Blechbläser, Gesang und Gags – Bozen Brass begeistert in Neckargemünd
Am Tag nach dem Blechbläser-Workshop in Neckargemünd folgten die Bläsertage. Eigentlich sollte in diesem Rahmen das ganze Städtchen zum Klingen gebracht werden. Aber der Wettergott verhinderte mal wieder die Auftritte an verschiedenen Plätzen der Stadt. So fanden die Konzerte der örtlichen Musikkapellen, des Nachwuchses der Musikschule Neckargemünd und auch das Konzert von Bozen Brass in der Aula der Schule statt.
Und zum musikalischen Höhepunkt war die Aula dann auch bestens gefüllt.
Leider stand Robert Neumair, einer der beiden Trompeter von Bozen Brass, an diesem Wochenende wegen anderer Auftritte nicht zur Verfügung. So wurde kurzerhand Kurt Körner als Joker aus dem Ärmel gezogen. Und um auch in der speziellen Konstellation ein gutes Konzert abliefern zu können, war für die Musiker nach dem Workshop am Samstag noch nicht Feierabend. Zwei Stunden Probe war noch angesagt, um vor allem Einleitungen, Übergänge, Tempowechsel und auch choreografische Elemente durchzugehen.
Ich durfte bei der Probe dabei sein und konnte ein bisschen vom “Geist von Bozen Brass” erleben. Mit vollem Einsatz und vor allem mit Freude waren sie am Werk – von Murren über die späte Arbeitszeit und den zusätzlichen Aufwand keine Spur. Im Gegenteil, alle Herausforderungen wurden gemeinsam gelöst und es gab sogar ein paar zusätzliche komödiantische Einlagen, wie das Bild beweist.
Das Konzert begann standesgemäß mit der Eröffnungsfanfare “Nexus”. Wer das erste Mal bei einem Konzert von Bozen Brass war, dem wurde damit schnell klar, dass etwas ganz Besonderes im Gange war. Perfekter Brass-Sound mit Trompeten, Horn, Posaune und Tuba war eine der Zutaten zum Erfolg. Dazu kamen eine vielseitige Stückeauswahl aus allen Musikgattungen und etliche Einheiten für die Lachmuskeln der Zuseher.
Anton Ludwig Wilhalm zeigte immer wieder sein schauspielerisches Talent. Eigentlich hätte man die ganze Zeit nur auf ihn schauen müssen, um nichts von all dem zu verpassen, was er neben dem Trompetenspiel noch ablieferte – Gestik, Mimik, Springen, Tanzen, Singen – alles war dabei.
Am Anfang des Konzerts gab es erstmal zwei klassische Stücke von Bach, die einfach zum Dahinschmelzen schön waren. Und dann folgte auch schon der nächste Knaller.
Besonders für die Kinder kündigte Toni Pichler das Duett der zwei Katzen an – eine schwarze Katze mit einem schwarzen Schwanz und eine weiße Katze mit einem weißen Schwanz…
Gerne hätte er noch viel mehr über die Katzen erzählt, aber Stefan Mahlknecht mahnte ihm (humoristisch natürlich), auf die Zeit zu schauen. Denn die Katzen waren vor der Tür schon bereit.
Die schwarze Katze hatte es diesmal ganz besonders schwer, die “g’schamige” weiße Katze für sich zu gewinnen. Sogar ein Kniefall war nötig, um die Gunst der Angebeten zu gewinnen.
Warum beim Applaus für die beiden Katzen und ihre drei Begleiter eine Kusshand ins Publikum geflogen ist? Neja, auch kleine Dinge können zuweilen große Freude bereiten, denn beim letzten Konzert hatte die weiße Katze noch keinen Schwanz…
Mit “Irish Blessing” schaltete Bozen Brass dann für die Zuschauer wieder einen Ganz zurück, bevor mit Verdissimo wieder ein Arrangement von Robert Neumair auf dem Programm stand. Bekannte Melodien aus den Opern von Verdi – erfrischend anders arrangiert und meisterhaft gespielt von Anton Ludwig Wilhalm, Kurt Körner, Norbert Fink, Stefan Mahlknecht und Toni Pichler an Trompeten, Horn, Posaune und Tuba.

Ein bisschen Heimat wollte das Blechbläser-Quintett dann ins ferne Baden-Württemberg bringen. Eine Südtiroler Bläserweise aus der Feder von Toni Pichler rückte die beiden Flügelhörner und die Posaune in den Vordergrund. Schön sanft und weich gespielt – man hätte stundenlang zuhören können.
Wie im Flug verging der erste Teil des Konzerts, der in schwarz mit weiß gespielt wurde.

Während auf der Bühne die Glücksfee ihres Amtes waltete und vor allem den Gewinner eines Alt-Saxophons ermittelte, das das örtliche Musikhaus zur Verfügung gestellt hatte, wechselten die Musiker von Bozen Brass die Anzüge. Black Or White ist ja der Titel des aktuellen Programms, und so folgte auf Black ganz logisch White, von Kopf bis Fuß!

