Adventskonzert des Gebirgsmusikkorps Garmisch-Partenkirchen

Geschrieben am 12.12.2009 von Marion in der Kategorie Konzerte

Alle Jahre wieder kommt das Gebirgsmusikkorps aus Garmisch-Partenkirchen zum Adventskonzert in die Brannenburger Christ-König-Kirche. Warum wird diesem kleinen Ort im Inntal diese Ehre zuteil?
Nun, weil es dort eine Kaserne mit Gebirgspionieren gibt, für die das Konzert primär gedacht ist - was den Blasmusikfreunden aber nur Recht ist. Und warum bekommt der Pfarrer in seiner Begrüßung spontan Beifall?

Nun, weil er den Besuchern verkündet, dass das Konzert bereits für 2010 gesichert ist, obwohl die Kaserne im Laufe des Jahres geschlossen wird. Also begannen die Musiker und Musikerinnen von Oberstleutnant Martin Kötter unter einem besonders guten Stern.

Das Konzert wurde musikalisch von einem Blechbläser-Doppelsextett eröffnet, die von der Orgelempore “Sonata octavi Toni” von Giovanni Gabrieli erklingen ließen.
Die Blechbläser, genau gesagt je ein Trompeter und ein Posaunist, waren auch bei “Finale for a Winter Festival” solistisch unterwegs und spielten rechts und links vor dem Orchester stehend Fanfaren und Einwürfe.

Nach diesem Stück beendete Dirigent Kötter dann auch wieder die Unsicherheit der Konzertbesucher bezüglich des Beifalls. Musik sei Gotteslob, und wem es gefällt, der darf natürlich auch in einer katholischen Kirche nach jedem Stück applaudieren, sagte er und gab den Händen den Weg frei, ihre Anerkennung nach jedem Stück zu zeigen.

Johann Sebastian Bachs “Schafe können sicher weiden” aus der Kantate Nr. 208 folgte als nächstes Stück vom gesamten Orchester. Das Thema lag im Flötenregister, und die zwei Flötistinnen und der eine Flötist spielten wirklich so weich und zart, dass man unweigerlich an das Fell der Schafe erinnert wurde. Das Thema wurde später von den Klarinetten übernommen. Insgesamt klang das ganze Stück tief und harmonisch - kein hoher oder kantiger Ton konnte also die Sicherheit der Schafe beeinträchtigen.

Das Adventskonzert wird ja traditionell nicht nur vom großen Orchester bestritten, sondern bietet auch eine Plattform für diverse kleinere Besetzungen des Gebirgsmusikkorps. Dazu zählen natürlich auch die alpenländischen Besetzungen. Und so teilten sich die Alphorngruppe und die Stubnmusik das Stück “Es wird schon glei dumpa”. Die Alpbläser/innen kommen übrigens längst nicht alle aus der Tiefblechriege, sondern spielen ansonsten Trompete, Flügelhorn und Posaune.

Mit einer kleinen Besetzung und einer großen Überraschung ging es bei Mozarts “Hochzeit des Figaro” weiter. Die Ouvertüre erklang von einem Klarinetten-Quartett aus 3 B- und einer Bass-Klarinette. Danach trat einer der Klarinettisten ohne Instrument vor das Orchester. Und was passierte? Die als Bariton-Solo angekündigte Arie wurde nicht mit dem Bariton(horn) gespielt, sondern kam aus der Kehle des Oberfeldwebels Arno Maczioch. Ganz locker und ohne Mikrofon sang er die Arie und verdiente sich damit ganz klar begeisterten Beifall.

Das klassische Holzbläserquintett besteht aus Klarinette, Fagott, Horn, Oboe und Querflöte. Letztere war beim Intermezzo aus “Cavalleria Rusticana” von Pietro Massagni führend und wunderbar anzuhören. Danach konnte das große Orchester wieder in seiner normalen Sitzordnung Platz nehmen und Variationen über “Tochter Zion” und eine Suite aus “Der Messias” spielen.

Die Flötistin Simone Steiner hatte auch diesmal eine pointierte Weihnachtsgeschichte ausgesucht, die sich mit übertriebener Weihnachtsbeleuchtung beschäftigte: “Advent, Advent, ein Kraftwerk brennt.”

Zum Abschluß des offiziellen Programms unternahm das Gebirgsmusikkorps noch eine musikalische Schlittenfahrt mit dem “Sleigh Ride” von Leroy Anderson und bat um gesangliche Unterstützung des Publikums mit “Macht hoch die Tür”.

Ohne Zugabe wird das Gebirgsmusikkorps aber nirgends entlassen. Und natürlich hatten sie auch noch was vorbereitet: Variationen über “Winter Wonderland” - erst traditionell, dann jazzig und anschließend sogar im Marschtempo - interessant anzuhören. Und als allerletztes Stück erklang fast logischerweise “Stille Nacht”.

Das Konzert hat zwar der Uhr nach nur 1 Stunde und 15 Minuten gedauert. Durch das tolle, abwechslungsreiche Programm kam es mir aber sehr viel länger vor - was aber vielleicht auch an den oft unbequemen Kirchenbänken liegt.

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