Bozen Brass Quintet im Kirchenkonzert mit Orgel
Das Ötztal Concert - Orgel Plus Festival lockt auch 2010 wieder Musikliebhaber in verschiedene Kirchen des Ötztales. Dabei wird die Orgel als klassisches Instrument in der Kirche jeweils durch weitere Instrumentalisten oder Sänger ergänzt. Das Plus des Eröffnungskonzerts war das Bozen Brass Quintett mit klangvoller Blechbläsermusik.
Das Konzert begann zwar erst um 20.30 Uhr, aber Hannes Torggler (Orgel), Anton Ludwig Wilhalm, Robert Neumair (beide Trompete), Norbert Fink (Horn), Stefan Mahlknecht (Posaune) und Toni Pichler (Tuba) waren natürlich schon viel früher in der Pfarrkirche Ötz. Der Organist findet ja in jeder Kirche ein neues Instrument vor, das er zunächst kennenlernen muss. Und auch die Blechbläser müssen die Akustik der Kirche testen und herausfinden, wie das Zusammenspiel mit der Orgel am besten von statten geht.
Ich hatte die Chance, all diese Vorbereitungen mitzuerleben und auch ein paar lässige Fotos zu machen, die der “normale” Konzertbesucher sonst so nicht sieht.
Auch wenn das Konzert unter dem Titel “Brass & Organ” lief, kamen die ersten Töne weder von Trompete, Posaune, Horn, Tuba noch von der Orgel, sondern von der Snare Drum. Robert Neumair trommelte eine dezente Einleitung zu “Can she excuse my wrongs” von John Downland. Auch wenn der Titel genauso gut zu einem aktuellen Popsong gehören könnte, handelt es sich um Barockmusik. Aber Bozen Brass ist eben nicht nur ein Blechbläserensemble, sondern selbst im Kirchenkonzert für eine Überraschung gut.
Das Programm bot alle musikalischen Kombinationsmöglichkeiten: nur Blechbläserquintett, nur Orgel und natürlich alle gemeinsam. Und auch wenn Barockmusik den Schwerpunkt bildete, gab es auch Musik aus anderen Epochen bis hin zu einem zeitgenössischen Orgelstück. So war sicher für jeden Konzertbesucher etwas passendes dabei.
“La Fiorentina” von Lodovico da Viadana war das erste gemeinsame Stück für Orgel und Blechbläser, das in der Anspielprobe mehrfach probiert wurde. Es zeigte sich dabei schnell, dass es nicht so günstig ist, wenn die Bläser vorne stehen. Der Weg des Schalls zwischen ihnen und der Orgel war einfach zu weit, als dass ein harmonisches Zusammenspiel möglich gewesen wäre. Also wurde der Standort der Blechbläser kurzerhand in den hinteren Teil der Kirche verlegt.
In der Probe war es noch lässig und improvisiert - zum Konzert dann natürlich geordnet und mit separaten Notenständern.

Nach einem Solostück für Orgel folgte “Galliarde Battaglia” von Samuel Scheidt für Bozen Brass alleine, wobei Robert und Ludi mit ein paar knackigen Trompetenstellen aufwarten konnten. Vom gleichen Komponisten erklang dann die “Echofantasie”, in der die Orgel das zarte Echo der Blechbläser liefern durfte.
Die “Fantasia in G” von Heinrich Scheidemann folgte wieder als Orgel-Solostück, bevor sich die 5 Blechbläser mit allen Instrumenten auf die Orgelempore begaben.

“The Heavens are telling” für Orgel, Blechbläser und Schlagzeug zeigte sich als abwechslungsreiches Stück mit einigen Trompetensignalen, einer feinen Hornpassage und majestätischen Trompetenklängen.
“Psalm XVIII - Maestoso” von Benedetto Marcello schloss sich mit zarten Tönen und einem Wechselspiel zwischen Piccolo und großer Trompete an.

Johann Sebastian Bach war mit zwei Stücken vertreten, dem Präludium und der Fuge in e-Moll für Orgel und der Partita in B-Dur, von Robert Neumair speziell für Bozen Brass arrangiert. Für ihn und Ludi an den Trompeten gab es einiges zu tun - wirbelnde Trompeten könnte man fast sagen - und fliegende Wechsel zwischen Piccolo und Trompete und Trompete und Horn. Ein bewegtes, schwungvolles Stück, bei dem selbst in den Stimmen von Posaune und Tuba Läufe mit 32-tel Noten zu finden waren.
Für Telemanns “Musique heroique” zogen die Bläser wieder auf die Orgel und boten mit Hannes Torggler ein vielseitiges Stück. Es begann tatsächlich heldenhaft mit einer Fanfare, in der sich die Trompeter von ihrer besten Seite zeigen konnten. Darauf folgte ein zarten Teil und eine Passage, in der die tiefe Lage in den Vordergrund treten durfte.
Nach der längeren II. Orgelsonate von Mendelssohn-Bartoldy stimmt Bozen Brass die Zuhörer auf die anstehende Nachruhe ein. Auch wenn man unter dem Titel “Salve Regina” vielleicht eher einen Triumphmarsch erwarten würde, hat Giacomo Puccini hier ein fast besinnliches Stück geschrieben, in dem zarte Trompetentöne harmonisch mit weichen Tiefblech-Passagen kombiniert sind.
Das letzte Wort des Konzerts hatte die Orgel mit dem Magnificat von Bert Matter, einem mehr als zeitgenössischen Stück vom Februar 2010. Danach durften die Zuhörer endlich den Beifall spenden, den sich alle Musiker redlich verdient hatten. Aber darin steckte natürlich auch der Wunsch nach einer Zugabe, den Bozen Brass gerne erfüllte. Und hier konnten sie auch ein klein wenig zeigen, dass sie noch viel mehr können als “nur” schöne Kirchenkonzerte spielen.
Die Verneigung vor dem Schluß der zweiten Zugabe lässt zumindest erahnen, was die Choreografie im Konzertprogramm “Black & White” zu bieten hat.

Auf den Choral der “Bozner Sängerknaben” habe ich leider vergeblich gewartet. Vielleicht war es ja tatsächlich nur eine Lockerungsübung zum Abschluß der Anspielprobe oder…. Nein, ich sage nichts, und freue mich vielmehr schon heute auf die nächsten Konzerte, die ich hoffentlich von und mit Bozen Brass erleben darf.



