Bozen Brass präsentiert Colors in Seefeld

Geschrieben am 21.08.2011 von Marion in der Kategorie Bozen Brass

Colors, das neue Programm von Bozen Brass, sollte natürlich auch beim Konzert in Seefeld präsentiert werden. Dazu müsste aber das Wetter passen und das Konzert im Musikpavillon stattfinden. Denn der Ausweichkonzertsaal ist “nur” die Kirche, in der es aber nicht so ganz freche Musik geben darf – wie im letzten Jahr erlebt.

Die Anspielprobe fand noch ganz entspannt im Musikpavillon statt.

bb seefeld anspielprobe Bozen Brass präsentiert Colors in Seefeld

Je näher aber das Konzert rückte, desto bedrohlicher wurden die Wolken. Aber irgendwie wollten alle Colors – spielen und hören – so dass auch der Schauer kurz vor Konzertbeginn ausgesessen wurde. Schnell wurden die Bänke abgetrocknet, und mit den ersten Tönen trauten sich auch immer mehr Besucher zum Musikpavillon.

Bereits im Eröffnungsstück wurde es bunt auf der Bühne. Dafür sorgten natürlich die neuen farbenfrohen Anzüge, aber auch die Choreografien und der gesungene Willkommensgruß.

bb seefeld 2 Bozen Brass präsentiert Colors in Seefeld

bb seefeld 3 Bozen Brass präsentiert Colors in SeefeldNatürlich gibt es danach eine offizielle Begrüßung durch Stefan Mahlknecht in deutsch und auch in italienisch für die Feriengäste.

Das zweite Stück brauchte keine Ansage, weil es sowieso jeder kennt: “La vie en rose”. Robert Neumaier sorgt mit dem großen Akkordeon für den Musette-Charakter, während Norbert Fink sein Hornsolo kniend zum besten gibt, nachdem der Mini-Becken-Gong die Freigabe dazu erteilt hatte. Auch Anton Ludwig Wilhalm und Stefan Mahlknecht kommen noch solistisch zum Einsatz. Da alles auswendig gespielt wird, gibt es auch für’s Auge Unterhaltung in Form von Schritten und Platzwechseln der Musiker auf der Bühne.

A propos Wechsel: Ein solcher folgte für Anton Ludwig Wilhalm. In diesem Fall wechselt er aber nicht das Instrument, sondern? Die Schuhe! Denn ein wilder Step steht an, den er meisterhaft auf’s Parkett zaubert! Klack-Klack, und weiter geht es mit der Trompete. Ein Showtalent für alle Fälle, dieser Ludi!
Robert Neumaier bleibt bei seiner Moderation im Stile von bleu-blanc-rouge, spricht von magnifique und fantastique und wechselt zur Geschichte von Bozen Brass. Da er zwar noch immer der Dienstjüngste im Quartett ist, aber für alle Kompositionen und Arrangements verantwortlich zeichnet, träumt er vom neuen Titel “Robert Neumaier und sein Bozen Brass Quintett”. Dem allerdings kann sich Toni Pichler, das einzige noch im Quintett aktive Gründungsmitglied, nicht anschließen. Auf italienisch erzählt er seine traurige Lebensgeschichte, in der irgendwie Grillen und Wasser eine Rolle spielen, die Nicht-Italienern allerdings nicht ganz erschlossen wird.

bb seefeld 4 Bozen Brass präsentiert Colors in SeefeldNach einem kurzen Zwischenspiel von Robert Neumaier auf der Ziach geht es getragen, fast choralartig mit der Sonate von Gottfried Finger weiter. Ein Stück zum Entspannen, bevor es auf der Bühne wieder turbulent wird. Musik aus Italien wird angekündigt. Aber Norbert Fink möchte viel lieber etwas von den Kastelruther Spatzen spielen. Sein Wunsch wird aber nicht erhört, woraufhin er beleidigt von der Bühne verschwindet. Den anderen Vier ist das ziemlich egal, und sie beginnen mit “Azurro” ohne Hornist. Norbert lässt sich davon allerdings nicht einschüchtern, hat inzwischen eine rote Weste und den südtiroler Ranzen angelegt und kommt mit dem Mikrophon auf die Bühne zurück. “Tränen passen nicht zu dir” versucht er zu singen, wird aber schnell von den Kollegen verjagt, die nach dieser Störung mit “Downtown” fortfahren. Aber Norbert gibt nicht auf. Mit “Schatten über’m Rosenhof” startet er seinen nächsten, allerdings wieder vergeblichen Versuch für Kastelruth. Auch “Eine weiße Rose”, gesungen und mitgebracht, kann seine Kollegen nicht von ihrem Programm abbringen. Bei ihnen bricht Marmor, Stein und Eisen, Norberts Liebe zu den Kastelruther Spatzen aber nicht. Denn er versucht es erneut mit “Herzschlag für Herzschlag”, wird aber mit “Dschingis Khan” von der Bühne verwiesen. Darauf kann er nur mit seinem Haflinger Steckenpferd kontern, mit dem er mehrmals wild über die Bühne reitet. Und endlich hat einer Mitleid mit ihm. Denn das das Kastelruther Spatzenfest das Schönste ist, findet auch Anton Ludwig Wilhalm und hilft Norbert beim Singen.

Der Streit wird somit begraben und zu fünft geht es weiter mit “Song for Barry” von den Brecker Brothers.

