Brass Banding – die Alternative für Blechbläser

Geschrieben am 22.11.2009 von Marion in der Kategorie Orchester/Kapellen

Brass Banding – was ist das? Wieder so ein neumodisches Fremdwort, von dem man nicht weiß, was es bedeuten soll? Nein, Brass Banding ist eine musikalische Richtung für Blechbläser, die so interessant ist, dass sie eine nähere Betrachtung verdient. Denn Blasmusik beschränkt sich wahrhaftig nicht nur auf “Dicke-Backen-Musik” in traditionellen Blaskapellen.

Brass Bands haben ihren Ursprung in England. Daher kommt auch der Name. Brass steht für Blech, und so spielen in einer Brass Band nur Blechblasinstrumente. Es handelt sich aber um einen ganz eigenen Zweig, der mit einer “Blechmusik”, also einer Kapelle ohne Holzbläser wenig gemeinsam hat.

Die Geschichte der Brass Bands reicht in England in das Arbeitsleben früherer Zeiten zurück. Zum Abbau von Bodenschätzen wurden einfach irgendwo Siedlungen errichtet. Um den Arbeitern eine Freizeitbeschäftigung zu bieten und sie wohl auch außerhalb der Arbeitszeit noch ein wenig unter Kontrolle zu behalten, wurden Brass Bands gegründet.

Diese Hintergründe sind zwar heute nicht mehr dominant. Dennoch prägen Brass Bands das musikalische Bild in England. Sie sind vielfältig musikalisch einsetzbar. Kirchengemeinden haben eigene Brass Bands für die musikalische Gestaltung der Gottesdienste, Brass Bands spielen Konzerte und sorgen für Unterhaltung und Stimmung und messen sich freundschaftlich bei Meisterschaften.

In Deutschland ist das Pflänzchen Brass Band noch sehr jung. Unter anderem setzt sich die Brass Band Akademie Bayern seit einigen Jahren dafür ein, auch in Bayern Brass Bands zu etablieren.

In München und Regensburg gibt es bereits etablierte Bands. Nun laufen die Bemühungen, im Raum TS/BGL eine South Section- Brass Band zu gründen.  In einem interessanten Workshop wurden die ersten interessierten Teilnehmer in das Brass Banding eingeführt. Weitere Musiker sind jederzeit willkommen.

Brass Banding steht für eine ganz besondere menschliche und musikalische Einstellung. Denn die Band kommt nur gemeinsam weiter. Jeder Musiker, jede Stimme ist wichtig. Ein Register kann nur mit allen Stimmen glänzen. Und auch die Musiker, die die gleiche Stimme spielen, müssen gut zusammen arbeiten, um sich beispielsweise beim Atmen abzuwechseln.

Er in einer Brass Band mitspielen möchte, braucht eine gute Eigeninitiative und -verantwortung. Da Brass Bands nur selten proben, muss jeder vorbereitet zur Probe kommen. Der Dirigent baut in der Probe dann die einzelnen Stimmen zu einem schönen Klangbild zusammen.
Und jede Brass Band steckt sich Ziele für die gemeinsame musikalische Entwicklung. Sicher wird eines Tages auch die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft das Ziel sein.

Ja, Wettbewerbe in sportlichem Sinn sind angesagt. Die Brass Bands kämpfen aber dabei nicht gegeneinander, sondern helfen sich immer gegenseitig. Es muss schon eine tolle Stimmung bei solchen Meisterschaften und bei anderen Treffen von Brass Bands herrschen.

Die Instrumentierung unterscheidet sich von den üblichen Blaskapellen. Statt Trompeten werden Kornette verwendet, statt Waldhörnern Alt-Hörner. Die Instrumente stammen alle aus der gleichen Familie und können mit den Pfeifen der Orgel verglichen werden.
Flügelhörner, Tuben und Posaunen enstprechen zwar weitgehend dem Bekannten. Ein weiterer Unterschied liegt allerdings in den Noten. Alle Stimmen sind im Violinschlüssel in B notiert. Das mag so unpraktisch wie die Trompetennotation in C in den Posauenchören erscheinen, hat aber auch einen klaren Hintergrund: Bei dieser Notation sind die Griffe auf allen Instrumenten gleich. Der Dirigent kann somit einen Griff ansagen, der für alle Mitspieler gilt. Und wer beispielsweise mit dem Alt-Horn einsteigt, kann später leicht auf das Kornett wechseln, ohne neue Griffe lernen zu müssen.

Ein Trompeter kann grundsätzlich auf ein Kornett umsteigen. Die erfahrenen Brass Band-Spieler erklärten jedoch, dass das Kornett kleine “Trompeter-Sünden”, wie z.B. eine schwache Stütze, nicht toleriert. Wer aber mit dem Kornett gut klar kommt, für den wird es viel einfacher, dann wieder Trompete zu spielen.

Das Repertoire der Brass Bands ist sehr vielseitig. Jedes Jahr gibt es etliche neue Arrangements nur für Brass Bands, die von klassisch bis modern reichen. Wenn man Aufnahmen von Brass Bands hört, kann man manchmal gar nicht glauben, wie sehr bei Blechblasinstrumenten die Finger fliegen können.

Dazu kommt die Luft, die massenhaft gebraucht wird, um die Töne klingen zu lassen und der Dynamik Raum zu geben.

Wer also noch musikalische Kapazitäten frei hat, der sollte sich einmal über Brass Banding Gedanken machen, ob im Bayerischen Süden oder anderswo.

Ein Kommentar

  1. Die Anmeldung für ein Konzert im Januar läuft noch bis max. 4. Dezember auf http://www.southsection.tk. Einfach nochmal auf YouTube herumstöbern und sich begeistern :-)

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