Der Tubist befand sich leider für dieses Foto aus der ersten Reihe zu weit rechts im Abseits. Aber dafür folgte wenig später sein großer Auftritt mit einem Stück, dass eigentlich für Violine geschrieben ist. Da aber leider niemand Violine spielt, wurde dieses Stück dem größten Instrument zugetragen, so Anton Ludwig Wilhalm in seiner Moderation. “Hora Staccato, das Geigenstück für Tuba” mit Toni Pichler.

Und er hat sich mächtig reingekniet und die Töne fliegen lassen. Warum dieses Tuba-Solo so viel schöner klingt als etliche andere Soli für das große Instrument, hat er mir am Samstag verraten: Weil er nämlich eine Lage höher spielt als normalerweise, also in der Höhe, in der sich sonst schon die Posaune bewegt. Und schon wird die Tuba zu einem brillianten Solo-Instrument.
Black Or White – natürlich durfte das Medley aus Stücken des King of Pop nicht fehlen. Während bei “Bad” auf der CD noch brav und originalgetreu “Who’s bad” gerufen wird, ging es im K
onzert lockerer zu. Da nämlich wurde “Hoi Sepp” daraus. Würde mein Chef diesen Bericht lesen, wüsste er, warum ich ihn seit Montag plötzlich so anders begrüße…
Alle Südtiroler Musiker von Bozen Brass, also nicht der Kurt aus der Steiermark, waren schon im Gefängnis, so Stefan Mahlknecht. Ja, das war kein Schmäh, denn die Insassen sollten auch mal schöne Musik hören. Und damit hatte er auch gleich die Überleitung zum nächsten Stück, dem “Killer Tango” geschafft. Anton Ludwig Wilhalm zog sich killermäßig den Hut in die Stirn und machte einen recht verwegenen Eindruck. Am Samstag in der Probe wurde er selber noch Opfer des Killers und stürzte theaterreif zu Boden. Er hätte es sicher nochmal hingekriegt, aber es wäre einfach zu schade um den guten weißen Anzug gewesen.
War das der Höhepunkt der “Ludi-Show”? Nein, ganz im Gegenteil. Es wurde immer mehr und immer noch besser, natürlich auch unter Beteiligung der anderen Musiker-Kollegen.
“Chicken” stand auf dem Programm. Das Stück, dass so normal anfängt und dann völlig aus dem Ruder läuft. Nicht nur dass plötzlich ein Hahn auf der Bühne erscheint – diesmal war es ein Hahn mit Gießkanne! Und oh Wunder, der “Meister” brachte sogar diese Gießkanne wunderbar zum klingen – bessergesagt zum krähen. So schön, dass ihm die Henne Norbert(a) folgte und zum Ende des Stücks sogar brav ihr Ei legte.
Dazwischen gab es nochmal einen kurzen Abstecher in die Heimat. “Tirol isch lei oans”, ein bekanntes Tiroler Lied, mischte sich in das Hühner-Gewirr. Ein Lob gebührt dem Trompeten-Joker Kurt aus der Steiermark, dem es ohne Probleme gelang, Stefan an der Posaune hier länderübergreifend zur Seite zu stehen.

Das Publikum war restlos begeistert – und bekam noch mehr. “Besame Mucho” mit Sahnehäubchen folgte. Anton Ludwig Wilhalm bahnte sich zunächst als Trompeten-Solist den Weg nach vorne, schob Toni Pichler augenzwinkernd zur Seite und holte dann zur Krönung das Mikrofon aus der Hosentasche und sang. Zurück am Platz mit der Trompete am Mund folgte der einbeinige Hofknicks mit Flieger, bevor es wieder nach vorne zum Bühnenrand ging. Die großen Tenöre wären zwar bei dem Gesang nicht blaß geworden, aber man muss sich einfach was trauen, und schon hat man die Sympathien auf seiner Seite.
Nach diesem grandiosen Feuerwerk konnte das Konzert natürlich noch nicht zu Ende sein. Ein paar Zugaben mussten noch her. Eine davon widmete Stefan Mahlknecht den Musikern der örtlichen Musikkapellen – eine Polka. Aber bei Bozen Brass wird die natürlich nicht einfach so gespielt. Kurt, Ludi und Stefan ließen diesmal zu dritt die Stimmbänder schwingen: “Du bisch Polkkk-cha” – dem Sprachfehler, den die Tiroler angeblich haben sollen entsprechend, auch wenn das in der Mitte Deutschlands sicher auch nicht so bekannt ist.
Gibt es jemanden, der sagt, dass er keine Blechbläsermusik mag? Gibt es Leute, die sagen, dass sie keine klassische Musik mögen? Gibt es Leute, die sagen, dass nur alte Leute in Konzerte gehen? Sie alle sollte einmal Bozen Brass erleben – die Blechbläserklänge, die von zart bis kernig alles sein können, bei denen man bei Barockmusik eine Gänsehaut kriegt und zuweilen Tränen lacht!
Das Publikum in Neckargemünd war begeistert, hat sich zum Teil persönlich bei den Musikern bedankt, hat sich die CDs signieren lassen und sich mit lobenden Gästebucheinträgen bedankt. Und die Organisatoren der Musikschule Neckargemünd denken schon über eine Wiederholung im nächsten Jahr nach. Was kann man mehr sagen?



