Bläserurlaub 2010 – musikalische Fortbildung auf höchstem Niveau

Geschrieben am 8.09.2010 von Marion in der Kategorie Musikunterricht

Der 15. Bläserurlaub 2010 ist Geschichte – und wieder mit neuem Teilnehmerrekord. Das hätte sich Josef Steinböck sicher vor 15 Jahren nicht träumen lassen, dass es inzwischen fast schon so etwas wie die Bläserurlaub-Familie gibt, denn viele bekannte Gesichter der letzten Jahre waren auch heuer wieder da – auf Teilnehmer- und auch Dozentenseite, versteht sich.
Es war alles vertreten: vom Jung-Klarinettist, der noch von seiner Mutter begleitet wurde, bis hin zur Saxophonistin, die während des Bläserurlaubs den 1. Tag in der Pension begangen hat, von talentierten Musikstudenten bis zu Laien, die sich in fortgeschrittenerem Alter den Traum vom Musizieren erfüllen.

Selbst die sonst geschlechtsspezifische Instrumentenverteilung war in Bad Goisern aufgehoben. Beim Weisenblasen waren es 4 Tubistinnen, nicht zu vergessen die Solistin, die bereits letztes Jahr mit einem Tubasolo glänzen konnte. Auch in den anderen Blechregistern waren etliche Frauen verschiedener Altersstufen vertreten. Und bei den traditionell weiblichen Querflöten waren zwei (männliche) Dozenten an Bord.

Auch wenn ich dieses Jahr alleine nach Bad Goisern gefahren war, bin ich es dort nicht lange geblieben. Mit den 3 anderen Bläserurlaubern im gleichen Quartier war schnell Kontakt geschlossen. Und auch in den Unterrichtsgruppen, Ensembles und Nebenfächern hat jeder ja immer wieder bekannte Gesichter gesehen. Man muss also nicht mit einer Gruppe von der Musikkapelle anreisen, um der Einsamkeit zu entgehen.

Das Schöne am Bläserurlaub ist, dass alle mit der gleichen Intention hingehen. Jeder möchte sich musikalisch weiter entwickeln – gleich von welchem Ausgangsniveau. Die Grundeinstellung sorgt dafür, dass alles reibungslos funktioniert. Alle sind pünktlich in den Kursen und Proben und arbeiten diszipliniert mit – was man leider nicht von allen Kapellen oder Ensembles außerhalb von Bad Goisern sagen kann. So lassen sich in einer Woche etliche Stücke für die diversen Konzerte einstudieren.

Jeder ist für sich selber verantwortlich und kann sich sein Programm aus Unterricht, Ensemblespiel, Nebenfächern und Besuch im Unterricht anderer Lehrer nach seinen Bedürfnissen zusammenstellen. Wenn man ganz eifrig sein möchte, stößt man aber hier und da an Grenzen, weil sich Aktivitäten überschneiden. So passiert es immer mit den Rhythmusübungen und dem Warm-Up bei den Trompetern. Aber eine knappe Stunde Rhythmusübungen ist besser als gar nichts, dachte ich mir heuer. Das war eine sehr gute Entscheidung, auch wenn es gar nicht so einfach ist, morgens um 8 mit Händen und Füßen unterschiedliche Dinge zu tun. Aber allen geht es ähnlich, und mit der Zeit klappt es dann auch mit den unterschiedlichen Rhythmen.
Und ausgelacht worden ist noch niemand – egal in welchem Fach. Denn auch wenn (oder gerade weil?) die Dozenten allesamt zur Crème de la Crème an ihren Instrumenten zählen, holen sie jeden Schüler dort ab, wo er gerade steht. Professionell und verständnisvoll wird analysiert, was der Schüler schon kann und was ihm in einer Woche angeboten werden kann, um ihm einen Nutzen zu verschaffen, der über die Woche hinaus geht.
Und wenn am Mittwoch der Ansatz im Eimer ist, gibt es nur Lockerungsübungen und ein Musik-Quiz am PC. Oder wenn der Schüler vor lauter Nachdenken über Zunge, Lippen und Atmung völlig verkrampft spielt, spielt ihm der Lehrer Tonübungen vor. Und vor lauter Konzentrieren auf die Töne, die da nachzuspielen sind, wird der Ansatz plötzlich wieder ganz locker und selbst der Gedanke “Hilfe, das war doch gerade ein f2, das kriege ich doch eh nicht raus” löst sich in Wohlgefallen auf.

Man hat im Bläserurlaub als ganz normaler Hobby-Musiker die wohl einmalige Chance, Unterricht von Musikern zu bekommen, die man beim Neujahrskonzert im Fernsehen bewundern kann, die mit ihren Orchestern oder als Solisten viel Applaus gewohnt sind und die musikalischen Rohdiamanten am Konservatorium zum Hochglanz schleifen. Starallüren sind ihnen allen fremd und das “du” ganz selbstverständlich.

Und so bringt es auch ganz viel, wenn man sich in der freien Zeit einfach bei anderen Lehrern und Schülern im Unterricht zuschaut und -hört. Jeder Dozent achtet auf andere Sachen und manche spielerischen Probleme tauchen immer wieder auf.

Faszinierend am Bläserurlaub ist auch der ganzheitliche Ansatz, bei dem der Unterricht am Instrument eben nur ein Aspekt ist. Gerade die Atemübungen sind sehr nützlich, nicht nur für die Bläser, sondern auch für den Puls des Orchesters. Atemcoach Alexander Gerner hatte uns erzählt, dass er auch mit Pianisten Atemübungen macht. Und was passierte letzten Montag in der Musikprobe? Unser Dirigent hat den Schlagzeuger aufgefordert, mit den Bläsern einzuatmen. Und siehe da: sofort haben seine Schläge exakt gepasst.

Musik-Kinesiologie war heuer ein neues Nebenfach, das viele interessante Denkanstöße bieten konnte. Musizieren mit Farbe – ein interessanter Aspekt, der bald mal einen eigenen Blogbeitrag verdient.

Bläserurlaub 2011 – wir kommen sicher wieder. Denn wo sonst als in Bad Goisern kann man kurz nach Mitternacht beim Bäcker direkt in der Backstube ofenfrisches Gebäck kaufen? Einfach lässig!

Hier noch ein paar Impressionen vom Abschlußkonzert am Samstag, das witterungsbedingt leider im Festsaal stattfinden musste.

Blechbläserensemble 1 mit Landeskapellmeister Ebner:

blechblaeserensemble1 Bläserurlaub 2010   musikalische Fortbildung auf höchstem Niveau

Ein Schlagzeugensemble, das gezeigt hat, dass es auch ohne Bläser schöne Musik geben kann.

schlagzeuger Bläserurlaub 2010   musikalische Fortbildung auf höchstem Niveau

Das große Querflötenensemble mit 3 Solisten an Gasteiner und Bass-Flasche.

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