Bozen Brass: Black Or White im Alten Kino in Ebersberg
“Black or White”, unter diesem Namen ist ein guter alter Whisky bekannt, so die Vorstellung von Bozen Brass im Alten Kino in Ebersberg zur Eröffnung des Herbstprogramms des Kulturkreises. Wahrscheinlich wussten die meisten der Besucher nicht so recht, was sie erwartet. Und wenn sie nach der ersten Halbzeit meinten, es zu wissen, hatten sie sich getäuscht. Den Bozen Brass zeigte das volle musikalische Spektrum von klassisch bis modern und von brav bis ausgelassen.
Wie war das nun mit dem alten Whiskey? Seit es Colors gibt, ist zwar Black or White tatsächlich das alte Programm von Bozen Brass. Aber obwohl ich es nun schon mehrfach erlebt habe, bleibt es immer wieder sehenswert und bietet jedes Mal neue Variationen. Zum Teil ist natürlich auch die Vorfreude die schönste Freude, die nochmal gesteigert wird, wenn das Erwartete nicht nur eintritt, sondern noch übertroffen wird. Denn eines ist immer eine feste Bank: Die Begeisterung, mit der die Musiker bei der Sache sind.

Die Eröffnungsfanfare “Nexus” mit den beiden Trompeten aus dem Hintergrund der bewährte Einstieg in den ersten eher klassischen Teil, der mit “Can she excuse my wrongs” von John Dowland und Bachs “Partita in B” in vier Sätzen fortgesetzt wurde.
Eines meiner Lieblingsstücke von “Black Or White” ist das Duett der beiden Katzen, das Duetto buffo da due gatti. Diesmal hatte Toni Pichler variierend nicht eine weiße und eine schwarze Katze angekündigt, sondern eine Katze vom Reschenpass und eine aus dem Pustertal. Und wieder versuchte die schwarze Katze vom Reschenpass alias Anton Ludwig Wilhalm mit dem Flügelhorn die weiße Katze aus dem Pustertal, alias Robert Neumair mit der Trompete für sich zu gewinnen. Aus dem gemeinsamen Tanz wird mehr – Streicheleinheiten und die große Katzenliebe.
Anton Ludwig Wilhalm hat sich bei diesem Konzert aber nicht nur in seiner Rolle als erobernde schwarze Katze wohlgefühlt. Für ihn war es eine Rückkehr in die Vergangenheit. Schließlich hatte er als junger Musiker einige Jahre in Ebersberg gewohnt und an der Musikschule Grafing/Ebersberg unterrichtet. Die “teure Heimat”, zu der er später in “Verdissimo” fragte “wann seh’ ich dich wieder”, dürfte aber doch eindeutig in Südtirol liegen.
Abweichend von der CD beendete Bozen Brass den ersten Teil des Konzerts mit “Badinerie”, das auswendig und am Bühnenrand stehend gespielt wurde. Danach kam noch der gemeinsame “PAUSE”-Ruf und das Wegräumen der Notenständer, die im zweiten Teil nicht mehr nötig sind.

Zweiter Teil, neues Outfit, neue Welt: weiße Anzüge, weiße Hüte und der “King of Pop” in Blech, mit Gesang, Choreografie und Gags.

Robert Neumairs Moonwalk erntet spontanen Beifall, und auch Anton Ludwig Wilhalm findet wieder Gelegenheit, sein Schauspieltalent unter Beweis zu stellen.

Für mich wird es immer ein Rätsel bleiben, wie er und die anderen vier Musiker sich alle Stücke und Schritte merken können und alles ganz so entspannt vortragen können, dass ihnen immer wieder etwas Neues einfällt. Profis sind sie halt, klar. Aber es ist die Begeisterung für das, was sie tun, die den großen Unterschied macht. Umso betrüblicher ist es, dass auch dieses Konzert nicht ausverkauft war, und das noch dazu bei einem eher kleinen Saal. Hidden Champions fällt mir da nur ein, was aber wirklich schade ist. Natürlich hat ein kleiner Konzertsaal den Charme, einen besseren Kontakt zwischen Musikern und Publikum zuzulassen. Aber er sollte zumindest nahezu ausverkauft sein. Das hätten nicht nur die Musiker verdient, sondern würde auch für noch mehr begeisterte Zuhörer sorgen. Denn die, die den Weg ins alte Kino gefunden hatten, waren restlos begeistert und haben Bozen Brass auch erst nach 3 Zugaben in den Feierabend entlassen, den sie mit ihrem Abgesang “Wir trinken jetzt noch viel Bier bis wir gehen auf alle vier” einläuteten.
In Wahrheit waren sie aber ganz brav, freuten sich über ein warmes Abendessen mit Getränk und auf die anschließende Nachtruhe. Denn zwei weitere Tage mit Konzerten in Bayern und längeren Autofahrten lagen noch vor ihnen.
Doch nochmal zurück zum zweiten Konzertteil. Dort kam mein zweites besonderes Lieblingsstück, Robert Neumairs Komposition “Galaxy” zum Jahr der Astronomie. Der arme Robert hatte wohl etwas Sternenstaub in den Hals bekommen und musste mit einem Hustenreiz kämpfen, konnte seine Passagen aber zum Glück trotzdem galaktisch gut spielen.
“Hora staccato”, das Tubasolo von Toni Pichler kam auch wieder meisterhaft, diesmal auf dem neuen Instrument, das leider in Ebersberg die erste Beule kassierte. Grund zum Ärgern war es aber zum Glück nicht, sondern eher normal.
Auch der Gesang bei Stings “Englishman in New York” war kraftvoll wie immer und lustig mit den “Alien-Alien”-Einwürfen von Norbert Fink.

Bei “Besame mucho” konnte Anton Ludwig Wilhalm als Solosänger ebenso glänzen wie in seiner Rolle als Hahn in “Chicken”, wo Robert Neumair und Stefan Mahlknecht ihr Bekenntnis zu ihrem (und inzwischen auch meinem) geliebten Land Tirol gesanglich zum Ausdruck brachten.
Mit seinem furiosen Schlagzeug-Solo setzte Robert Neumair den Schlußpunkt unter eine gelungene musikalische Präsentation. Mögen die Konzertbesucher ein bisschen Werbung machen, damit beim Konzert am 3.3.12 in Grafing mehr Zuschauer hören und staunen können, was Bozen Brass so alles zu bieten hat.




Chapeau, chapeau – wir sind zu Dritt aus MM extra angereist und sind nun begeisterte Fans.
Ja, die Vielfalt hat mir imponiert und auch ihre heitere, charmante Darbietung. Es war ein wunderbares
Geschenk zu meinem 73. Geburtstag. Machen Sie so weiter, engagierte Weiterempfehlung versprochen.
Das Katzenduett ( mal nicht gesungen) – ein highlight, ………..