Bluatschink-Medley von Hannes Apfolterer

Geschrieben am 27.03.2009 von Marion in der Kategorie Noten

“Was für ein Medley?” werden die meisten sicher fragen. Ja, das Bluatschink-Medley! Aber zugegeben, der Bekanntheitsgrad außerhalb Tirols dürfte in der Tat begrenzt sein – wenn auch zu Unrecht. Denn nicht nur dieses Medley für Blasorchester ist hörenswert, sondern auch die dahinterstehende Musik. Aber eins nach dem anderen:

Die Gruppe “Bluatschink” stammt aus dem Tiroler Lechtal und hat zwischen 1990 und 2007 neben Liedern und Stücken für Kinder auch etliche Songs für Erwachsene geschrieben. Die Texte sind sehr sinnig und gehen teilweise unter die Haut. Da sie im Lechtaler Dialekt gesungen werden, gibt es extra Übersetzungen ins Hochdeutsch, damit der Sinn wirklich allen zugänglich wird.

Und D’r Bluatschink ist kein Doktor mit Tippfehler, sondern “D’r Bluatschink isch a Viech, des hockt dunta im Lech und isch fei gar it kloa”. Und mit dem gleichnamigen Lied beginnt auch das Medley. Der Bluatschink sorgt sozusagen für Anstand und Ordnung, denn er wird zu Hilfe gerufen, wenn die Ruhe und Idylle der Natur durch Lärm oder Müll gestört oder dem Tourismus untergeordnet werden. All’ diese Bösewichte beißt er dann in den A…rm.

Im Blasmusik-Arragement wird daraus ein flottes Stück im Happy Sound. Die Melodie liegt bei den Posaunen, Tenorhörnen und auch Tenorsaxophonen, und die lockere Stimmung wird durch Percussion-Effekte unterstützt.

Im Mittelteil des Medleys wird es ruhig. “A Schalele Kaffee” erzählt von einem Abend, der in einer Stammkneipe beginnt. Er trifft eine gute Bekannte, und der Abend endet in entspannter Harmonie bei einem Schalele Kaffee erst im Morgengrauen. Hannes Apfolterer hat die Einleitung als Klarinetten-Solo gestaltet. Dann übernimmt das hohe Blech, bis das Holz wieder mit einsteigt.

Als letzten Teil des Medleys wird es nochmal lebhaft und ein wenig frech. Denn “Knou mah!” wurde verarbeitet. “A Knou, das ist ein Knabe und mah zua heißt, du sollst mäh’n”, so wird sogar im Lechtalerischen Text erläutert. Und so berichtet der Text von einem Gespräch zwischen dem besagten Knaben beim Mähen und einem Pater, der den Fleiß des Knaben lobt und ihn anspornt, schneller zu Mähen, weil es bald finster wird. Ablösen mag der Pater den Knaben nicht, denn er fürchtet sonst “an Mords-Trumm-Muschglkater”. Mit munteren Achtelbewegungen im Alla Breve-Takt kann man sich den Knaben bei der Arbeit und sein lockeres Mundwerk ganz gut vorstellen.

Im Blasorchester-Arrangement übernimmt das hohe Holz den Refrain, während der Vers im hohen Blech angesiedelt ist. Kurz vor Schluß des Medleys ist nochmal volle Konzentration angesagt, da es zunächst ein Dal Segno in “Knou mah” gibt. Anschließend erfolgt ein Rücksprung in den ersten Teil, so dass das Stück beschwingt mit einigen Takten im Happy Sound endet.

Wer neugierig geworden ist, findet bei Michlbauer eine Hörprobe und kann die Noten auch gleich bestellen.

Der Arrangeur, Hannes Apfolterer, ist Major und musikalischer Leiter der Militärmusik Tirol, die er hier bei einem Standkonzert in Innsbruck dirigiert.

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Außerdem obliegt ihm die musikalische Leitung der Original Tiroler Kaiserjäger. Und wenn er das Arrangieren nicht versteht…

Das Medley ist für ein großes Blasorchester besetzt. Für Flöten, Oboen, Alt-Saxophone, Flügelhörner und Bässe gibt es je 2 Stimmen. Trompeten, Hörner und Posaunen sind sogar 4-fach besetzt. Auch bei den Klarinetten kommen zu den 3 Stimmen in B eine Stimme in Es und eine Solo-Klarinette. Diese Bezeichnung suggeriert aber mehr, als es wirklich ist. Diese Solo-Stimme ist lediglich in einigen Takten noch etwas höher als die 1. Stimme und geht bis zum höchsten G hinauf. Ansonsten gibt es noch für Fagott, Tenor-Sax, Bariton-Sax, Bariton und Kontrabaß je eine Stimme, dazu noch Schlagzeug, Percussion und Pauke.

Leider sind die Noten ziemlich schwach gedruckt. Die Taktzahlen sind zudem sehr klein, so dass es in der Probe ab und zu mal fragende Blicke gibt, wenn eine Taktzahl angesagt wird, die eigentlich gar nicht stimmen kann. Aber das alles lässt sich ja klären.

Ich bin jedenfalls froh, dass ich unserem Dirigenten bei diesem Notenkauf nur ein ganz schwaches Einspruchsrecht eingeräumt habe. Und auch den Musikerinnen, die die Originalstücke nicht kennen, gefällt das Medley. Mal sehen, was das Publikum dazu sagt.

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