Bozen Brass - Südtiroler Blechbläser der Extraklasse
Blechbläserquintett - wenn man diesen Begriff hört, denkt man möglicherweise an gediegene Kammermusik, ruhig, getragen und klassisch. Bozen Brass kann diesen Bereich leicht abdecken, aber die Südtiroler können wesentlich mehr - und wollen das vor allem auch.
Seit 20 Jahren gibt es Bozen Brass in der Blechbläserszene. Und seit 7 Jahren spielen sie in der aktuellen Besetzung mit Anton Ludwig Wilhalm (Trompete), Stefan Mahlknecht (Posaune), Toni Picher (Tuba), Norbert Fink (Waldhorn) und Robert Neumair (Trompete) - im Bild von links nach rechts:

Ihr Repertoire reicht von Barock bis Blues. Es ist bewusst weit gefächert, um ein breites Publikum ansprechen zu können. Und zur perfekt gespielten Musik kommen auch etliche Showeffekte und Überraschungen für das Publikum. So greift Robert Neumair nicht immer zu einer seiner Trompeten. Zwischendurch darf es auch mal das Schlagzeug oder die Steirische sein. Und Gesangseinlagen kommen ebenso vor wie choreografische Elemente und Verkleidungen.
Die meisten Stücke sind von Robert Neumair arrangiert oder auch komponiert. Damit will sich Bozen Brass bewusst aus der Masse hervorheben und dem Publikum etwas Besonderes bieten. Und das macht auch den Musikern selber viel mehr Spaß, als einfach “nur” bekannte Stücke noch so schön zu spielen.
Das aktuelle Programm “Black & White” wurde von Michael Jackson inspiriert, allerdings bereits vor seinem Tod ersonnen - visionär, oder?
Ein paar Eindrücke von “Black & White” gibt es bei YouTube:
- Querschnitt durch das Programm
- Gelungene Choreographie
- Hommage an die Heimat und Beweis der Vielseitigkeit
Ein neues Programm, das ebenfalls mit Farben spielen wird, ist bereits in Arbeit. Bis es aufführungsreif ist, wird natürlich einiges an Probenfleiß notwendig sein - auch bei den Profis. Und eine gute Logistik gehört auch dazu, da mit “Bozen” eher die Region denn die Stadt gemeint ist und einiges an Fahrkilometern zu absolvieren ist, bis das Quintett proben kann.
Beide Programme sollen aber eine Zeit lang parallel angeboten werden. Dazu kommen noch weitere Stücke nach Jahreszeit wie z.B. weihnachtliche Klänge zum Jahresende.
50 bis 60 Konzerte geben die Südtiroler Bläser jedes Jahr, und das natürlich nicht nur in Südtirol, sondern auch im südlicheren Teil Italiens, im Engadin, in Österreich und Deutschland. Besonders viele Auftritte stehen zum Jahresende und im Sommer auf dem Programm. Dabei freuen sich die Vollblutmusiker auch immer über außergewöhnliche Auftrittsorte, z.B. in einem Steinbruch oder in einer Fabrikhalle.
Und das Sauerland Brass Festival, bei dem sich die besten Blechbläser ein Stelldichein geben, steht bei Bozen Brass besonders hoch im Kurs.
Auch im Fernsehen war Bozen Brass schon mehrfach zu sehen.
Die 5 Musiker leben allerdings nicht nur für Bozen Brass allein. Alle sind als Musiklehrer tätig und geben ihr Wissen gekonnt und engagiert an Nachwuchsmusiker weiter. Außerdem treten sie als Solisten und in anderen Ensembles auf.
Da kann es schon mal zu Terminüberschneidungen kommen. Wenn keine Verschiebung möglich ist, muss Bozen Brass mit einer Aushilfe spielen - was dann zum Leidwesen der Musiker mit Einschränkungen beim Showprogramm einher gehen muss.
Als Hobbymusiker bewundert man natürlich die Berufsmusiker für ihr Können und beneidet sie manchmal, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen konnten. Aber macht es ihnen wirklich immer Spaß? Oder wird es manchmal nicht zur lästigen Pflicht, wenn das Publikum die Musiker absolut nicht von der Bühne lassen will?
Nein, es macht Spaß und ist schön, wenn das Publikum Zugaben einfordert, hat mir Ludwig Wilhalm versichert. Viel schlimmer ist es seiner Meinung nach, wenn ein Orchester dem Publikum Zugaben aufdrängt - ein schmaler Grat auf jeden Fall.
Der Südtiroler Musiker jedenfalls liebt seinen Beruf, da er sehr abwechslungsreich ist und ihm die Freiheit gibt, das zu spielen, was er möchte - vor allem auch bei Solokonzerten.
Auf silberner Scheibe soll es im Frühjahr wieder etwas Neues von Bozen Brass geben. Wer den RSS-Feed des Blasmusik-Blogs abonniert, wird es erfahren, wenn es soweit ist. Einen Vorgeschmack gibt es hier aber bereits in Form eines Videos.