Große Dinge kündigen sich anschließend an. Ein Stuhl wird vorne links auf die Bühne gestellt, auf dem Robert Neumaier Platz nehmen darf. Ludi Wilhalm dirigiert die Kollegen, die nacheinander merkwürdige Dinge zu Robert bringen, die er sich um Füße und Beine schnallt. Keine Sorge, es ist nichts Gefährliches, sondern handelt sich nur um kleine Percussion-Instrumente, mit denen Robert bei Schumanns “Von fremden Ländern und Menschen” für den Rhythmus sorgen wird. Denn die Hände sind belegt, weil ihm abschließend noch das Flügelhorn gereicht wird. Besinnlich geht es los mit einem Flügelhorn-Solo von Anton Ludwig Wilhalm, gefolgt vom Knieschlagzeug und einer Wiederholung des Motivs mit der Trompete. Robert stellt seine Multitasking-Fähigkeit bis zum Ende des Stücks eindrucksvoll unter Beweis. Nach und nach verlassen die Musiker die Bühne. Übrig bleibt Toni Pichler im grünen Anzug. Er holt einen großen Zettel aus der Tasche, faltet ihn langwierig auseinander. Wird er eine Rede halten? Vielleicht seine Lebensgeschichte auf deutsch vorlesen? Nein, natürlich ist es der gespielte Witz, denn diese Ansage müsste er nicht ablesen: P A U S E

Angesichts des Wetters und der Örtlichkeit dauert diese aber nur wenige Minuten, und schon sind die bunten Musiker wieder auf der Bühne, um “Child’s Anthem” zum Besten zu geben. Und danach wird gleich die nächste Rakete aus dem bunten Programm gezündet:

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bb seefeld 6 Bozen Brass präsentiert Colors in SeefeldGymnastik ist angesagt – Aufwärmen und Dehnen zunächst. Anschließend muss jeder vortreten und eine Übung oder Pose vorführen. Verrückt sind sie ja, die Jungs, keine Frage! Aber natürlich im positiven Sinne verrückt, und das geben sie mit “Maniac” auch musikalisch zu. Sie drehen sich, wechseln zu “Billy Jean” und zu “The time of my life”. Und was passiert da? Robi und Toni mutieren zu Baby und Johnny! Die bekannte Anfangsszene, bei der Baby immer kitzelig war, meistert Robi mit Bravour und ist so schnell unterwegs, dass das Foto sogar verwackelt ist. Und wer sich bei Dirty Dancing auskennt, weiß, was noch fehlt: Anlauf – Sprung – Baby schwebt…Robi macht da zwar eher die Variante Mehlsack über Tonis Schulter, aber der Showeffekt ist perfekt gelungen und verdient 10 von 5 möglichen Sternen!

Petrus hat das Ganze wohl so amüsiert, dass er nicht mehr an sich halten konnte und Tränen lachen musste. Einige Zuschauer ergriffen deshalb schnell die Flucht nach Hause, während andere – mutig und schlau – unter dem Dach des Pavillons Zuflucht suchten. Dass der Musikpavillon bei nur 5 Musikern genug Platz für das Publikum bietet, war schon in der Anspielprobe aufgefallen. Und so bekam der letzte Teil des Konzerts eine kuschelig-familäre Atmosphäre mit Musikern und Zuhörern unter dem schützenden Dach, wo es Stings “Englishman in New York” zu hören gab.

Mit der Nocturne von Felix Mendelsson-Bartholdy, stark angehaucht von Robert Neumaier und passend zur vorgerückten Stunde, ging es weiter im Programm.

“Not yet” von Michel Camilo folgte für die treuen Musikfreunde. Wollte Bozen Brass damit das Konzert beenden? Nein, not yet! Wo es doch gerade so gemütlich war!

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Und natürlich hatten sie noch längst nicht alle Raketen gezündet, auch wenn das Programm bis dahin schon viele Knaller zu bieten hatte. Die Titelmelodie der Waltons, vielen bekannt, sollte noch gezündet werden, wobei sich nicht nur Robert Neumaier sondern auch Stefan Mahlknecht als Schlagzeuger betätigten.

Und was war das kleine gelbe Ding, das da noch auf einer Holzstrebe des Musikpavillons lag? Stefans Mega-Gitarre, mit der Bozen Brass nach Oberkrain zog. Wer das Bild genau studiert, stellt fest, dass er nicht der einzige Instrumentenwechsler war:

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Robert Neumaier, Ziachorgel (statt Trompete), Norbert Fink, Trompete (statt Horn) und Toni Pichler, Posaune (statt Tuba). Einzig Anton Ludwig Wilhalm blieb bei seinen Leisten…aber er hatte ja vorher schon mit dem Schuster zu tun…
Mit diesem Stück hatte Bozen Brass die Stimmung nochmal so richtig angeheizt, so dass das Konzert immer noch nicht zu Ende sein durfte. “Du bisch Polka” auf La-la passte perfekt als letzte Zugabe. Danach hatten alle Verständnis und gewährten den Musikern ihren späten Feierabend. Und die Vertreter des veranstaltenden Kulturvereins konnten sich angesichts der Meldung, dass bis zu 250 Besucher den Weg zum Pavillon gefunden hatten, entspannen und eine zufriedene Bilanz des Abends ziehen – trotz aller Aufregung wegen des Wetters.

Colors hat die Österreich-Premiere natürlich perfekt bestanden. Bozen Brass hat nicht nur tolle Musik gespielt, sondern eine perfekte Bühnenshow geboten. Auf die Ideen muss man erstmal kommen, und dann muss natürlich alles einstudiert und bühnereif gemacht werden. Hut ab und viel Vergnügen für alle, die Colors in den nächsten Monaten live erleben dürfen.

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