Was dieser danach vom Dirigenten hält, kann sich jeder selber denken…
Fazit
Im Fußball wird der Trainer gefeuert, wenn die Leistung der Mannschaft nicht stimmt. Aber bei der örtlichen Blasmusik bleibt Jahr für Jahr alles beim Alten und in schöner Mittelmäßigkeit. Schade eigentlich.
Denn die Episoden sind nicht meiner kranken Phantasie entsprungen, sondern tatsächlich geschehen.
Kann mir jemand erklären, warum das so ist? Bitte gerne in einem Kommentar.




Hallo Musiker!
Ich habe fast das Gefühl man spricht von unserer musikalischen Leiterin. Ach nein – jetzt ist sie unsere ehemalige musikalische Leiterin. Leider haben wir uns mit der Entscheidung viel zu lange Zeit gelassen, in dem Glauben wir könnten damit Streit und Unruhe in unserem doch relativ überschaubaren Ort vermeiden.
Doch wir haben den Schritt gewagt und alle damit verbundenen Konflikte (die Dame stammt aus unserem Ort, Familienbande, Freundschaften etc.) ertragen, ausgefochten und einigermaßen unbeschadet überstanden.
Jetzt auf einmal geht es aufwärts, musikalisch und auch stimmungsmäßig, die Musiker kommen wieder gerne zur Probe und sind mit vollem Elan bei der Sache.
Ich kann daher nur allen empfehlen nicht so lange zu warten wie wir (5 Jahre zu spät). Wir haben aufgrund unserer Unentschlossenheit viele Musiker verloren, vor allem die jüngeren, was besonders tragisch ist. Deshalb, lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Mit musikalischem Gruß
TromPeter