Buchtipp: Das Orchester-Prinzip
Vor kurzem ist mir mehr oder weniger zufällig ein nettes kleines Buch in die Hände gefallen, dass eigentlich für Marketing-Spezialisten gedacht ist. Der Titel “Das Orchester-Prinzip – Was das Marketing von der Musik lernen kann” schlägt aber die Brücke zur Musik, so dass es auch für Musiker eine interessante Lektüre ist. Eigentlich kann man das Buch jedem empfehlen, der in Beruf oder Hobby besondere Leistungen abliefern möchte. Zudem ist es noch eine nette Erzählung, die sich schnell mal lesen lässt.
Es geht los mit den Freunden John und Vincent. Dann aber kommen die Hauptdarsteller des Buchs, nämlich drei Fledermäuse: der junge Kasimir, sein Großvater Homer und sein Onkel Balduin. Sie leben im Dachstuhl eines Konzerthauses und beobachten das Treiben in diesem historischen Gebäude. Der junge Kasimir befürchtet eines Tages, dass das Konzerthaus geschlossen werden könnte, weil die Besucherzahlen rückläufig sind. Großvater Homer beginnt daraufhin, seinem Enkel die Regeln der Wirtschaft und des Marketings zu erklären. Kasimier zeigt sich sehr interessiert und wissbegierig, diskutiert mit seinem Großvater, hinterfragt dessen Antworten und kommt zu vielen schlauen Schlußfolgerungen. Ein bisschen aus der Rolle fällt zuweilen Onkel Balduin, der nicht immer etwas mit der klassischen Musik anfangen kann.
Aber natürlich gibt es bei den Fledermäusen auf den Dachbalken des Konzerthauses ein Happy End, für das die Kraft der Musik mit ausschlaggebend ist. Aus jeder Diskussionsrunde der Fledermäuse wird eine Regel abgeleitet. So entstehen die 13 Orchester-Prinzipien, bei deren Berücksichtigung der Fortbestand des Orchesters und des Konzerthauses außer Frage stehen. Und mit ein bisschen Phantasie und dem allerwichtigsten – der Leidenschaft für das eigene Tun - lassen sich diese Regeln auf alle Wirtschaftsbereiche übertragen.
Hier ein paar Zitate aus dem Buch, die ich mir besonders markiert habe:
- “Werbung kann lediglich Aufmerksamkeit erzeugen. Verkaufen dagegen, kann man ein gutes Produkt nur, wenn der Mensch durch Leidenschaft überzeugt wurde.”
- “Der Dirigent ist der einzige Vertreter des Publikums. Er ist der Einzige, der das Orchester aus der gleichen Position wie das Publikum hört. Die Musiker hören immer nur einen unvollkommenen Teil.”
- “Ich glaube, dass ist der Fehler vieler Konzerthäuser und vieler Dirigenten. Sie versuchen es jedem Besucher Recht zu machen. Das geht nicht. Das ist der Tod eines Konzertes. [...] Sie beschäftigen sich viel zu viel mit den Gedanken des Publikums. Sie sollten sich viel mehr mit der Leidenschaft beschäftigen.[...] Der Dirigent, der die Sprache der Leidenschaft verstanden hat, hat auch automatisch ein zufriedenes Publikum.”
- “Die Musik, die die Aufmerksamkeit eines geistig Abwesenden auf sich zieht, zieht auch die Aufmerksamkeit eines Musikinteressierten auf sich.”
- “Warum spielen Orchester nicht öfter die Musik, die das Publikum gerne hört, statt die Musik, die das Orchester gerne spielt?” [...] Weil Dirigenten aus reiner Berufsblindheit heraus die einfachsten Erfolgsregeln vergessen oder ignorieren. Sie denken nur an ihre Leistung und vergessen dabei den Kunden.”
- “Die Beachtung und Bewunderung durch Musik-Fachleute, durch Dirigentenkollegen und durch Musik-Kritiker sorgt bei einem Orchester für Scheuklappen in der Wahrnehmung. Die Reaktion und die Beurteilung durch das zahlende Publikum wird dann nicht mehr registriert. Dieser Weg erzeugt selbstverliebte und letzlich egoistische Musiker.”
- “Wenn Du glaubst, es geht nicht mehr besser, kommt von irgendwo eine überwältigende neue Inpiration.”
- “Präsentiere deine Musik in einem Umfeld, das keiner erwartet und du erntest eine begeisterte Antwort.”
- “Dirigent [...] ist in der beneidenswerten Lage, sofort ein Feedback auf seine Leistung zu bekommen. Er muss nur auf die Stärke des Applauses hören und schon erkennt er, ob sich seine Arbeit gelohnt hat und seine Musik angekommen ist. [...] Auch eine schlechte Beurteilung ist eine Beurteilung. Man muss nur ein offenes Ohr für Kritik haben und daraus die Schlüsse für zukünftige Konzerte ziehen.”
Für alle, die jetzt neugierig geworden sind, und die ganze Geschichte nachlesen wollen, hier noch die kompletten Quellenangaben:
Dieter W. Wagner
Das Orchester-Prinzip
Was das Marketing von der Musik lernen kann
Books on Demand, Norderstedt
www.dialogstudio.de
132 Seiten
ISBN 3-8334-4509-2




Warum spielen Orchester nicht öfter die Musik, die das Publikum gerne hört, statt die Musik, die das Orchester gerne spielt?” [...] Weil Dirigenten aus reiner Berufsblindheit heraus die einfachsten Erfolgsregeln vergessen oder ignorieren. Sie denken nur an ihre Leistung und vergessen dabei den Kunden.”
“Die Musik, die die Aufmerksamkeit eines geistig Abwesenden auf sich zieht, zieht auch die Aufmerksamkeit eines Musikinteressierten auf sich.”
Führen sich denn die beiden Grundsätze nich von selbst ins ad absurdum?
Ein Orchester das eine Musik spielen muss das dem Geschmak des Publikums trifft aber dem Orchester nicht gefällt läßt sich doch vom Orchester gar nicht überzeugend rüberbringen, und wird keinerlei Aufmerksamkeit auf sich ziehen.