Bezirkskonzert der Militärmusik Tirol in Reith/Kitzbühel
Die Musikkapelle Reith bei Kitzbühel hatte sich erfolgreich um die Ausrichtung des Bezirkskonzerts der Militärmusik Tirol beworben und eröffnete damit ihre Feierlichkeiten zum 160-jährigen Jubiläum. Die große Bühne im Festzelt war gut gefüllt. Mit 3 Flöten, 3 Oboen, 9 Klarinetten und 5 Saxophonen war das Holzregister bei diesem Konzert sehr gut besetzt.
Mit dem bekannten Marsch “Mens sana in corpore sano” eröffnete die Militärmusik Tirol das Konzert. Geert Sprick hatte ihn für seinen Vater komponiert, der den holländischen Sportvereinen eng verbunden war, so erklärte einer der beiden Moderatoren des Abends.
Die obligatorische Ouvertüre zu Beginn eines jeden Konzerts kam diesmal von Carl Maria von Weber und trug den Titel “Der Beherrscher der Geister”. Sie war ehrlichgesagt zu klassisch für ein Festzelt, denn die Solopassagen von Querflöte und Oboe konnten die Hintergrundgeräusche leider nicht beherrschen. So ging einiges dieses majestätischen Stücks verloren.
Der Vergnügungszug von Johann Strauß bahnte sich als nächstes seinen Weg durch Reith. Offenbar hatte er viele unbeschrankte Bahnübergänge zu passieren, denn einer der Schlagzeuger blies fleißig in sein Signalhorn. Tatsächlich gab es zur Zeit des Komponisten viele Vergnügungszüge auf den Südbahnlinien, die ihn zu diesem Stück inspirierten.
Weiter ging die musikalische Reise mit Franz Léhar ins “Land des Lächelns”. Nach einer vom hohen Blech getragenen chinesischen Einleitung zauberte die Militärmusik Tirol tatsächlich mit einem weichen Tutti ein warmes Lächeln für’s Herz herbei.
“Skoda lasky”, Blasmusikfreunde wissen das, ist kein Automodell, sondern der Originaltitel der bekannten Polka Rosamunde. “Schade um die Liebe”, so der Text, der nachträglich dazu geschrieben wurde. Neben der bekannten Melodie gab es interessante Nebenmelodien vom tiefen Blech und von der Piccolo-Flöte. Für den Refrain waren die Posaunisten zuständig, während die Trompeter mit Einwürfen auf sich aufmerksam machen durften.
Dass Hannes Apfolterer nicht nur Dirigent der Militärmusik Tirol ist, sondern auch ein hervorragender Komponist, wurde mit seinem Marsch “Schutz und Hilfe” unter Beweis gestellt. Danach machte sich ein Solist auf den Weg vor die Bühne, denn nur dort war ausreichend Platz für sein Solo-Instrument, das Xylophon. Ein Czardas von Franz Liszt war angekündigt und wurde meisterhaft schnell und virtuos vorgetragen. Das Publikum war begeistert und forderte eine Zugabe des Solisten.
Ein modernes Medley von Joe Cocker brachte bekannte Titel wie With a little help of my friends, Unchain my heart, You can leave your hat on oder Up where we belong. Kleinere Solopassagen waren darin für Flöte, Alt- und Tenor-Saxophon, Keyboard, Trompete und Horn enthalten.
“Amazing Grace” wurde als nächstes Stück angekündigt. Wollte die Militärmusik Tirol das Festzelt nun wirklich in eine Kirche verwandeln? Nein, die Sorge war unbegründet. Vielmehr hatten sie eine interessante Komposition aufgelegt, die das Thema mal im Swing, mal im Walzertakt brachte. Das Solo-Alt-Saxophon durfte aber auch den bekannten Rhythmus vortragen.
Beim vorletzten Stück wurde klar, warum schon die ganze Zeit nur beim Saxophonregister Mikrofone standen. Bei “I got the rhythm” hatten sie ihren solistischen Auftritt, bei dem ihnen die Anlage ein wenig Unterstützung bot. Das war auch gut so, denn das Oboensolo war angesichts des Geräuschpegels im Hintergrund selbst ganz vorne kaum zu hören.
Mit dem Kaiserschützen-Marsch endete der offizielle Teil des Konzerts.
Natürlich gelang es dem Publikum mit seinem Applaus noch einige Zugaben zu bekommen. Nach dem Marsch, bei dem der Gesang “Hellau mir sein Tiroler Buam” zumindest in der ersten Strophe vom Publikum ergänzt wurde, folgte ein festliches Solo für Oboe. Es wäre sicher ein anmutiges Gute-Nacht-Lied geworden, aber erneut ging die feine Musik fast vollständig im Stimmengewirr des Zelts unter.
Mit “Oh du mein Österreich” verabschiedete sich die Militärmusik Tirol von den Blasmusikfreunden im Bezirk Kitzbühel. Und wer danach das Zelt verließ, erhielt tatsächlich sein Eintrittsgeld zurück, da die Bezirkskonzerte kostenlos gespielt werden. Kostenpflichtig war nur das anschließende Unterhaltungsprogramm im Zelt.








Hallo,
weißt du, von wem (Arrangeur + Verlag) das Joe-Cocker-Medley stammt?
Danke und Gruß Thomas
@Thomas: Nein, das weiß ich leider nicht.
Arr.: Wolfgang Wössner
Josef, dankschön!