Als Holzbläser Trompete lernen

Geschrieben am 20.03.2009 von Marion in der Kategorie Instrumente

Wenn man die “Nettigkeiten” betrachtet, die sich Holz- und Blechbläser teilweise an den Kopf werfen – von “Blechlutscher” über “Prügelbeißer” – könnte man meinen, dass es keiner je wagt, musikalisch die Grenzen zu überschreiten. Aber wenn man genauer hinschaut, findet man doch etliche Musiker, die sowohl ein Holz- als auch ein Blechblasinstrument spielen. Und wer im Empfangsbereich des ORF wohnt und zu Fasching “Mei liabste Weis” gesehen hat, konnte bei Franz Posch feststellen, dass man sogar fast direkt von Flügelhorn auf Klarinette wechseln kann.

Dass sich Klarinette und Trompete vertragen, kann ich bestätigen. Und als Blech-Anfänger kann man sich das sogar zu Nutze machen. Wenn der Mund von der Trompete müde ist, gönnt man ihm beim Klarinettenspiel ein wenig Erholung und beginnt dann erneut mit der Trompete.

Was sich  – zumindest beim Anfänger – nicht verträgt, sind Trompete und Querflöte. Das erscheint seltsam, denn die Grundstellung des Mundes ist bei beiden Instrumenten zunächst gleich. Da aber die Instrumente dann anders angesetzt werden und der Ton auf ganz andere Weise entsteht, enden die Gemeinsamkeiten bald. Und so ist ein trompetengeplagter Mund scheinbar nicht mehr in der Lage, die für die Flöte nötige Form zu bilden. Wenn man Glück hat, kommen die tiefen Töne irgendwie noch raus, aber Überblasen scheint unmöglich. Es handelt sich aber zum Glück nur um ein temporäres Phänonmen, d.h. mit der Zeit kommen auch wieder alle Töne aus der Querflöte. Und mein Trompetenlehrer, der auch Querflöte spielt, hat mir versichert, dass sich beide Instrumente nicht dauerhaft “beißen”.

Der Holzbläser braucht alle 10 Finger, um die verschiedenen Töne zu erzeugen. Bei der Querflöte sind die Griffe durch das Überblasen etwas einfacher, während bei der Klarinette wesentlich mehr Klappen rechts und links und zwischendrin gedrückt werden müssen, um verschiedene Töne zu erzeugen.

Wenn man das gewohnt ist, fragt man sich schon, wie Gleiches bei der Trompete mit nur 3 Ventilen geht.
Bei den untersten 7 Tönen, vom tiefen Fis bis zum C, geht es genauso wie beim Holz. Jeder Ton hat einen eigenen Griff für die Ventile. Möchte man sich über das eingestrichene C hinauswagen, muss der ganze Körper mit ran. Für die Finger wiederholen sich dabei bis zum eingestrichenen G nochmal die gleichen Ventilkombinationen wie im tiefen Keller.

So wie ich es heute gelernt habe, beruht der Übergang von den unteren 7 Tönen auf die nächsthöheren 7 Töne dadurch, dass man das Zwerchfell nach oben zu ziehen versucht. Es ist also eine gewisse Bewegung im Bauchbereich sichtbar. Und im Kopf soll etwas passieren: Nämlich dass man sich den höheren Ton vorstellt. So ähnlich wie beim Singen, sagt mein Lehrer.

Soweit die Theorie. In der Praxis geht das natürlich noch nicht gleich so einfach. Viele Töne bleiben am Anfang noch jämmerlich zwischen den Welten hängen, aber Übung macht ja bekanntlich den Meister. Wenn gerade nichts mehr geht, lässt man am besten erstmal das Wasser aus der Trompete, macht dann eine Pause und fängt später nochmal an. Schließlich müssen sich die Lippen – Muskeln wohlgemerkt – erstmal an die neue Belastung gewöhnen.

Das kann man zwischendurch natürlich auch ohne Instrument üben. Und wer mal einen Radfahrer mit verkniffenen Lippen durch die Gegend radeln sieht, täuscht sich vielleicht, wenn er meint, der wäre grimmig. Vielleicht macht er ja Lippengymnastik für sein Dasein als Blechbläser. Und das ist nicht nur was für Anfänger, sondern auch für gute Blechbläser, die noch besser werden wollen.

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