Der Trompeter im Posaunenchor

Geschrieben am 8.11.2009 von Marion in der Kategorie Instrumente

Wer als Trompeter aus der traditionellen Blasmusik kommt und plötzlich den Wunsch verspürt, im Posaunenchor (s)einer evangelischen Kirchengemeinde mitzuspielen, wird am Anfang große Augen machen. Denn Trompete spielen ist in der Blaskapelle nicht das gleiche wie im Posaunenchor.

Im Posaunenchor sind nämlich alle Stimmen in C geschrieben. Damit haben die Posaunisten und Tubisten keine Probleme, da ihre Instrumente üblicherweise in C gestimmt sind. In der Blasmusik werden aber Trompeten in B verwendet, und das beißt sich mit der Notation in C.

Warum werden die Trompetenstimmen im Posaunenchor nicht auch “normal” in B notiert? Nun, bei der Begründung herrscht Uneinigkeit. Die einen sagen, dass es einfach praktischer ist, wenn alle Stimmen in C geschrieben sind, weil dann das Zusammenspiel mit der Orgel einfacher wird. Die anderen sagen, dass mehr oder weniger bewusst eine Trennlinie zwischen Blasmusik und Posaunenchor gezogen wurde, um zu verhindern, dass die Posaunenchor-Trompeter in die Blasmusik abwandern. Diese Argumentation lässt allerdings außer Acht, dass auch der entgegengesetzte Weg erschwert ist.

Wer also als Trompeter sowohl in der Blasmusik als auch im Posaunenchor spielen möchte, hat verschiedene Möglichkeiten, mit der C-Notation umzugehen.

Kuhlo-Griffweise lernen

Wer das Trompete spielen direkt für den Posaunenchor lernt, der lernt auf einer B-Trompete, aber in einer anderen Griffweise. Damit wird die transponierende Eigenschaft des Instruments sozusagen ausgetrickst, d.h. wenn der Trompeter ein C spielt, ist es tatsächlich ein klingendes C und kein transponiertes B. Diese Griffweise geht auf Johannes Kuhlo zurück, den Begründer der Posaunenchöre.

Es gibt Trompeter, die beide Griffweisen beherrschen und in der Blasmusik und im Posaunenchor aktiv sind. Dazu sollte man allerdings an der Trompete schon sehr fit sein, da es sonst unweigerlich zu Durcheinander kommt.

Transponieren

Wem 2 verschiedene Griffweisen zu gewagt erscheinen, der kann das Transponieren versuchen. Eigentlich muss man mit der B-Trompete die in C notierten Noten “nur” um einen ganzen Ton höher spielen. Das wäre ja noch einigermaßen machbar, wenn es keine Halbtonschritte und keine Vorzeichen gäbe. Zum richtigen Zielton bewegt man sich am besten in 2 Schritten

Passende Tonart suchen: 2 b weniger oder 2 Kreuze mehr, lautet die Daumenregel. Ist in der C-Stimme C-Dur notiert, muss die B-Trompete D-Dur spielen. Steht die C-Stimme in F-Dur, gilt für die B-Trompete G-Dur. Am besten geht es dem B-Trompeter, wenn die C-Stimme in B-Dur notiert ist, denn da hat er C-Dur.

Ton erhöhen: Ist die passende Tonart gefunden, muss man wirklich jeden Ton nur um einen Ton nach oben denken - allerdings unter Berücksichtigung der neuen Vorzeichen. Muss also die B-Trompete D-Dur spielen, wird aus dem notierten E kein F, sondern ein Fis und aus dem notiertem H kein C, sondern ein Cis.

Wenn man sich ein wenig Zeit lassen kann, um sich an das Transponieren zu gewöhnen und vielleicht auch eine gewisse Grundbegabung mitbringt, ist dieser Weg sicher auch gangbar. Allerdings hat man mitunter mit dem gleichen Problem zu kämpfen, das auch bei der nächsten Möglichkeit besteht.

