Bundespolizeiorchester auf der Landesgartenschau
Die Konzerte des Bundespolizeiorchesters München auf der Rosenheimer Landesgartenschau gehörten sicher zu den Auftritten, die das Musikerherz nicht höher schlagen lassen. Aber Musiker zu sein ist eben auch mal ein ganz normaler Beruf, der gemacht werden muss, auch wenn die Bedingungen alles andere als toll sind.
Aber der 6. Mai 2010 war nun mal als Tag der Bundespolizei auf der Landesgartenschau Rosenheim ausgeschrieben, und so mussten neben Informationsständen, Hundestaffel, Hubschrauber und erfolgreichen Sportlern auch die Musiker aus München anrücken, um den Bürgern die Bundespolizei näher zu bringen. Aber wer geht an einem Mittwoch bei gerade mal 10 Grad und Regen schon tagsüber auf die Landesgartenschau?
Nur die Harten, die Dauerkartenbesitzer, die die Musik hören wollen, oder? Und die hatten zumindest das Glück, dass Petrus zur zweiten Konzertrunde um 14.00 Uhr wenigstens seine himmlischen Wasserhähne schloss. Und so konnte das Bundespolizeiorchester doch eine Stunde Blasmusik quer durch verschiedene musikalische Stilrichtungen zum Besten geben - auch wenn meist mehr Personen auf als vor der Bühne waren.
Christian Lombardi führte diesmal nur am Mikrofon und nicht an der Oboe durch das Programm. Ob es ihm dauerhaft auf der Bühne wohl zu kalt gewesen wäre? Jedenfalls konnte man sehen, wer von den Musiker eher friert und auf den dicken Anorak zurückgegriffen hatte.
Ein Melodienstrauß aus My Fair Lady kündigte uns der Moderator an - mit zwei Anknüpfpunkten zur Landesgartenschau: dem Satz mit “The rain…”, den das Mädchen üben musste - passend zum Wetter - und schöner natürlich “Es grünt so grün…”.
Als nächstes folgte die Schnellpolka “Vergnügungszug” von Johann Strauß. Ein anderes Verkehrsmittel mischte sich allerdings unerwartet akustisch ein - das Polizeimotorrad mit seiner Hupe…
Chick Corea, ein auch in Bayern aktiver Jazzpianist, war als nächstes von der Bühne zu hören. Seine Arrangements sind zwar für Sinfonieorchester, aber das lässt sich natürlich auch für ein großes Blasorchester umschreiben. Und so hörten die wetterharten Zuhörer “La Fiesta” mit einem Solo für Sopran-Saxofon.
Der nächstgrößere Sproß der Saxofon-Familie, das Alt-Sax, kam im nächsten Stück groß raus. F.-J. Kohlbeck sorgte bei “One Moment in Time” für die olympische Stimmung. Das Ganze, so Christian Lombardi, in einem Arrangement von Franz Gerstbrein, exklusiv für das Bundespolizeiorchester. Vielleicht muss das ja so sein, ist doch die Bundessportschule in Bad Endorf, 15 km von Rosenheim entfernt, die Schmiede unzähliger Olympioniken.
Neben dem Bundespolizeiorchester mit Sitz in München gibt es übrigens noch zwei weitere Klangkörper dieser Art in Hannover und Berlin. Alle sind für Unterhaltungsmusik, bei Benefizkonzerten und internen Festakten der Bundespolizei zu sehen und zu hören, als großes Orchester, mit der Big Band oder in kleinen Besetzungen von 3, 5, 8 oder 13 Musikern.
“Artistery Jobs”, so der Titel des nächsten Stücks, das vom tiefen Blech angespielt wurde und ziemlich jazzig klang. Nach dem ruhigen Mittelteil aus den Klarinetten und anschließend auch den Querflöten und der einzigen Oboe folgte wieder ein Saxofon-Solo - diesmal vom großen Tenor-Saxofon. Eigentlich hätte im nächsten Stück dann noch ein Solo für Bariton-Sax folgen müssen, damit man alle Mitglieder der Sax-Familie gehört hätte.
Aber das hätte nicht zum letzten Stück gepasst. Denn “Unter Donner und Blitz” von Johann Strauß braucht die große Trommel und das Becken, um diese Wetterphänomene auf die Bühne zu zaubern. Ein Glück nur, dass sich Petrus nicht zum Nachmachen entschloss.
Wenig Zuschauer können natürlich nicht sooo viel Applaus geben. Und so gab es als Zugabe auch “nur” noch einen Marsch. Aber der nächste Programmpunkt, die Autogrammstunde mit den Bundespolizei-Sportlern war ja fest eingeplant, und wer nicht wieder ins Büro zurück musste, hatte ja kurz danach die Chance auf die Fortsetzung des Konzerts.

Wenn es eben für die Musiker nur Pflichtübung war, hatte es doch für die Zuschauer den Vorteil, dass sie das Orchester auf der auch seitlich offenen Bühne von allen Seiten betrachten konnten und nicht mal Gefahr liefen, dabei andere Zuhörer zu stören und nachher keinen Sitzplatz mehr zu finden.