Noten umschreiben

Notenprogramme am PC erleichtern diese Arbeit heutzutage ungemein. Mit guten Programmen kann man die Stücke sogar einscannen und erledigt das Transponieren dann mit wenigen Klicks.
Das Trompeterleben könnte also recht einfach sein, wenn es die Schreiber der Posaunenchorliteratur nur zulassen würden…. Die Hefte für Posaunenchor sind aber für alle 4 oder mehr Stimmen gleich, denn alle Stücke sind in Systemen geschrieben, die alle Stimmen enthalten. Dabei sind immer zwei Trompetenstimmen in einem Notenliniensystem gemeinsam notiert. Bei der 1. Stimme ragen die Notenhälse nach oben, bei der 2. Stimme nach unten. Wie der Musiker wird sich sicher auch das Scanprogramm hart tun, eine einzelne Stimme “herauszufieseln” und zum Transponieren aufzubereiten.

Die Möglichkeit, die Stimme per Hand ins Notenprogramm einzugeben, wird dadurch unattraktiv, dass es jedes Jahr ein neues, dickes Heft mit Stücken für Posaunenchöre gibt. Dadurch ist das Repertoire viel breiter gesteckt als bei Blasorchestern. Und wer will schon nach Erscheinen des neuen Hefts tagelang am Rechner sitzen und Stücke abschreiben? Vorher wäre dann auch noch mit dem Verleger zu klären, ob das kein Verstoß gegen das Copyright darstellt.

Eine C-Trompete verwenden

Diese Möglichkeit tut einmal weh, nämlich beim Kauf des Instruments im Geldbeutel. Danach ist aber ein für alle Mal Ruhe, und man kann sein Dasein als Trompeter im Posaunenchor genauso genießen wie das in der Blaskapelle.

Äußerlich sind die Unterschiede zwischen der B-Trompete (im Bild oben in Gold) und der C-Trompete (im Bild unten in Silber) gering:

b trompete c trompete Der Trompeter im Posaunenchor

Und auch beim Spielen merkt man keinen Unterschied. Einzig die Ohren merken, dass für ein Griff zwei unterschiedliche Töne zu hören sind. Aber  genau darum geht es ja.

Logischerweise muss ich die Übungen der Trompetenschule mit CD-Begleitung mit der B-Trompete spielen. Aber bei den Solo-Tonübungen kommt mal die eine, mal die andere Trompete zum Einsatz. Das jedenfalls ist für mich der beste Weg, um die Erfahrung Posaunenchor weiterführen zu können. Denn es kann nie schaden, seinen musikalischen Horizont zu erweitern, neue Stücke und Musikrichtungen kennenzulernen.

Leider reichen die beiden Trompeten aber auch nicht aus,  um in einer Brass Band mitspielen zu können. Dort werden nämlich Kornette verwendet…

8 Kommentare

  1. Vielen Dank für die erhellenden Worte zum Unterschied zwischen Posaunenchor und Blaskapelle. Ich habe vor 35 Jahren in einem Posaunenchor Tropetespielen gelernt, dann nach fünf Jahren aufgehört und will nun wieder anfangen. Mein Problem ist, dass ich nicht mehr so gerne in einem Posaunenchor spielen möchte und jetzt erstmal nicht weiterweiß, weil sich die Griffe von früher so stark eingprägt haben, dass ich sie in meinem Hirn nicht mehr ‘versetzt’ bekomme. Was tun? C-Trompete kaufen? Nur alleine spielen? Welche Schule ist für so einen Wiedereinstieg empfahlenswert? Über Anregungen freue ich mich sehr!

  2. @Ulrike: Nur alleine spielen ist sicher auf Dauer keine Alternative, weil es zu mehreren viel mehr Spaß macht.
    Zum Wiedereinstieg kann ich dir “Basic Plus” von Wolfgang Guggenberger empfehlen. Darin findest du jede Menge Übungen für einen schönen Ton, Luftfluß, Lippenbindung usw.
    Als Schule habe ich “Hören, Lernen, Spielen”. Die ist aber für dich insofern schlecht, als es dazu eine CD gibt - und mit der Kuhlo-Griffweise passt das dann nicht.
    Ich glaube, eine C-Trompete hilft dir nicht, wenn du mit der B-Trompete in Kuhlo-Griffweise eine B-Stimme spielen willst. Wenn ich richtig gerechnet habe, bist du dann sogar zwei Töne zu hoch.
    Hast du das mit dem Umlernen der Griffe mal probiert? Wenn du zukünftig nur die neue Griffweise spielst, könnte das vielleicht doch funktionieren. Ansonsten kannst du dir nur die Noten von B nach C umschreiben, dann klappt es auch mit deiner Griffweise.
    Viel Erfolg jedenfalls!

  3. Geht es umgekehrt auch? Als Posaunenchörler sich eine B-Trompete kaufen, um bei einer Musikkapelle mitspielen zu können?

  4. @Karin: Wenn du mit einer C-Trompete im Posaunenchor spielst, kannst du ohne Probleme mit einer B-Trompete in der Musikkapelle mitspielen.
    Aber üblicherweise spielen die Posaunenchörler ja mit der B-Trompete und der anderen Griffweise. Und dann wird’s schwierig mit der Blaskapelle - es sei denn, man wagt sich ans Transponieren ran.

  5. Ein Trompeter in unserem Posaunenchor spielt mit C-Trompete, weil er das Spielen in der Blaskapelle mit B-Trompete gelernt hatte. Man stellt aber häufig fest, dass gewisse Töne einfach zwischen B- und C-Trompete nicht stimmig sind. Spielt z.B. eine B-Trompete ein C und die C-Trompete ein C, so schäppert das gewaltig. Etwas besser, aber nicht perfekt wird es, wenn er z.B. das C auf der C-Trompete nicht 0 sondern 2-3 greift. Meiner Erfahrung nach tut die C-Trompete im Posaunenchor also nicht nur im Geldbeutel, sondern evtl. auch im Ohr weh.

  6. Trompetenspielen habe ich im Posaunenchor gelernt und dann stieg ich in die Stadtkapelle Wangen ein. Dort herrschen hohe Anforderungen. Transponieren habe ich nie richtig gelernt sondern einfach die neuen Griffe auswendig gelernt, so wie anfangs im Posaunenchor. So kann ich inzwischen beide Griffe, sowohl C-Griffe (ursprünglich) und B-Griffe (heute in Blaskapelle). Ich leite inzwischen den Posaunenchor in Wangen/Allgäu und spiele gleichzeitig in der Stadtkapelle Wangen mit, immer mit derselben Trompete (B-Trompete).

    Es ist nur eine Frage des Lernens der jeweiligen Griffe (B- und C-Griffe). Es ist bei mir zwar schon lange her und heute geht beides automatisch. - Meine Empfehlung ist einfach zu Hause versuchen, langsam anfangen mit Griffe zu lernen und dann Schritt für Schritt weiter machen. Nicht zu schnell sondern mit Geduld vorgehen, aber anfangen sollte man. Eine C-Trompete habe ich auch zu Hause, aber benötige sie nur in Ausnahme fällen.

  7. Kleine Anmerkung zum zweiten Absatz:
    Die Posaunisten und Tubisten (auch Baritonisten!), die ihre Noten im Bass-Schlüssel lesen (z.B. Bariton) tun sich deshalb einfach, weil sie dieselbe Griffweise wie im Posaunenchor gelernt haben. Die Instrumente sind selbstverständlich alle in B (nicht wie geschrieben in C) gestimmt. Bläst man also ohne Griff (0) ins Instrument, kommt der Naturton, in dem das Instrument gestimmt ist, aus dem Instrument raus. Der Blasorchestermusiker mit den Violinschlüsselnoten denkt halt nur, es wäre ein C.
    Dasselbe gilt für alle Instrumente des Blasorchesters, die nicht in C gestimmt sind. Klarinette und vor allem Saxophon gibt es ja in B- und Es-Stimmung. Die Griffe sind für alle Saxophone gleich. Wenn’s zusammenspielen klappen soll, braucht man halt die entsprechenden Noten oder man muss transponieren.
    Übrigens: Wenn der Posaunenchortrompeter eine As-Trompete findet, kann er auch beim Blasorchester mitspielen ;-)

  8. Finde den Artikel wirklich toll und sehr informativ deshalb werde ich ihn wohl auch auf meinem Trompeten Blog verlinken. Zudem großes Lob an die echt informative und vor allem schöne Trompeten Seite!

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